Studenten im total überfüllten Hörsaal in der Ruhr Universität.
Bildrechte: imago/biky

04.05.2019 | 18:00 Uhr Sachsens Wissenschaft erhält mehr Planungs- und Jobsicherheit

Am Freitag beschloss die Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern drei Pakete, die für einen Qualitätsschub und Jobsicherheit sorgen sollen. Das käme auch Sachsens Hochschulen und Forschungseinrichtungen zugute. Die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange äußert sich zufrieden über die Verhandlungen. Für Interessenvertretungen der Wissenschaftler ist es in Teilen eine falsche Richtungsentscheidung.

Studenten im total überfüllten Hörsaal in der Ruhr Universität.
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Seit Jahren ist die Situation an den deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen schwierig: Wissenschaftliche Mitarbeiter hangeln sich von einem Befristungsvertrag zum nächsten, müssen sogenannte Drittmittel einwerben und haben kaum mehr Zeit für innovative Forschung. Außerdem steigen die Studierendenzahlen stetig. Mittlerweile studieren fast drei Millionen Menschen in Deutschland. Vor 15 Jahren waren es noch knapp zwei Millionen. Laut Statistischem Bundesamt waren im vergangenen Wintersemester knapp 110.000 Studierende an den Hochschulen und Universitäten in Sachsen eingeschrieben.

Neuer Hochschulpakt sichert finanzielle Unterstützung

Die Politik blickt nun aber mit Optimismus in die Zukunft. Die Bundesministerin für Wissenschaft, Anja Karliczek, und die Minister der Länder haben am Freitag eine Einigung erzielt und drei Pakete auf den Weg gebracht. Dazu zählt der Hochschulpakt, über den ab 2021 knapp zwei Milliarden Euro vom Bund zur Verfügung gestellt werden. Ab 2024 wird die Summe noch einmal um eine halbe Milliarde angehoben und die Bundesländer werden sich an der Finanzierung beteiligen.

Die drei Wissenschaftspakete im Überblick: 1. Der "Zukunftsvertrag Studium und Lehre stärken" (Hochschulpakt) soll dauerhaft die Qualität in der Wissenschaft verbessern und Studienplätze sicherstellen.

2. Die Vereinbarung "Innovation in der Hochschullehre" (Qualitätspakt Lehre) sieht vor, dass erstmalig die Förderung innovativer Lehre institutionell verankert wird.

3. Der "Pakt für Forschung und Innovation" wird mindestens bis 2025 fortbestehen und gibt außeruniversitären Forschungseinrichtungen finanzielle Planungssicherheit.

Nicht sofort mehr Geld, aber mehr Planungssicherheit

Die sächsische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange ist zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen: "Für Sachsens Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind dies sehr gute Ergebnisse, die für viele Jahre eine verlässliche Basis für die Entwicklung der Qualität der Lehre, die Sicherung der Studierendenzahlen und die Weiterentwicklung unserer Forschungseinrichtungen sein werden", sagte sie. In den Verhandlungen sei es nicht um mehr Geld gegangen, sondern um finanzielle Sicherheit über 2020 hinaus. So könne Studienplatzabbau verhindert und auf den steigenden Bedarf dynamisch reagiert werden. Das sei vor allem für ostdeutsche Standorte wichtig, so Stange.

Der Hochschulpakt ist nicht mehr befristet. Das bedeutet, dass tatsächlich jetzt unbefristete Beschäftigungsverhältnisse auf dieser Grundlage geschaffen werden können.

Dr. Eva-Maria Stange Sächsische Wissenschaftsministerin

Interessenvertretung spricht von falscher Richtungsentscheidung

Dass Beschäftigte endlich feste Anstellungen bekommen, ist eine der Hauptforderungen vom "Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft", das sich als Interessenvertretung versteht. Sprecher Peter Ullrich sagte MDR SACHSEN: "Wir sind nicht glücklich über die politisch getroffenen Entscheidungen. Zwar hat man in einigen Bundesländern und auch im Bund mehr Einsehen, aber dass mehr entfristet werden soll, ist unserer Meinung nach zum Nebenschauplatz geworden."

Ullrich sieht die Gefahr, dass weiterhin primär in Exzellenzforschung und in mehr Drittmittel investiert wird. Daher sei es eine falsche Richtungsentscheidung. "Wir fordern eine Umverteilung der Fördergelder, damit die Grundausstattung der Hochschulen und Forschungseinrichtungen verbessert werden kann", so Ullrich. Er hofft, dass die Länder die beschlossenen Pakte sinnvoll und beschäftigtenfreundlich umsetzen.

Landesvertretung Sachsen: Keine grundsätzliche Änderung in Sicht

Die Landesvertretung Akademischer Mittelbau Sachsen sieht in den Beschlüssen Vor- und Nachteile. Sprecher Mathias Kuhnt sagte MDR SACHSEN: "Es ist positiv, dass der Bund nun dauerhaft in die Hochschulfinanzierung einsteigt und wir sind glücklich über jeden Euro, den wir bekommen können."

Das ändere jedoch nichts am grundsätzlichen Problem, das die Hochschulen haben, nämlich Mitarbeiter, die auf kurzfristigen Verträgen aus Drittmitteln arbeiten und damit ihre berufliche Zukunft nicht planen und in innovative Lehre und Forschung Zeit investieren können. Da der Hochschulpakt nur etwa fünf Prozent der Gesamtmittel von Hochschulen ausmache, sei jede Verbesserung nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Kuhnt weiter.

Was sind Drittmittel? Als Drittmittel werden Gelder bezeichnet, die Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder einzelne Forschende zusätzlich zur Grundausstattung (Haushaltsmittel und Investitionen) erhalten. Um sie müssen sich die Einrichtungen und Forschenden bewerben und die Gelder werden zumeist für Forschungsprojekte oder bestimmte Fachbereiche befristet vergeben. Die Bewilligungsquote für Drittmittelanträge liegt bei etwa 20 Prozent.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 03.05.2019 | 17:00 Uhr in den Nachrichten

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1 Kommentar

04.05.2019 22:41 Franz Richter 1

Wir brauchen Narren!
Seht, wohin uns die Vernünftigen gebracht haben.

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