Interview Was tun bei einem Tankstellenüberfall? Und wie verhindern?

Die Dresdner Polizei ist immer noch auf der Suche nach der Frau, die in den vergangenen Tagen vier Tankstellen überfallen hat. Frage an Herbert Rabl, den Sprecher vom Tankstellen-Interessenverband: Kann man etwas tun, wenn man in so eine Überfallsituation kommt - als Tankstellenangestellter und als Kunde?

MDR SACHSEN: Kann man etwas tun, wenn man in so eine Überfallsituation kommt?

Herbert Rabl: Man kann eine ganze Menge tun. Man kann zu seinem Tankstellen-Chef gehen oder wenn man selber der Chef ist kann man sich erkundigen, wie ich meinen Laden sicherer mache. Das fängt damit an, dass ich bei Einbruch der Dunkelheit alle Seitentüren zu mache, dass ich die Kasse nicht volllaufen lasse, sondern das Geld in den Tresor packe. Das geht auch damit los, dass ich zu meiner großen Gesellschaft gehe und sage, baut mir eine Videoüberwachung hin. Man kann eine ganze Menge tun. Man muss sich ein bisschen um die Sicherheit kümmern.

Leute, die ein Verbrechen begehen, sind nicht nicht die coolen Typen, die man so im Fernsehen kennt ... die sind meistens tief verunsichert.

Herbert Rabl | Tankstellen-Interessenverband

Wenn der Täter* dann plötzlich vor einem steht, wie sollte man sich da verhalten?

Erstmal auf jeden Fall: ruhig. In aller Regel sind Leute, die ein Verbrechen begehen, überhaupt nicht die coolen Typen, die man so im Fernsehen kennt, sondern meistens tief verunsichert und oftmals auch kranke und aufgeregte Menschen. Wenn ich dem Täter gegenüberstehe und mache selber Panik, dann steckt meine Panik wiederum den Täter an und wenn eine Waffe im Spiel ist, dann ist das eine gefährliche Geschichte. Durch Panik entstehen Kurzschlusshandlungen, dadurch können Überreaktionen entstehen und die können manchmal tödlich enden.

Das heißt einfach Kasse auf, Geld raus und zusehen, dass die Frau, wie bei den Überfallen in Dresden, wieder abhaut?

Das heißt erstmal fragen, was die Frau genau will. Mit Ruhe fragen: Muss das sein? Wenn sie sagt, dass muss alles sein, dann das, was sie will, tun. Dann möglichst schnell, wenn sie gegangen ist, die Polizei rufen oder wenn man einen Alarmknopf unter der Theke hat, was ja die eine oder andere Tankstelle hat, diesen, ohne dass es der Täter oder die Täterin bemerkt, drücken. Und ansonsten erstmal tun, was jemand mit vorgehaltener Waffe sagt. Alles andere ist gefährlich.

Eine Tankstelle in Dresden beleuchtet in der Nacht.
Nicht selbstverständlich: Überwachungskameras und Alarmknöpfe an Tankstellen (Archivild) Bildrechte: Tino Plunert

Sie haben gesagt, den Alarmknopf drücken, falls vorhanden. Ist das nicht standard? Das Gleiche gilt für Videoüberwachung. Gibt es das nicht überall?

Ist es noch nicht. Bis vor ungefähr sechs oder sieben Jahren haben wir in der deutschen Tankstellenbranche immer mal wieder Überfälle gehabt und dann kamen die großen Gesellschaften und haben gesagt, das hört uns jetzt auf und haben angefangen, richtige Sicherheitskonzepte zu entwickeln und erst dann sind die Videoüberwachungen gekommen. Dann sind auch die Zeitkassen gekommen, wo man ein Signal auf den Computerbildschirm bekommt, die anzeigt, dass die Kasse zu viel Geld hat: Bitte entsorgen sie das Bargeld in den Tresor. Und dann sind eben manchmal auch Alarmknöpfe gekommen. Ein Alarmknopf unter dem Tresen ist aber nicht standardmäßig bei jeder Tankstelle vorhanden.

Gibt es so viel Bargeld an Tankstellen? Die meisten bezahlen doch mit EC- oder Kredit-Karte?

Tankstellen müssen ordentlich Wechselgeld in der Kasse haben. Wenn Sie einen großen Schub haben und es zahlen innerhalb einer Stunde 40 oder 50 Leute bar und jeder zahlt 50 Euro, dann haben sie schnell ein paar Tausend Euro. Was mir auch wichtig ist, ist der kleine Tankstellenpächter, der vor Ort vielleicht zwei oder drei Beschäftigte hat, der hat eine wahnsinnige Verantwortung. Wenn einem Beschäftigen so etwas passiert, dann muss er sich um ihn kümmern. Man glaubt gar nicht, was das für ein Trauma ist, wenn man vor einer Pistole steht, die möglicherweise losgehen kann.

Danach muss man die Leute an die Hand nehmen und besprechen, welche Schichten sie jetzt arbeiten möchten, ob sie ein paar Tage frei brauchen oder nur noch tagsüber arbeiten möchten. Die Fürsorge für den Beschäftigten ist dann ganz wichtig. Nur auf diese Art und Weise werden der Schock und das Trauma ein bisschen abgefedert.

* Zur Vereinfachung der Lesbarkeit wird im Folgenden die männliche Schreibweise verwendet. 

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 31.01.2019 | 05-10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Januar 2019, 11:07 Uhr

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2 Kommentare

31.01.2019 15:16 Joschi 2

Einfach jeder Tankstelle einen präparierten Geldschein geben , welcher einen Chip hat ( Handyortung ) . In den Beutel mit rein und sie brauchen keine 15 Streifenwagen . Grüße

31.01.2019 11:42 Daniel Richter 1

Hallo, zum ersten Mal sollte in bessere Kameras investiert werden. Das ist ja Steinzeit was man da erkennen kann, gut zur Mitarbeiterüberwachung ist es ja ausreichend! Wie soll man da was genaues erkennen. Da muss überall nachgebessert werden! Grüße