Wirtschaftsdelegation unterwegs Sachsens Unternehmen suchen Kontakt mit Russland

Ein Maschinenbauer baut ein Getriebe zusammen
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Sachsens Unternehmer wollen die Kontakte zu Russland trotz der Sanktionen nicht abreißen lassen. Aus diesem Grund macht sich heute eine 41-köpfige Delegation unter Führung von Wirtschaftsminister Martin Dulig auf den Weg nach Russland um Moskau, Samara und Togliatti zu bereisen. Bis zum 21. Oktober stehen Gespräche mit Politikern, Unternehmen, Wissenschaftlern und auch Vertretern der Opposition an.

Besuch bei Lada

"Wir möchten zeigen, dass wir willens sind", sagte Hans-Günter Piegert von der Dresdner Traditionsfirma Mikromat, die ihre Präzisionswerkzeug-Maschinen vor allem ins Ausland liefert. Machte das Russlandgeschäft des Unternehmens vor den Sanktionen etwa 50 Prozent des Exports aus, ist der Anteil mittlerweile auf 20 Prozent geschrumpft.

Auf dem Plan der Delegation steht auch ein Besuch des Werkes von Avtovaz in Samara. Dort werden Autos der Marke Lada produziert. Wegen der Ukraine-Krise und der Einverleibung der Krim durch Russland sind seit 2014 Sanktionen der EU gegen Moskau in Kraft. Betroffen sind vor allem Maschinen- und Anlagenbauer. Die Ausfuhr für Maschinen, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke dienen können, ist praktisch unmöglich.

Lockerung der Sanktionen gefordert

Wirtschaftsminister Dulig warnte vor der Reise vor zu großen Erwartungen. "Russland fährt eine Wirtschaftspolitik, die die russische einheimische Wirtschaft stärkt", sagte er im Vorfeld der Reise. Deshalb gehe es weniger um hiesige Unternehmen als um Zulieferer. Das Know-how der sächsischen Maschinen- und Anlagenbauer könne hilfreich sein, um Maschinen und Betriebe zu modernisieren, Unternehmen könnten die entsprechende Software liefern. Insgesamt haben sich die Exporte des Freistaates nach Russland in den vergangenen drei Jahren halbiert - auf 335 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2016.

Wir brauchen Russland auch als Partner in diplomatischen Zusammenhängen. Wenn ich an die Krisen dieser Welt denke, verschärft es sich jetzt gerade, anstatt dass es sich entspannt. Von daher haben wir alle ein Interesse, dass wir die Sanktionspolitik Schritt für Schritt überwinden. Aber an völkerrechtliche Spielregeln haben sich alle zu halten.

Martin Dulig Wirtschaftsminister Sachsen

Peter Nothnagel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sachsen, hält es daher für wichtig, dass sächsische Unternehmen in Russland nach wie vor präsent sind. Dabei gehe es aber zunehmend weniger um reine Exportbeziehungen, als vielmehr um Kooperationen. Auch Hans-Günter Piegert von Mikromat setzt Hoffnungen in die Reise. "Erstens, um gewappnet zu sein, wenn es mal wieder besser wird und zweitens, um dabei zu sein, wenn doch etwas importiert werden muss." Noch sei die russische Maschinenbauindustrie nicht auf einem vergleichbaren Niveau mit dem Westen.

Vom 28. November bis zum 2. Dezember will auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit Vertretern gen Russland reisen - und Unternehmen in Moskau und Tatarstan besuchen.

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2016, 05:00 Uhr

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7 Kommentare

18.10.2016 09:40 ralf meier 7

@17.10.201621:11 Frank: Es waren die USA, die den arabischen Frühling herbeibomten. Es waren auch die USA die mit MIlliarden Dollar den Putsch in der Ukraine erst ermöglichten. Was für eine Liste wollen Sie also haben?
@18.10.201608:17 Kritiker: Und noch ein kalter Krieger. Gegen die Einstellung von Menschen wie Ihnen habe ich protestiert, als ich noch RotGrün wählte. Ich vermute, heute muß ich dazu AFD wählen

18.10.2016 08:17 Kritiker 6

Geschäfte mit Russen? Aus den Nachkriegszeiten nichts dazu gelernt???

17.10.2016 21:11 Frank 5

Interessant, man sollte mal eine Liste mit diesen Unternehmen veröffentlichen, weiterhin Profit machen auf Kosten hilfloser Menschen in Syrien und der Ukraine.

17.10.2016 14:51 W. Merseburger 4

Ich habe gerade in den Nachrichten im Internet gelesen, dass seitens der EU Außenminister neuerliche Sanktionen gegen Russland vom Tisch sind. Auch der deutsche Außenminister soll diese Meinung, keine neuen Sanktionen, teilen. Demgegenüber wird über unsere Bundeskanzlerin berichtet, dass sie für weitere, schärfere Sanktionen gegen Russland sei. Wenn ich nun noch auf den Kommentar NR. 1 (Naumburger) hinweise, so leite ich ab, dass Frau Merkel nicht im Interesse ostdeutscher Unternehmen handelt und die Meinung einer sehr großen Zahl von Menschen bezüglich des Umganges mit Russland ignoriert. Auch einige andere Entscheidungen von Frau Merkel werden gegenwärtig von vielen Menschen nicht verstanden. Daraus könnte sich auch der Unmut einiger poltischen Gruppen ableiten.

17.10.2016 10:10 Volkmar 3

Ich gebe 1.u.2. völlig Recht! Jetzt kommt Sachsen, schon wieder Sachsen und tanzt aus der Reihe. Ja die Sachsen sind eben helle. Was aus Berlin kommt ist gar nichts und oder schadet einfach Deutschland und Europa.

17.10.2016 09:44 ralf meier 2

@17.10.201608:01 Naumburger: Genau das ist es. Europa hält sich zum Schaden seiner Industrie und Landwirtschaft brav an die von den USA geforderten Sanktionen. Dagegen hat der amerikanisch-russische Warenaustausch nach SPIEGEL-Informationen stark zugelegt . Siehe dazu Spiegel online vom 30.05.2015
'Handel zwischen USA und Russland floriert'.
Frau Merkel hat sich grade erst für eine weitere Verschärfung der Sanktionen gegen Russland ausgesprochen.

17.10.2016 08:01 Naumburger 1

Es ist schon traurig wie willfähig unsere große Politik sich auf Amerikas Wunsch gegen Russland entscheidet, auch wenn die eigene Wirtschaft es nicht will und sie Schaden leidet. Und das wegen Menschenrechte in der Ukraine und Syrien? Wer hat in der Ukraine geputscht? Russland? Wer hat in Syrien geputscht? Russland? Wer militarisiert Europa? Russland?