Umweltamt ruft zum Herdenschutz auf Vermehrt Wolfsrisse in Nordsachsen und in Dresdner Heide

Schafe und Ziegen sind für Wölfe eine vergleichsweise leichte Beute, wenn sie nicht ausreichend geschützt untergebracht sind. Zur Zeit kommt hinzu: Der Nahrungsbedarf der Raubtiere steigt. Mehr Risse sind die Folge. Das Landesumweltamt ruft deshalb Tierhalter auf, verstärkt auf den Herdenschutz zu achten.

Wölfe im Wald auf Wanderschaft
Bildrechte: MDR/ LUPUS Institut für Wolfsmonitoring und -forschung

Wölfe in Sachsen sind aktuell auf Futtersuche und machen deshalb vermehrt Jagd auf Schafe und Ziegen. Vor allem im Landkreis Nordsachsen und im Bereich um die Dresdner Heide wurden vermehrt Wolfsrisse beobachtet, wie das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie MDR SACHSEN mitteilte. Seit Anfang Juli seien dabei insgesamt 31 Schafe und Ziegen getötet worden.

Allein am Mittwoch seien insgesamt 13 Schafe von Wölfen gerissen worden, fünf in Malschwitz bei Bautzen und acht in Bad Düben. Am Dienstag seien es in Laußnitz ein Schaf und in Dresden-Weißig eine Ziege gewesen. Alle getöteten Tiere wiesen demnach einen "wolfstypischen Kehlbiss" auf. Damit sei der Wolf als Verursacher hinreichend sicher. In einigen Fällen seien die Anforderungen an den Mindestschutz erfüllt worden, in vielen Fällen aber nicht.

Welpen und Beutetiere im Sommer ausgewachsen

Ein Anstieg an Wolfsrissen zwischen Spätsommer und Herbst werde im Freistaat seit Jahren regelmäßig beobachtet, erklärte das Landesamt. Dies hänge zum einen mit dem erhöhten Nahrungsbedarf der inzwischen fast ausgewachsenen Wolfswelpen zusammen. Zum anderen seien auch die Nachkommen anderer Tiere wie Kitze oder Frischlinge, die im Frühjahr noch leichte Beute für Wölfe gewesen seien, inzwischen "zu reaktionsschnellen Wildtieren herangewachsen". Daher seien Schafe und Ziegen in extensiver Freilandhaltung zu dieser Jahreszeit eine vergleichsweise leichte Beute für die Jäger.

Schutzzäune mit mindestens 2.500 Volt empfohlen

Das Landesamt ruft Tierhalter deshalb zum verstärkten Schutz ihrer Herden auf. Wer seine Schafe oder Ziegen nachts nicht in Ställen unterbringen kann, sollte sie demnach möglichst mit unter Strom stehenden Zäunen schützen. Bewährt hätten sich Netz- und Litzenzäune mit einer Höhe von mindestens einem Meter und einer Spannung von mindestens 2.500 Volt. Diese würden zu 100 Prozent staatlich gefördert. Wichtig sei auch, dass es keine Durchschlupfmöglichkeiten am Boden gebe und alle Seiten der Koppel geschlossen seien. Über offene Gräben oder Gewässer könnten Wölfe leicht eindringen.

Außerdem sollten Tierhalter auf eine ausreichende Größe der eingezäunten Flächen achten: Wenn die Tiere mehr Platz hätten, könnten sie im Falle einer Panik, die durch einen Wolf außerhalb des Zaunes ausgelöst werden könne, besser ausweichen und brächen nicht so schnell aus.

Nachrichten

Heulende Wölfe 5 min
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Do 25.06.2020 15:49Uhr 04:58 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/indizien-fuer-woelfe-in-westsachsen-102.html

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.08.2020 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

4 Kommentare

Steffen Kayser vor 9 Wochen

Der Wolf hat Hunger. Ja reißt Nutztiere. Warum? Weil er dazu durch den Mangel an Initiative der Nutztierhalter an den gedeckten Tisch eingeladen wird. In Fast allen Ländern gibt es Wölfe. Aber Klagen hört man von dort nicht. Warum? Weil sich die Tierhalter darauf eingestellt haben oder schon immer hatten.

nasowasaberauch vor 9 Wochen

Der Wolf hat seine Daseinsberechtigung, aber nicht um die Nutztierhalter zu beschäftigen, sondern im Ökosystem Wald seine Aufgabe zu erfülen. Zur Vergrämung gehört der Wolf in das Jagdrecht, sonst werden bei wachsender Population (der Nutztiertisch ist reich gedeckt) die Probleme immer größer. Gelehrig wie er ist, versteht er nur den Abschuss. Entnahme kommt mir nicht über die Lippen, dieses Wort gehört zu falsch verstandener Tierliebe und zu einer Politik ohne Mut.

Freiheit vor 9 Wochen

Wozu brauchen wir den Wolf? Er verursacht großen Schaden und immense Kosten!

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