Trockenheit Wasserentnahme in Sachsen fast flächendeckend verboten

In Sachsen wird das Wasser knapp - das Trinkwasser zwar noch nicht, aber das Gießen von Pflanzen aus Brunnen oder Bächen wird schwieriger: Fast alle Kommunen haben verboten, Wasser aus Gewässern abzupumpen. Nur die Stadt Leipzig und der Erzgebirgskreis lassen dies noch zu.

Eine Pumpe pumpt Wasser aus einem See
Verboten: Wasser aus oberirdischen Gewässern zu entnehmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK/Panthermedia

Vielerorts derzeit das gleiche Bild in Sachsen: Kleinere Bäche führen kaum noch Wasser oder sind bereits ausgetrocknet. Auch die Wasserstände in den Flüssen sind sehr niedrig. Dadurch und durch die steigenden Wassertemperaturen sinkt auch der Sauerstoffgehalt des Wassers, viele Pflanzen und Tiere sind gefährdet.

ausgetrocknet: Launzige bei Nitzschka
Die Launzige bei Nitzschka im Landkreis Leipzig Bildrechte: Landkreis Leipzig

Die meisten Wasserbehörden der Städte und Landkreise haben deshalb Verbote ausgesprochen, Wasser aus oberirdischen Gewässern mit Pumpen zu entnehmen, um damit Gärten oder landwirtschaftlich genutzte Flächen zu bewässern. Das hat eine Recherche von MDR SACHSEN ergeben. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro. Lediglich der Erzgebirgskreis und die Stadt Leipzig haben bislang kein solches Verbot zur Wasserentnahme ausgesprochen. Im Kreis Zwickau tritt eine entsprechende Allgemeinverfügung am 22. August in Kraft.

Wasserentnahme-Verbot Sachsen
Bildrechte: MDR/Panthermedia

Schöpfen mit Handgefäßen meist noch zulässig

Erlaubt ist in fast allen kreisfreien Städten und Gemeinden noch das Schöpfen mit Handgefäßen wie Gießkannen oder Eimern, sofern genug Wasser vorhanden ist. Doch auch hier appellieren die Wasserbehörden zur Zurückhaltung. In Dresden ist auch das Handschöpfen aus Bächen verboten. Ausgenommen sind dabei nur die Elbe, die Vereinigte Weißeritz und der Lockwitzbach. Die Stadt schätzt aufgrund von Beobachtungen, dass fast zwei Drittel aller Bäche ausgetrocknet sind oder nur noch sehr wenig Wasser führen.

Erzgebirgskreis erwägt Verbot - Leipzig offenbar nicht

Im Erzgebirgskreis wird ein Verbot der Wasserentnahme erwogen, wie ein Sprecher des Landkreises MDR SACHSEN sagte, die Situation sei dort aber noch besser als etwa in Nordsachsen, deshalb werde die Lage noch beobachtet.

Auch in der größten Stadt im Freistaat, in Leipzig, dürfen Grundstücksbesitzer und Anlieger ohne Einschränkungen Wasser etwa aus der Elster entnehmen - obwohl auch Leipzig mit der anhaltenden Dürre zu kämpfen hat. Die Stadt hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, ein Wasserentnahmeverbot zu prüfen. Doch passiert ist bislang nichts. Derzeit gebe es keine Planungen beim Leipziger Umweltamt, ein solches Verbot auszusprechen, teilte ein Sprecher auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Eine Begründung wurde nicht genannt.

Einschränkungen beim Leipziger Wasserfest

Dass aber auch in Leipzig die Lage angespannt ist, zeigen die aktuellen Einschränkungen beim Leipziger Wasserfest an diesem Wochenende. Weil es eine offizielle Blaualgen-Warnung für den Karl-Heine-Kanal gibt, wurde das sogenannte Hegeangeln im Kanal abgesagt. Wie die zuständige Marketingagentur Paarmann am Freitag mitteilte, geschehe das zum Schutz der Teilnehmer. "Das Vorkommen von Blaualgen zeigt leider auch, dass die Erwärmung und die Erhöhung des Nährstoffeintrages auch nicht vom dem Karl-Heine-Kanal und den Leipziger Gewässern halt macht", so Thomas Paarmann. "Um die Gewässer in Leipzig für alle nutzbar zu erhalten, müssen Umwelt- und Klimaschutz sowie Gewässerentwicklung gemeinsam gedacht werden."

Eine »Fridays for Future« Demonstration 30 min
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Exakt - Die Story Mi 05.08.2020 20:45Uhr 29:56 min

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Video

Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR AKTUELL | 14.08.2020 |19:30 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.08.2020 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Chemnitz

6 Kommentare

HUK vor 27 Wochen

Ich denke, der MDR wird mit Fakten belegt, objektiv ,sachlich und unaufgeregt, dazu weiter berichten, so wie die Tage über die Forsthoschule in Tharandt. Das Fliesgewässer im Sommer austrocknen, Gebirgsflüsse ganz versiegen, ist in Mitteleuropa seit Menschengedenken beschrieben. Der neue Umweltminister sucht wohl noch sein Steckenpferd...

W.Merseburger vor 27 Wochen

Sorry Eulenspiegel,
auch der langjährige Durchschnitt der Regenmenge in Sachsen bezieht sich auf den gesamten Niederschlag über einen längeren Zeitraum, unabhängig ob das Wasser im Boden versickert oder abgeflossen ist. Und ihren Einwand zum "guten" Regen, der in den Boden eindringt und zum "bösen" Regen, der nicht in den Boden eindringt ist schlicht und ergreifend Populismus, um nicht zu sagen inhaltsleer!

Eulenspiegel vor 27 Wochen

Hallo Merseburger
Sie wissen schon das die Angaben über die durchschnittliche Regenmenge so alleine nichts aussagen. Da gehören einige zusätzliche Angaben dazu. Zum Beispiel die Angaben über die Regenmenge die in den Boden versickern konnte

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