02.07.2020 | 07:00 Uhr 15 engagierte Sachsen bekommen bundesdeutschen Verdienstorden

15 Frauen und Männer aus Sachsen werden mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Stellvertretend für den Bundespräsidenten übernimmt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Zeremonie in der Staatskanzlei Dresden. Wegen der Corona-Bestimmungen wird die Verleihung an drei Tagen mit je fünf Preisträgerinnen und Preisträgern stattfinden.

Bundesverdienstkreuze vor der Verleihung.
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Marina Lemke aus Eilenburg ist eine der 15 Preisträgerinnen und Preisträger aus Sachsen, die ab Donnerstag in der Staatskanzlei Dresden ausgezeichnet werden. Die 65-Jährige bekommt den Verdienstorden für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement im Sozialverband VdK Sachsen und für ihren Einsatz in der Bundesfrauenkonferenz sowie als Behindertenbeauftragte.

Das ist ganz große Anerkennung. Stolz sind wir über viele Dinge, die wir in der Sozialpolitik erreichen konnten, sei es Verbesserung in der Pflege für die pflegenden Angehörigen, in der Rentenpolitik, in der Frauenpolitik, was die Tätigkeit von Frauen betrifft, aber auch die kleinen Meilensteine, wenn man Betroffenen direkt helfen und was Gutes bewirken kann.

Marina Lemke engagierte Sächsin
Übersicht über die weiteren Preisträgerinnen und Preisträger

Diese Menschen werden am 2. Juli geehrt:

  • Sabine Meißner (62) aus Dresden: Seit 20 Jahren ist sie als ehrenamtliche Prüferin bei der IHK Dresden für die Auszubildenden in den Berufen Chemielaborant, Chemikant und Produktionsfachkraft Chemie sowie in umwelttechnischen Berufen wie Fachkraft für Abwassertechnik bzw. Fachkraft für Wasserversorgungstechnik tätig. Sie entwickelte bundesweit geltende Prüfungsaufgaben mit und schrieb Fachbücher. In der Begründung für den Preis für sie heißt es: "Darüber hinaus stärkt sie durch ihr außergewöhnliches Wirken das duale Ausbildungssystem sowie die Fachkräftegewinnung."

Rucksack mit Wanderstock und Wanderstiefeln auf einer Bank in den Bergen.
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  • Kurt Weißhaupt (78) Hohnstein: Er hat für den Tourismus in der Region Nationalpark Sächsische Schweiz und für die Stadt Hohnstein "Herausragendes geleistet", teilte die Staatskanzlei mit. Von 1996 bis 2008 führte er ehrenamtlich die Geschäfte der Tourismusfördergesellschaft Hohnstein, unterstützte viele Projekte, darunter den Erhalt von Wanderwegen und Rastplätzen, einen besonderen Lehrpfad und eine Heimatscheune. Kurt Weißhaupt ist Gründer und Vorsitzender des "Gästevereins Rathewalde" und führt den örtlichen Geflügelverein. Er setzt sich immer wieder für ein friedliches Miteinander ein und stellt sich gegen Rassismus in seiner Region.

  • Monika Koch (67), Hartha: Die Apothekerin hat sich mehr als 25 Jahre lang für die Belange des Berufsstandes der Apotheker eingesetzt. In Hartha gründete sie nach 1989 eine Apotheke, die sie als mittelständische Unternehmerin und Arbeitgeberin führt. Neben ihrem Beruf arbeitet Monika Koch ehrenamtlich in Landes- und Bundesverbänden des Pharmaziewesens und im Förderverein des Deutschen Apothekenmuseums mit. Durch ihren Einsatz konnte ein Pilotprojekt der Ärzte, Apotheker Sachsens und Thüringens und einer Krankenkasse starten. Die Arzneimittelinitiative "Armin" verbessert die Arzneimitteltherapiesicherheit und stärkt damit auch die Therapietreue von Patienten.

  • Prof. Dr. päd. habil. Steffen Friedrich, (68) aus Dresden: Der Wissenschaftler und Hochschullehrer hat sich laut Staatskanzlei "hohe nationale und internationale Anerkennung" erworben. Ende der 1980er-Jahre setzte er sich als Gründungsmitglied der Gesellschaft für Informatik für eine Ausbildung von Informatiklehrern ein. Nach 1990 konzipierte er mit dem Kultusministerium ein berufsbegleitendes Studium für Lehrer an Mittelschulen und Gymnasien und erarbeitete die erste Lehrplan-Generation mit. Seit 1995 war er außerplanmäßiger Professor an der Fakultät Informatik der TU Dresden und leitete die Projekte "Sächsischer Bildungsserver" und "Sächsische Schuldatenbank".

Das gelbe Schild mit der Waldohreule weist auf ein Naturschutzgebiet bei Ringenwalde im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (Landkreis Uckermark) hin.
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  • Matthias Schrack, (68) Radeburg: Er setzt sich seit mehr als 50 Jahren für den Naturschutz in seiner Heimat ein, leitete viele Jahre diverse Umweltschutzgremien. Zudem motivierte vor allem Kinder und junge Leute, sich für die Umwelt zu engagieren. Die Schwerpunkte seiner ehrenamtlichen Arbeit sind die Dokumentation von Tieren und Pflanzen sowie Lebensstätten und Elementen historischer Kulturlandschaften. Er veröffentlichte zahlreiche Fachliteratur, beteiligte sich an Schülerbildungsprojekten und weist durch Öffentlichkeitsarbeit auf Naturschutzbelange hin.

Am 3. Juli bekommen den Verdienstorden:

  • Anna Wankiewicz-Heise (62) und Dr. Christoph Heise (77), Görlitz: Das Ehepaar hat sich über Jahrzehnte hinweg für den Ausbau der deutsch-polnischen Begegnungen eingesetzt. Christoph Heise arbeitete seit Ende der 1970er-Jahre beim Hauptvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Frankfurt/Main. Nach 1989 wollte die GEW Polen und Deutsche zusammenbringen. Heise baute vielfältige Kooperationen mit polnischen Gewerkschaften und Lehrerverbänden auf und förderte deutsch-polnische Schulpartnerschaften, Schüleraustausche, aber auch Bildungsprojekte in Israel, Nicaragua, Guatemala und Südafrika. Anna Wankiewicz-Heise betreute ehrenamtlich als Dozentin und Dolmetscherin deutsch-polnische Begegnungen, war Co-Organisatorin vieler Konferenzen, verfasste und übersetzte unzählige Artikel ins Polnische.

  • Günter Hartmann (80), Rosenthal-Bielatal: Mehr als 40 Jahre lang war der für seine Kirchgemeinde tätig und setzte sich für die Einführung des Religionsunterrichts an Schulen in Sachsen er. Er gründete in den 1990er-Jahren das Projekt "Kinder von Tschernobyl". Bis heute setzt er sich aktiv für den Austausch mit den Menschen in radioaktiv-verseuchten Katastrophengebiet um Bragin und Gomel ein. "Damit leistet er einen wichtigen Beitrag zur Völkerverständigung zwischen Weißrussland und Deutschland", urteilte das Preiskomitee.

Schloss Zinzendorf
Das vor dem Verfall gerettete und sanierte Schloss Zinzendorf. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

  • Andreas Taesler (67), Herrnhut: Der Pfarrer gilt als Retter und Beleber des historischen Zinzendorf-Schlosses in Herrnhut. 1998 war Taesler Gründungsmitglied und ist seit 2008 Vorsitzender des Freundeskreises Zinzendorf-Schloss Berthelsdorf. Das im 18. Jahrhundert errichtete Schloss gilt als Prototyp des Herrnhuter Barock und war Keimzelle der bis heute weltweit tätigen evangelischen Brüder-Unität. Andreas Taesler warb unermüdlich um Spenden, Unterstützer, baute selbst mit am Schloss und legte ein Nutzungskonzept für die Anlage vor.

  • Wolfgang Vogel (76), Chemnitz: Eisenbahnfans kennen den Chemnitzer, der sich mehr als zwei Jahrzehnte lang als Vorsitzender des Vereins "Eisenbahnfreunde Richard Hartmann Chemnitz" für den Erhalt des Rangierbahnhofs Chemnitz-Hilbersdorf als Industriedenkmal eingesetzt hat. Als europäisches Denkmal von hohem Rang wurde das Ensemble in die sächsische Denkmalliste aufgenommen. "Dieser Erfolg ist besonders Wolfang Vogel zuzuschreiben", heißt es in der Preisbegründung. Vogel habe nie Mühen, Risiken oder Geld gescheut, um die einzigartige Technologie zu bewahren.

Den Verdienstorden erhalten am 4. Juli:

  • Alexander Latotzky (72), Berlin: Er klärt seit Jahrzehnten Unrecht in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR-Diktatur auf und hilft, Schicksale von ab 1945 in Lagern und Gefängnissen geborenen Kindern aufzudecken. Latotzky gründete den Verein "Kinder hinter Stacheldraht" und wirkt seit vielen Jahren als Vorsitzender des Bautzen-Komitees. Latotzky wurde 1948 im damaligen sowjetischen Speziallager Bautzen geboren. Mit Recherchen zur eigenen Biografie begann Latotzkys Arbeit, die inzwischen viele Schicksale erforscht und publik gemacht hat. Durch seine Recherchen in deutschen und russischen Archiven hilft er mit, dass "Lagerkinder" Informationen über ihre russischen Väter erhalten und dass auch in Russland über deutsche Opfer des Stalinismus berichtet wird.

Edelstahl-Intarsie zwischen Kopfsteinpflaster - Hinweiszeichen der Leipziger Notenspur
Die Notenspur wurde aus Edelstahl geformt und ins Pflaster in Leipzig eingelassen. Sie verbindet Museen, Erinnerungsorte und Informationen für Interessierte. Bildrechte: IMAGO

  • Prof. Dr. Werner Schneider (69), Leipzig: Der Physiker ist der Ideengeber und Initiator der "Leipziger Notenspur". Seit mehr als 20 Jahren setzt er sich mit der Leipziger Musikgeschichte auseinander. Er will die Wohn- und Wirkungsstätten der vielen Komponisten, die in Leipzig lebten, wieder sichtbar zu machen. Die von ihm entwickelte "Notenspur" ist ein 5,1 Kilometer langer Spazierweg, der durch die Innenstadt führt. Weitere Projekte rings um Leipzigs Musikgeschichte folgten, u.a. der "Notenbogen" und der musikbezogene Radwanderweg "Notenrad".

  • Prof. Dr. Uwe-Frithjof Haustein (83), Markkleeberg: Der Wissenschaftler und Forscher auf dem Gebiet der Dermatologie erforschte Hautkrankheiten, um sie zu heilen. Er profilierte die Leipziger Universitätshautklinik zu einem weltweit anerkannten Zentrum der Immundermatologie. Auch nach seiner Emeritierung forschte Haustein weiter im Bereich der Autoimmunkrankheiten. "Damit verkörpert er die für das universitäre Leben so notwendige Einheit von klinischer Arbeit, Forschung und studentischer Ausbildung", begründen die Ordensverleiher ihre Auswahl. Heute setzt sich der Wissenschaftler in der Sächsischen Akademie der Wissenschaften für die Forschung ein.

Kinder spielen Fußball
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  • Dr. Thomas Schuler (75), Chemnitz: Seit 1994 arbeitet Thomas Schuler ehrenamtlich für die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Dort konzipierte er ein Fan-Projekt, das seit 2007 durch Jugendsozialarbeit unter Fußballfans im Chemnitzer Raum eine positive Fankultur fördern und extremistische Weltbilder abbauen will. Darüber hinaus engagiert sich Schuler auch in der Arbeitsgruppe Chemnitzer Friedenstag, die jedes Jahr das Gedenken an die Bombardierung von Chemnitz 1945 organisiert. Zudem ist der 75-Jährige ehrenamtlicher Museumsberater und Dozent im Internationalen Museumsrat.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 02.07.2020 | 19:00 Uhr

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