Tarifkonflikt Regionaler Linienverkehr in Sachsen bestreikt

Hände eines Busfahrers am Lenkrad.
Bildrechte: IMAGO

Heute war der regionale Linienverkehr in vielen Teilen Sachsens bestreikt. Bus- und Straßenbahnfahrer sowie Schlosser, Fährleute, Verwaltungsangestellte und Auszubildende seien zum Warnstreik aufgerufen, teilte Jörg Förster von der Gewerkschaft Verdi mit.

Der Ausstand sei für Mittwoch von Schichtbeginn bis 8 Uhr morgens geplant. Es sollen zahlreiche Linien betroffen sein. Zum Warnstreik sind die Beschäftigten folgender Verkehrsgesellschaften aufgerufen:

  • Regionalverkehr Erzgebirge GmbH (RVE)
  • Regionalverkehr Westsachsen Zwickau GmbH (RVW)
  • REGIOBUS Mittelsachsen GmbH
  • Euro Traffic Partner GmbH Chemnitz (Tochterfirma der Chemnitzer Verkehrs AG)
  • Regionalverkehr Sächsische Schweiz-Osterzgebirge GmbH (RVSOE)
  • Verkehrsgesellschaft Meißen mbH (VGM)
  • Dresdener Verkehrsservice GmbH (DVS; Tochterunternehmen der Dresdner Verkehrsbetriebe)
  • Regionalbus Oberlausitz GmbH (RBO)
  • Verkehrsgesellschaft Hoyerswerda GmbH (VGH)
  • Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck Zittau-Löbau mbH (KVG)
  • Görlitzer Verkehrsbetriebe GmbH (GVB) (trotz Streikaufrufs voraussichtlich keine Beteiligung; Stand: 09.04.2019, 15:00 Uhr)


Nach Angaben von Verdi sind insgesamt mehr als 3.000 Arbeitnehmer und Auszubildende in den Verkehrsgesellschaften beschäftigt. In den Frühschichten am Mittwoch arbeiten laut Gewerkschaft 1.376 Menschen. Die Gewerkschaft fordert vom Arbeitgeberverband Nahverkehr e.V. einen höheren Stundenlohn von 15,66 Euro. Zudem soll die Ausbildungsvergütung nach dem Willen der Gewerkschaft im 1. Ausbildungsjahr (AJ) von 650 auf 900 Euro, im 2. AJ von 700 auf 950, im 3. AJ von 750 auf 1.000 Euro und im 4. AJ von 800 auf 1.050 Euro angehoben werden.

Die Arbeitgeber haben in der bisherigen Tarifverhandlung kein Angebot vorgelegt und weisen unsere Forderung als absurd zurück. Die Einkommensentwicklung von 12,30 Euro auf 15,66 Euro Stundenlohn wäre in zehn Jahren nicht umsetzbar. Wir fordern gleicher Lohn für gleiche Arbeit! In Sachsen-Anhalt erhalten vergleichbare Arbeitnehmer heute schon den Stundenlohn von 15,66 Euro.

Keine negativen Auswirkungen auf Abiturienten

Da auch viele Schülerinnen und Schüler von den flächendeckenden Streiks betroffen sind, hat das Kultusministerium bereits reagiert. Demnach haben Abiturienten bei den Prüfungen am Mittwoch ihr mögliches Zuspätkommen wegen des Streiks nicht zu verantworten.

Auch Taxifahrer wollen streiken

Wer am Mittwoch auf das Taxi ausweichen will, hat zumindest im Raum Dresden schlechte Karten. Denn in der Landeshauptstadt wollen sich zahlreiche Taxifahrer am Morgen einem Streik und Autokorso anschließen. Sie wollen gegen das Eckpunktepapier von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zur Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes protestieren.

Quelle: MDR/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 08.04.2019 | ab 17:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 10. April 2019, 09:16 Uhr

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21 Kommentare

11.04.2019 12:24 Dh 21

@ 19 Jule, ihr Kommentar beweist, dass Sie einfache Zusammenhänge nicht begreifen oder begreifen wollen. Wenn Sie sich von ihren Arbeitgeber ausbeuten lassen, ist das ihr Problem. Nur sollten Sie anderen, die sich dagegen wehren, schon dieses legitime Recht einräumen, Solange es Leute gibt, die für ihre Rechte nicht kämpfen wollen, haben Sie es verdient wenn sie nicht mehr Lohn bekommen. Eigentlich sind solche Leute sogar überbezahlt und ich denke, dass da noch was untern geht.

11.04.2019 11:22 Fakt 20

>>Jule, #19:
"Wie wäre es wenn wir die in der Pflege arbeiten Mal streiken? Lohnerhöhung sollte in der Pflege und Krankenhäusern stattfinden, weil das körperliche und physische Arbeit ist!!!"<<
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Dass Pflegekräfte berechtigterweise streiken, ist in der Vergangenheit mehrfach vorgekommen. Wenn Sie das nicht mitbekommen haben, ist das wohl Ihr Problem.
Und nebenbei: könnten Sie einmal den Unterschied zwischen "körperlich" und "physisch" erklären?

10.04.2019 22:49 Jule 19

Solidarisch? Ich arbeite in der Pflege und habe genauso eine Verantwortung zu tragen und verdiene bei weiten nicht so viel wie die Busfahrer es bestreiken. Ich finde es zum kotzen dass man Menschen die genauso ihrer Arbeit nach gehen müssen, Verantwortung tragen und pünktlich auf Arbeit sein müssen, so in Stich lässt nur weil man paar Kröten mehr will. Wie wäre es wenn wir die in der Pflege arbeiten Mal streiken? Lohnerhöhung sollte in der Pflege und Krankenhäusern stattfinden, weil das körperliche und physische Arbeit ist!!!

10.04.2019 20:37 Dh 18

Finde ich gut wenn Arbeitnehmer ihr Streikrecht wahrnehmen. Wie sollen sie sonst ihre berechtigten Lohnforderungen durchsetzen? Man sollte ruhig etwas solidarisch den Busfahrern gegenüber sein. Was der Streik mit der Abi Prüfung zu tun haben soll, erschliesst sich mir allerdings nicht. Da gibt es doch bestimmt einfache Lösungen. Wem das aber alles nicht passt, kann sich ja bei seinem unfähigen Sachsen -
CDU Abgeordneten beschweren. Die sind doch eh an den Dumpinglöhnen und dem Chaos mit dem ÖPNV schuld.

10.04.2019 19:30 Mike 17

Gerade kam im Sachsenspiegel das von Verdi verbreitete Argument in Sachsen Anhalt würden Busfahrer 15.66 € verdienen. Lieber mdr , bitte solche Verdi Aussagen nicht ungeprüft senden. Eventuell haben das einige wenige Glückliche, auf keinen Fall die breite Masse. Ist es nicht verboten Fake News zu verbreiten? Können Sie sich vorstellen, was sich die Kollegen morgen von ihren (evtl neidischen) Fahrgästen anhören können? Dabei bekommen sehr sehr viele in Sachsen Anhalt gut 5€ weniger, als den von Verdi behaupteten Lohn.

10.04.2019 11:56 Fakt 16

>>Rop78, #15:
"Eine Versorgung muss sichergestellt werden. So heißt es im Gesundheitswesen."<<
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Stimmt. Im Gesundheitswesen wird bei Streiks für Notfälle eine Notbesetzung vorgehalten, was vollkommen logisch ist. Im ÖPNV ist dies aber nicht notwendig. Es gibt als Alternativen das eigene Kfz, das Fahrrad oder notfalls das Taxi, welches auch offiziell Teil des ÖPNV ist. Nebenbei wäre ein Streik, den niemand merkt, recht sinnlos, oder?

10.04.2019 11:09 Rop78 15

Streikrecht hin oder her. Eine Versorgung muss sichergestellt werden. So heißt es im Gesundheitswesen. Warum kann ein Berufszweig die arbeitstätige Bevölkerung und Schüler geißeln, um seine irrwitzigen Forderungen von ca.+30% durchzusetzen. Es gibt in jeder Stadt/Bundesland andere Bezahlung und jeder hat das Recht, dorthin auszuwandern, wo er Arbeit findet. Aber die Lohnsteigerungen sollten angemessen für die Lebenshaltungskosten in der Region bleiben und ungefähr der Inflation entsprechen. Ansonsten tragen wir alle diese Verdiforderungen mit höheren Preisen für Monatskarten, bei gleichzeitiger Diskussion um PKW-Verbote in Städten. Schöne Gesellschaft. Wo soll das hinführen?

10.04.2019 09:41 Morchelchen 14

na so was - aber die Schüler "streiken" doch unentwegt weiter am Freitagvomittag. Was soll dann Ihre Anmerkung? Ich befürworte die Aktion, wie ich mittlerweile für jeden Streik um mehr Gehalt/Lohn begrüße. Man hat meine gestrige Antwort nicht frei geschalten, ich möchte es nochmals versuchen, wieso: Nirgends bezahlt man so viele Steuern und Abgaben, wie hier. Und es sind nicht die Arbeitgeber, die darauf Einfluss haben. Sondern der Staat bestimmt dieses "Ausquetschen". Kalte Progression hin oder her - mehr Brutto führt zu mehr Netto, denn die Abzüge wird der Staat nicht senken. Man wird "oben" nur aufmerksam, dass es uns reicht, wenn auf die Straße gegangen wird oder gestreikt. Denn weder große Reden, noch schriftliche Eingaben, zählen mittlerweile, um bei unserer Regierung etwas im Sinne der Leistungsträger zu bewegen.

10.04.2019 09:40 Komet 13

Über die meisten der hier bislang veröffentlichten Kommentare kann man nur den Kopf schütteln, zeugen sie doch von Unkenntnis und Egoismus. Keine Geschäftsleitung der am Streik beteiligten Unternehmen wird für die durchaus berechtigten Forderungen der Mitarbeiter persönlich haftbar gemacht, d. h., dass sie keinen Cent der geforderten Lohnerhöhungen aus eigener Tasche zahlen müssen. Vielmehr ist der ÖPNV Daseinsvorsorge und Beitrag zur Schonung der Umwelt und somit ein gesamtgesellschaftliches Anliegen, das auch aus dem Steueraufkommen zu refinanzieren wäre. In diese Richtung muss es gehen und nicht gegen die Leute hetzen, die ihr verfassungsmäßig garantiertes Streikrecht wahrnehmen. Aber sobald eigene Interessen ins Spiel kommen, verfallen einige Zeitgenossen in Schnappatmung!

10.04.2019 09:24 Mike 12

In Sachsen Anhalt erhalten vergleichbare Arbeitnehmer heute schon einen Stundenlohn von 15,66€ ??? Wie bitte? Von welchem Sachsen Anhalt is da die Rede? Ich kenne nur das nördlich von Thüringen und Sachsen, da kenne ich keinen Busfahrer mit diesem Stundenlohn. Ich kenne natürlich nicht alle, aber 15,66 € haben auf alle Fälle nicht alle in Sachsen Anhalt, im Gegenteil viele sind weit unter dem in Sachsen gültigen Tarif

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