08.02.2020 | 21:55 Uhr Orkantief Sabine - was kommt auf Sachsen zu?

Seit Tagen wird vor Orkantief Sabine gewarnt, das Richtung Norwegen zieht und dessen Ausläufer auch in Sachsen spürbar sein werden. Es gibt eine erste Unwetterwarnung. Doch was genau erwartet Sachsen und welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

Orkan Fichtelberg
Bildrechte: Bernd März

Vom blauen Himmel strahlt die sonne auf schneebedeckte Nadelbäume. So eine herrlich-kalte winteimpression hat der fotograf am 8.2.2020 auf dem Fichtelberg in Oberweisenthal einegfangen. Viele Wintersportler nutzten den Tag für Wintersprot. Ab Sonntga sollen Stürme, teils orkanartige Böhen über die Mittelgebirge wehen.
Die Ruhe vor dem Sturm? Wintersonne und Schnee glänzten am Sonnabend auf dem Fichtelberg um die Wette. Doch mit der Idylle soll es am Sonntagnachmittag vorbei sein, wenn orkanartige Stürme mit mehr als 130 km/h über die Mittelgebirge wehen. Bildrechte: Bernd März

Was sagen die Metereologen für den Sonntag voraus?

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) breiten sich voraussichtlich im Laufe des Sonntags schwere Sturmböen und einzelne Orkanböen auf die Mitte Deutschlands aus. Davon wird auch Sachsen erfasst. Ab dem Sonntagnachmittag zieht der Wind bis ins Flachland spürbar an. Nach Prognosen des Deutschen Wetterdienstes werden im Tiefland dann Windgeschwindigkeiten ab 65 km/h aufwärts erwartet. Auf dem Fichtelberg sind am Sonntag bis 18 Uhr bis zu 100 km/h zu erwarten.

Am Samstagabend hat der Deutsche Wetterdienst bereits eine Unwetterwarnung vor Orkanböen (Stufe 3 von 4) herausgegeben. Diese gilt ab Sonntag 16 Uhr für das Vogtland in Lagen über 600 Meter und den Erzgebirgskreis in Lagen über 1.000 Meter.

Warnhinweise des DWD bei Stufe 3: Es sind unter anderem verbreitet schwere Schäden an Gebäuden möglich. Bäume können zum Beispiel entwurzelt werden und Dachziegel, Äste oder Gegenstände herabstürzen. Schließen Sie alle Fenster und Türen! Sichern Sie Gegenstände im Freien! Halten Sie insbesondere Abstand von Gebäuden,
Bäumen, Gerüsten und Hochspannungsleitungen. Vermeiden Sie möglichst
den Aufenthalt im Freien!

Was erwartet Sachsen am Montag?

Der Höhepunkt des Sturms wird in Sachsen in der Nacht zum Montag erreicht. Auf dem Fichtelberg werden Orkanböen um 130 km/h prognostiziert, in tieferen Lagen können ebenfalls orkanartige Böen auftreten. Dazu kommen überall kräftige Regenschauer, die in den Bergen auch in Schnee übergehen. Der DWD warnt außerdem vor heftigen Gewittern.

"Der Montag wird generell ein stürmischer Tag", sagte Sebastian Altnau von der DWD-Vorhersagezentrale. Auch für Dienstag sehen die Aussichten trüb aus: Ein neues, kleineres Tief zieht nach DWD-Angaben in der Nacht zum Dienstag heran. Deshalb bleibe es nasskalt und stürmisch. Die Schneefallgrenze sinkt auf etwa 500 Meter - immerhin ein Trost für alle Winterferienkinder in Sachsen. Erst im Laufe des Dienstags beruhigt sich die Lage langsam wieder.

Worauf müssen sich Bahnkunden einstellen?

'Zug fällt aus' steht auf der Anzeigetafel auf einem Bahnsteig
Bildrechte: IMAGO

Die Deutsche Bahn rechnet ab Sonntagmittag mit Auswirkungen des Sturmtiefs auf den Bahnverkehr - zuerst im Nordwesten. Damit mögliche Oberleitungsschäden schnell repariert werden können, hat die Bahn Mitarbeiter und Reparaturfahrzeuge an strategisch relevanten Orten zusammengezogen. Auf der DB-Homepage heißt es dazu auch: "Mobile Einsatztrupps mit Kettensägen sind in Bereitschaft, um gegebenenfalls Gleise von umgefallenen Bäumen zu befreien. Auch das Personal in den Bahnhöfen wird verstärkt". Die meisten Kilometer des 33.400 Kilometer langen Streckennetzes liegen unter freiem Himmel.

Warnungen und Informationen über Beeinträchtigungen bei der Deutschen Bahn finden Sie hier.

Kulanzregeln der Bahn

Die Bahn hat Kulanzregelungen getroffen für Reisende, die ihre Fahrt wegen des zu erwartenden Sturms auf einen anderen Tag verschieben möchten. Alle Tickets des Fernverkehrs für die Reisetage 9. Februar bis einschließlich 11. Februar sind weiterhin gültig und können bereits ab Sonnabend, 8. Februar und bis mindestens Dienstag, den 18. Februar, genutzt werden. Das gilt für Fahrkarten im Flexpreistarif und für Sparpreistickets. "Wer nicht reisen will, kann sein Ticket kostenfrei stornieren", sagte ein Bahn-Sprecher.

Was sagen Länderbahn und Mitteldeutsche Regiobahn?

Auch die Länderbahn bereitet sich in Sachsen und in Bayern auf eine Ausnahmesituation vor. Ein Sprecher sagte, die Einsatzstellen der Länderbahn seien in Kontakt mit dem Infrastrukturbetreiber DB Netz und dem Wetterdienst. Es könne im Laufe des Sonntags bis zum Montag zu Einschränkungen kommen. Konkret bedeutet das: Aus Sicherheitsgründen werden dann zunächst die Lokführer angewiesen, langsamer zu fahren. Bei einer Verschärfung der Gefährdungslage könnte der Bahnverkehr auch ganz eingestellt werden. "Erfahrungsgemäß ist die Einrichtung von Busersatzverkehr in solchen Unwettersituationen schwierig bis unmöglich, da auch die Straßenverbindungen von Sperrungen betroffen sind", erklärte Sprecher Jörg Puchmüller.

Die Länderbahn, die in Sachsen die Vogtlandbahn und die Strecken des Trilex betreibt, bittet alle Reisenden, sich vor Fahrtantritt über die Lage zu informieren. Gegebenenfalls sollte auf nicht dringend notwendige Fahren verzichtet werden.

Auch die Mitteldeutsche Regiobahn und der VVO haben entsprechende Warnungen veröffentlicht.

Welche Rechte haben Arbeitnehmer, wenn Sturm den Arbeitstag beeinträchtigt?

Wie ein Arbeitnehmer von seiner Wohnung zur Arbeitsstelle gelangt, ist grundsätzlich seine Sache, egal, ob es stürmt, schneit oder Stau gibt. "Der Arbeitnehmer muss dafür sorgen, pünktlich am Arbeitsplatz zu sein", erklären die Experten der ARD-Rechtsredaktion. Sie raten jedem, der sich verspätet, den Arbeitgeber umgehend zu informieren. Auf "höherer Gewalt" könnten sich Angestellte nicht berufen. Und sie müssen notfalls Lohneinbußen hinnehmen. Denn: "Bei Verspätungen entfällt grundsätzlich der Lohnanspruch, und zwar unabhängig davon, ob man für die Verspätung etwas kann oder nicht", erklärt der Rechtsschutzsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Till Bender.

Was müssen Autofahrer bei Sturm beachten?

Fuß vom Gas, damit man notfalls gegenlenken kann, rät der Automobilclub ADAC. Auf Brücken und an Waldschneisen sollen Autofahrer besonders vorsichtig sein. "Auch beim Überholen von Lkw und Bussen gilt: Wer aus dem Windschatten kommt, wird nach dem Überholen vom Seitenwind voll erfasst", sagte ADAC-Sprecher Johannes Boos. Dachaufbauten und Dachboxen sollten in den kommenden Tagen lieber entfernt werden. Fahrten mit dem Wohnmobil sollten bei stürmischen Tagen wie den angekündigten, lieber verschoben werden.

Wer gegen einen umgestürzten Baum auf der Straße fährt, muss den Schaden seiner Vollkasko-Versicherung melden. "Als Faustregel gilt: Kommt der Baum zum Auto, zahlt die Teilkaso. Kommt das Auto zum Baum, muss die Vollkasko zahlen", erklärte Boos.

Auch Landesforstverwaltungen warnen vor dem Betreten von Wäldern. Nicht nur einzelne Äste könnten abbrechen, sondern ganze Bäume umstürzen. Auch Autofahrer sollten Straßen in Waldnähe meiden, wenn das möglich ist.

Quelle: MDR/kk/dpa/DB/ADAC

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 08.02.2020 | 19:00 Uhr

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