19.01.2020 | 17:33 Uhr DDR-Kunstschatz in Brasilien entdeckt

In Rio de Janeiro lagert ein Schatz: Die größte Sammlung nonkonformer DDR-Kunst. Der Brasilianer Francisco Chagas Freitas sammelte sie seit über 30 Jahren. Ein Dokumentarfilm erzählt seine unglaubliche Geschichte.

Sammler Francisco Chagas Freitas in seiner Wohnung in Brasilia im Gespräch mit Regisseur Tom Ehrhardt
Sammler Francisco Chagas Freitas in seiner Wohnung in Brasilia im Gespräch mit Regisseur Tom Ehrhardt Bildrechte: MDR/Gustavo Hiroyuki Almeida

An einem geheimen Ort, mitten in Brasilien, in Rio de Janeiro liegt ein Schatz: riesige Ölgemälde, Skulpturen, Skizzen und Radierungen aus Dresden, Leipzig und Berlin. Der brasilianische Diplomat Francisco Chagas Freitas bewahrt die größte Sammlung nonkonformer Kunst aus der DDR. Der Filmemacher Tom Ehrhardt entdeckte die Schätze und drehte einen faszinierenden Dokumentarfilm über die vergessene DDR-Kunst.

Kaum beachtet

Über 1.200 Gemälde, Zeichnungen, Collagen und Druckgraphiken hat Chagas Freitas zusammengetragen. Kunstwerke, die damals vom Staat ignoriert, aber auch nach der Wiedervereinigung kaum beachtet wurden. Perpektiven, Reflexionen, Erinnerungen - Zeitdokumente von unschätzbarem Wert.

Mäzen und enger Freund

Freitas kam 1984 als Kulturattaché der brasilianischen Botschaft nach Ost-Berlin und entdeckte die Kunstszene der DDR. Maler wie Peter Herrmann, Gil Schlesinger oder der Oschatzer Bildhauer Matthias Jackisch wurden seine Freunde. Er sammelte ihre Werke und verhalf ihnen zu Ausstellungen in seiner Heimat Brasilien. Dort sorgte die Kunst der DDR für Aufsehen. In Deutschland bekam man davon wenig mit.

Schatz gehoben

Rund 30 Jahre später entdeckte der Journalist Tom Ehrhardt diese unschätzbare Sammlung. "Ich war im Jahr 2014 als Radioreporter im Vorfeld und während der Fußball-WM in Brasilien. Als ich von einer Ausstellung von 'unorthodoxer DDR-Kunst' in Rio de Janeiro hörte, kontaktierte ich das Museum." Hier traf er zum ersten Mal auf Chagas Freitas, der ihn zur Eröffnung einlud. "Ich war gleich begeistert von der Ausstellung. Obwohl ich als Kind in der DDR aufgewachsen war, kannte ich diese Bildsprache nicht, für mich war DDR-Kunst immer realistischer Sozialismus-Kitsch."

Ehrhardt führte Interviews mit Chagas, den eingeladenen Künstlern Karla Woisnitza und Thomas Lohmann und wurde neugierig. "So erfuhr ich vom Schicksal dieser ja doch sehr bedeutenden Kunst. Chagas gab mir Kontakte von etwa 50 Künstlern und Künstlerinnen und ich begann, in die Kunst-Welt einzutauchen, auf eine ähnliche Art wie er dies 30 Jahre vor mir getan hatte."

Produktion in Leipzig

Fünf Jahre lang recherchierte Ehrhardt, der heute in Berlin und São Paulo lebt, und arbeitete an seinem Dokumentarfilm. Er begeisterte die Leipziger Produzenten Katharina Weser und Georg Neubert von seinem Projekt. Unter dem Fuchslogo ihrer Produktionsstätte Reynard Films entstanden bislang vor allem Kurzfilme. Mit "Der vergessene Schatz" produzierten sie nun ihren ersten langen Dokumentarfilm, der am 19. Januar seine Premiere im MDR-Programm feiert. Außerdem planen die Filmemacher eine Kinotour mit dem "vergessenen Schatz", die am 26. Januar im Weimarer Kino "Mon Ami" beginnt, wo auch die Künstler Gabi Stötzer und Claus Bach anwesend sein werden.

Quelle: MDR/lt

Dieses Thema im MDR: MDR FERNSEHEN | "Der vergessene Schatz" | 19.01.2020 | 23:05 Uhr

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