03.03.2020 | 19:15 Uhr Coronavirus in Sachsen: Dienstreiseverbote und Einschränkungen für Klinikpersonal?

Wenn sich ein Klinikmitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert, kann das ganze Stationen lahmlegen. Wie schützen Sachsens Kliniken ihr Fachpersonal? Gibt es Reiseverbote oder Reglementierungen für Dienstreisen?

Die Schatten dreier Geschäftsleute mit ihren Rollkoffern.
Sachsens große Kliniken handhaben Dienstreisen für Ärzte und Fachpersonal in Zeiten von Coronainfektionen weltweit ganz unterschiedlich. Die Spanne reicht von Verboten bis hin zum Apell an den gesunden Menschenverstand. Bildrechte: dpa

Dresden: Uniklinik erlässt Dienstreiseverbot

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden hat ein Dienstreiseverbot für alle Mitarbeiter ausgesprochen. "Das ist aber keine Urlaubssperre. Es sind nur Dienstreisen gemeint, um das Risiko einer Coronainfektion zu minimieren", sagte der medizinische Geschäftsleiter Andreas Mogwitz. Das Verbot für die rund 6.000 Mitarbeiter gelte vorerst bis 16. März. In der nächsten Woche will das Klinikum prüfen, ob das Verbot aufrechterhalten, erweitert oder eingeschränkt werden muss. "Im Einzelfall prüfen wir aber, ob bei Verpflichtungen für Prüfungen, vor Gericht oder in Ausschüssen nicht doch eine Dienstreise angetreten werden kann", meinte Mogwitz.

Beispiele in Tübingen und Hamburg haben gezeigt, dass infizierte Ärzte in erheblichem Maße den Krankenhausbetrieb beeinflussen können und sogar Stationen schließen mussten. Das wollen wir vermeiden.

Andreas Mogwitz Medizinischer Geschäftsleiter Uniklinik Dresden

Pirna: Klinik sagt eigene Veranstaltungen ab

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gibt es den ersten bestätigten Coronainfizierten in Sachsen. Der 67 Jahre alte Rentner und 34 weitere Sachsen einer Reisegruppe müssen in häuslicher Quarantäne bleiben.

Das Helios Klinikum Pirna sagt dazu: "Gerade in Zeiten eines hohen Infektionsaufkommens werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Kliniken dringend gebraucht." Helios hat eigene Großveranstaltungen abgesagt. "Fachgruppensitzungen, bei denen sich zum Beispiel Ärzte austauschen, finden vorerst nicht als Präsenztermine, sondern als Telefonkonferenzen statt", sagte Sprecherin Kristin Wollbrandt. Aber: Urlaubssperren wurden nicht verhängt. Zum Schutz der eigenen Gesundheit sei den Mitarbeitern jedoch von Reisen abgeraten worden, die in Gebiete mit Reisewarnung führen.

Leipzig: Dienstreise-Einschränkungen, "aber keine Panikmache"

Der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig hat am Montag Dienstreisen in die laut RKI gefährdeten Coronavirus-Gebiete bis auf Weiteres untersagt. "Sonstige Dienstreisen sind prinzipiell erlaubt, aber auf das Notwendige zu beschränken", sagte Sprecher Markus Bien. Bereits seit Januar arbeite eine interne Task-Force aus verschiedenen Fachbereichen an der Uniklinik, die sich mit dem Städtischen Klinikum St. Georg abstimme. Das St.-Georg-Klinikum ist in Leipzig erste Anlaufstelle für bestätigte Infizierte. Sprecher Markus Bien verwies aufs Intranet der Uniklinik, wo alle wesentlichen Hinweise und Fakten zum Coronavirus aufgeführt würden.

Im Klinikum St. Georg in Leipzig gibt es derweil keine Reise- oder Urlaubsreglementierungen für die mehr als 3.000 Mitarbeiter. "Jeder weiß, wie er sich selbst schützen kann. Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand und gehen davon aus, dass ein Arzt, der einen Kongress in Mailand hat, mit Weitsicht reagiert", sagte Pressesprecherin Manuela Powolik.

Am Montag hätten Mitarbeiter bei einer Informationsveranstaltung im Leipzig Klinikum viele Fragen beantwortet bekommen zum eigenen Schutz vor dem Coronavirus und zum Umgang mit betroffenen Patienten. "Wir sensibilisieren weiter und klären auch zur Hygiene weiter auf, wollen aber keine Panikmache. Das transportieren wir auch nach innen", meinte die Unternehmenssprecherin mit Blick auf die insgesamt 25 Kliniken der Klinik-Gruppe.

Chemnitz: Appelle an Verantwortung und Menschenverstand

An den "gesunden Menschenverstand" appelliert auch der Leiter der Klinik für Infektions- und Tropenmedizin am Klinikum Chemnitz, Dr. Thomas Grünewald. Die Klinik hat den rund 7.000 Mitarbeitern bislang keine Vorschriften für Dienstreisen oder Urlaub gemacht. "Keiner wird freiwillig in Risikogebiete nach China oder in den Iran fahren", sagte Grünewald mit Blick auf die Selbstverantwortlichkeit der Beschäftigten. Dennoch hätten Mitarbeiter auch Ängste und Sorgen geäußert. Am Freitag findet deshalb eine Mitarbeiterversammlung statt, in der über Selbstschutz und Hygiene informiert werden soll. "Wir informieren darüber auch im Intranet und versuchen, klar und transparent zu kommunizieren", sagte der Infektionsexperte.

Im Gespräch mit MDR SACHSEN warnte er vor Panik und erinnerte daran, dass es wichtiger sei, Hygienestandards wie Händewaschen, Husten- und Niesetikette in der Öffentlichkeit zu befolgen "als sich Mundschutz zu organisieren". Grünewald rechnet damit, dass auch in Sachsen die Zahl bestätigter "Coronainfizierungen steigen wird, aber das heißt nicht, dass die Welt untergehen wird".

Zwickau: Klinikum diskutiert Dienstreise-Einschränkungen

Für das Heinrich-Braun-Klinikum in Zwickau sagte Sprecherin Cathleen Schubert MDR SACHSEN: "Wir beobachten die Entwicklung und haben bereits eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe gebildet, die aus dem aktuellen Geschehen Handlungsanweisungen für das Haus ableitet." Die rund 2.500 Mitarbeiter würden über Corona-Risikogebiete informiert, die durch das Robert-Koch-Institut ausgewiesen werden. "Bisher können sie selbst eine Risikoabschätzung vornehmen, in welchen Regionen sie einen Aufenthalt planen oder nicht", sagte Schubert. Ob Aufenthalte mit dienstlichem Bezug wie Kongresse oder Weiterbildungen in betroffenen Regionen unterlassen werden sollen, werde derzeit intern diskutiert.

Mann greift nach Arzttasche auf eine Einkaufswagen.
Ob Mediziner zur Zeit auf Dienstreise gehen können, hängt von den Ansagen ihrer Arbeitgeber in Sachsen ab. Bildrechte: dpa

Übersicht über aktuelle Fallzahlen in Sachsen und bundesweit

Das Robert-Koch-Institut schlüsselt tagesaktuell alle bestätigten Coronainfizierungen auf und zeigt den Fortgang der Coronavirus-Infektionen bundesweit und weltweit:

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.03.2020 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

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