Verkehrsunfall zwischen einem Auto- und einem Fahrradfahrer
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Unser Thema des Tages Immer mehr Fußgänger und Radfahrer sterben in Sachsen im Straßenverkehr

Statistisch gesehen sterben etwa alle zehn Tage in Sachsen ein Fußgänger und ein Radfahrer im Straßenverkehr. In keinem anderen Bundesland war die Zunahme der tödlich verunglückten Personen 2018 so groß wie im Freistaat.

Verkehrsunfall zwischen einem Auto- und einem Fahrradfahrer
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In Sachsen sind im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viele Fußgänger im Straßenverkehr ums Leben gekommen als im Jahr zuvor. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen starben 2018 bei Verkehrsunfällen 34 Fußgänger, im Vorjahr waren es noch 15. Bei den Radfahrern hat sich die Zahl der tödlich verunglückten Personen ebenfalls fast verdoppelt. Im vergangenen Jahr kamen 34 Radfahrer ums Leben, 2017 waren es 19. Dennoch sterben die meisten Menschen bei Unfällen im Pkw. 44 Prozent aller tödlich Verunglückten waren 2018 Pkw-Fahrer beziehungsweise Insassen.

Ab 45 steigt das Risiko, tödlich zu verunglücken

Insgesamt sind im vergangenen Jahr 197 Menschen in Sachsen tödlich verunglückt, 2017 waren es noch 147. Etwa 70 Prozent aller Todesopfer waren älter als 45 Jahre. Der höchste Anstieg wurde im vergangenen Jahr in der Altersgruppe ab 65 Jahren registriert. Während es 2017 noch 42 Menschen waren, die in dieser Altersklasse tödlich verunglückten, waren es 2018 insgesamt 86 Menschen. Damit hat sich die Zahl verdoppelt. In allen Altersklassen sind überwiegend Männer Opfer tödlicher Unfälle.

In Sachsen überdurchschnittlich viele Verkehrstote

In keinem anderen Bundesland war die Steigerung der Zahl tödlich Verunglückter im Straßenverkehr höher als in Sachsen. Dass das Leben auf den Straßen in Sachsen gefährlicher ist als anderswo, kann man nach Ansicht von Henrik Liers, Verkehrsunfallforscher an der TU Dresden, nicht so pauschal sagen. Zum einen liege Sachsen mit 48 Getöteten je eine Million Einwohner zwar über dem Bundesdurchschnitt, allerdings immer noch deutlich unter den Nachbarländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Zum anderen würden bei der Berechnung der Werte viele Aspekte nicht berücksichtigt, beispielsweise die tatsächliche Fahrleistung, die Länge von Autobahnkilometern sowie regionale, topografische oder infrastrukturelle Unterschiede.

Bringt ein Tempolimit auf Autobahnen mehr Sicherheit?

Henrik Liers, Geschäftsführer der Verkehrsunfallforschung an der TU Dresden
Unfallforscher Henrik Liers spricht sich für "intelligente" Tempolimits aus. Bildrechte: Henrik Liers

Im Zusammenhang mit der Sicherheit auf deutschen Autobahnen wird immer wieder über ein Tempolimit diskutiert. Unfallforscher Henrik Liers sieht in der Einführung eines generellen Tempolimits auf Autobahnen nicht die richtige Lösung, um die Zahl schwerer Unfälle zu verringern. Unstrittig ist Liers zufolge, dass geringere Kollisionsgeschwindigkeiten auch zu geringeren Verletzungswahrscheinlichkeiten führen. "Insofern schaden geringere Geschwindigkeiten üblicherweise nicht", sagte Liers MDR SACHSEN.

Andererseits seien unsere Autobahnen – verglichen mit Autobahnen in Ländern mit Geschwindigkeitsbeschränkungen – sehr sicher. Geschwindigkeitsbeschränkungen könnten gegebenenfalls sogar kontraproduktiv sein, insbesondere auf monotonen Strecken mit geringer Verkehrsbelastung. Daher plädiert Liers dafür, "intelligente – also dynamische - Geschwindigkeitsbeschränkungen einzusetzen, wo es die Bedingungen fordern. Das können beispielsweise starker Verkehr, schlechte Sichtbedingungen, nasse bzw. glatte Fahrbahn oder auch ein erhöhtes Staurisiko sein."

Weitere Zahlen und Fakten für Sachsen

  • Sachsenweit registrierte das Statistische Landesamt 2018 insgesamt rund 107.300 Verkehrsunfälle. Das waren rund 2.300 Unfälle weniger als 2017.
  • Obwohl die Zahl der Verkehrsunfälle zurückging, stieg die Zahl der Unfälle mit Personenschaden: Bei knapp 14.000 Unfällen wurden Personen verletzt, rund 4.100 von ihnen schwer.
  • Betrachtet man die Entwicklung der Zahlen in den letzten 20 Jahren, zeigt sich, dass in allen Bereichen die Entwicklung tendenziell rückläufig ist – sowohl bei den Unfällen mit Personenschäden als auch bei den verunglückten Personen.

Zahlen und Fakten für ganz Deutschland

  • Deutschlandweit haben 2018 mehr als 3.200 Menschen bei Verkehrsunfällen ihr Leben verloren – 85 mehr als im Vorjahr.
  • Die Polizei nahm 2018 bundesweit rund 2,6 Millionen Unfälle auf, bei 2,3 Millionen Unfällen blieb es bei Sachschäden.
  • Gemessen an der Einwohnerzahl war das Risiko im Straßenverkehr zu sterben in Sachsen-Anhalt (63 je 1 Million Einwohner) und in Brandenburg (57 je 1 Million Einwohner) am höchsten.
  • Der Bundesdurchschnitt liegt bei 39 Getöteten je 1 Million Einwohner.
  • Weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen aufgrund ihrer Siedlungsstruktur die Stadtstaaten Berlin (12 je 1 Million Einwohner), Bremen (9 je 1 Million Einwohner) und Hamburg (16 je 1 Million Einwohner), aber auch Nordrhein-Westfalen (26 je 1 Million Einwohner).

Quelle: MDR/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.03.2019 | 11:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 05. März 2019, 07:55 Uhr

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9 Kommentare

05.03.2019 11:08 Ralf S. 9

Ich kann mich den meisten Kommentaren nur anschließen und sehe auch eine Veränderung über die Jahre. Zum einen gibt es immer mehr Egoismus und mich als Radfahrer stören viele andere Radfahrer, die einfach rücksichtslos fahren und denken sie sind alleine auf der Welt. Von fehlendem Licht im dunkeln, auf der falschen Seite entgegen des Verkehrs zu fahren ganz zu schweigen.
Aber man bekommt auch das Gefühl, dass Radfahrer auch immer mehr "Freiwild" werden von einigen Autofahrern, z.T. auch durch manche Medienkampagnen befeuert (siehe Auto-Bild Anfang 2017 oder 2018)
Für mich als Radfahrer bedeutet es noch mehr mit den Fehlern anderer zu rechnen, denn ich habe keine Knautschzone.
Wenn als mehr nach §1 agieren würden, dann wäre es deutlich angenehmer auf den Straßen für alle Beteiligten.

05.03.2019 08:10 Bernd 8

Wenn Radfahrer in der Dunkelheit mit schwarzer Kleidung und ohne Licht fahren sollten sie sich nicht wundern wenn sie auch mal umgefahren werden. Ergo sicher gibt es auch viele Ruecksichtslose Autofahrer aner die Benutzung des (falls vorhanden) Gehirns sollten sich Radfahrer leisten. Es ist ihr Leben!!

05.03.2019 07:23 Gaiihadres 7

Um auch kurz die andere Seite zu beleuchten. Zunehmend missachten alle Verkehrsteilnehmer auch Zebrastreifen. Statt zu halten, wird da öfters Extra noch Gas gegeben, um ja nicht zu bremsen. Für die Fußgänger - insbesondere Kinder und alte Menschen - oftmals Lebensgefährlich. Auch scheint Tempo 30 nur ein grober Richtwert zu sein. Auf der Strecke zwischen dem Blauen Wunder und Pillnitz wechseln sich 30 und 50 beständig ab. Wer da - außer beim Blitzer - 30 fährt, wird überholt oder gefährlich bedrängt. Ich wöllte da kein Anwohner sein.

04.03.2019 16:04 Micha 6

Sicherlich alles berechtigt, was bisher hier geschrieben wurde. Allerdings sehe ich auch noch weitere Ursachen. Erste und wichtigste ist der weit verbreitete Egoismus im Straßenverkehr und damit einhergehend die Missachtung des Paragrahen 1 der StVO. Wenn man auch damit rechnet, dass der Andere einen Fehler macht und nicht stur auf seinem vermeintlichem Recht beharrt, lassen sich viele kritische Situationen vermeiden.
Ein weiterer Punkt ist, dass offenbar Viele die Regeln des Paragraphen 9 der StVO zum Abbiegen nicht kennen. Da steht u.a. im Absatz 3 der folgende Satz "Auf zu Fuß Gehende ist besondere Rücksicht zu nehmen wenn nötig, ist zu warten." Die Praxis sieht leider so aus, dass ich von abbiegenden Autofahrern angehupt werde, wenn ich die Straße überquere, in die sie einbiegen wollen.

04.03.2019 14:46 Autofahrerein 5

@4 gebe ihnen Recht ,die Fahrradliga fordert nur ,ach die armen Radfahrer ,aber sich selbst so anzuziehen ,daß man sie im Regen und im Dunklen erkennen sollte, ist von ihnen zu viel verlangt. .Da sollte die STVO geändert werden oder Kontrollen verstärkt werden. jeder ist für sein Leben verantwortlich !!

04.03.2019 13:36 Norbert Franke 4

Ich fahre seit 22 Jahren aktiv Rad (Rennrad,Mountainbike und jetzt E-Bike ) kann also die Lage beurteilen.
Es ist wirklich so das der Selbstmordtrieb von Radfahrern von Jahr zu Jahr steigt.
Kinder sehen es von ihren Eltern und agieren gleichermaßen !
Ich könnte hier Seiten füllen über haarsträubende Ereignisse wo Radfahrer es wohl regelrecht darauf anlegen über den Haufen gefahren zu werden !

04.03.2019 13:21 Uwe_zi 3

Teilweise ist eine erschreckende Ignoranz von Fußgängern und Radfahrern gegenüber motorisierten Fahrzeugen zu erkennen. Da wird ohne zu gucken die Straße gekreuzt und anderes, nach dem Motto, der wird schon bremsen. Ich frage mich dann immer, ob der Egoismus der Menschen schon so groß ist das er jegliches Gefahrenbewusstsein verdrängt.

04.03.2019 12:23 Brigitte Mäder 2

Kein Wunder, wir warten schon über 30 Jahre auf einen Fußweg . Im ländlichen Raum wird nichts getan! !Ausserdem hält sich kein Sch...an die 50 km/h.Es ist eine Schande 30 Jahre nach der Wende.

04.03.2019 11:42 na so was 1

In Sachsens Landeshauptstadt Dresden werden die Radfahrunfälle ab diesem Jahr drastisch zurückgehen, (hofft man zumindest). Seit 2018 sind bei der Stadt Dresden 7 (sieben) Radfahrwegverantwortliche in Lohn und Brot. Außerdem will die Stadt Dresden 3 (drei) Kilometer neue Fahrradwege bauen. Je weniger man sich vornimmt, desto eher kann man "100 % Planerfüllung" abrechnen. Und wer den Plan erfüllt, ist gut in seiner Arbeit ! Die Zahlen wurden der "Sächsischen Zeitung" vom 17., 22., 23., 25., 26./27., 29. Januar 2019, 15., 21. Februar 2019 entnommen. Es wird keine Garantie auf Vollständigkeit erhoben. Das muss man sich aber mal auf der Zunge zergehen lassen. Dresden mit rund 500 000 Einwohnern setzt sich als Ziel für 2019, drei Kilometer Fahrradwege zu bauen. Also mir wäre es höchst peinlich, so eine Meldung zu verbreiten. Die Entschuldigung, mehr Kilometer geht auf Grund fehlender Finanzen nicht, bitte nicht erst verbreiten. Es steht genügend Geld zur Verfügung.

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