21.05.2020 | 11:42 Uhr Zu wenig Niederschlag - Sachsen trocknet aus

Nachdem in der Oberlausitz bereits ein Wasserentnahmestopp aus Flüssen und Seen verhängt wurde, gilt das Verbot ab sofort auch im Landkreis Nordsachsen. Bis Ende Oktober darf dort privat nicht mehr abgepumpt werden, weil es einfach zu wenig regnet. Für die Oberlausitz wird bereits eine Dürre prognostiziert. Und auch in den anderen sächsichen Regionen wird es immer trockener.

Ein Flußarm der ausgetrocknet ist
Bildrechte: Mitteldeutscher Runfunk

In der Oberlausitz ist es bereits deutlich zu sehen. Im östlichsten Landstrich Sachsens herrscht Wassermangel in Flüssen und Seen. Und auch im Landkreis Nordsachsen wird das Wasser knapp. Seit Donnerstag dürfen Privatleute dort aus oberirdischen Gewässern kein Wasser mehr mit Pumpen entnehmen. Das geht aus der neuen Allgemeinverfügung des Landratsamtes hervor. Darin heißt es, dass auch diejenigen, die eine Erlaubnis dafür haben, die Wasserentnahme einstellen müssen. Das Verbot gilt bis Ende Oktober, bzw. bis auf Widerruf.

Trockenheit lässt Wasserstände weiter sinken

Nicht nur in Nordsachsen und in der Oberlausitz fließt immer weniger Wasser in den Flüssen. Wie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie MDR SACHSEN auf Nachfrage mitteilte, wurde an 49 von 145 ausgewerteten Fluss-Pegeln am Dienstag Niedrigwasser gemeldet. An weiteren 64 Pegeln sei die Niedrigwassermarke fast erreicht. Betroffen davon sind vor allem die östlichen Flussgebiete, insbesondere Spree und Lausitzer Neiße, aber auch die Zuflüsse zur Elbe wie z.B. Weißeritz, Wesenitz, Triebisch, Jahna und Döllnitz führen zu wenig Wasser. Auch in der Schwarzen Elster und der Großen Röder wird die Lage schwieriger.

Nach Angaben des Landesumweltamtes ist damit bereits im Mai das Niedrigwasserniveau erreicht, welches im Extremjahr 2018 erst Ende Juni auftrat. Als Ursache nennt das Umweltamt die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre und das daraus resultierende große Wasserdefizit im Boden und im Grundwasser. Außerdem trocknen Winde den Boden zusätzlich aus. Eine Verbesserung der derzeit angespannten Situation ist nicht in Sicht. Die Folge: Die Wasserstände in den Flüssen wird weiter sinken.

Wenn nichts mehr fließt

Auch die Pegel der Elbe befinden sich bereits im Mai auf einem sehr niedrigen Niveau. In Dresden erwartet das Landesumweltamt zum Ende der Woche einen Durchfluss von 102 Kubikmeter pro Sekunde - ein Negativ-Rekord.

Seit der Inbetriebnahme der Moldaukaskaden im Jahr 1964 sind solche niedrigen Durchflüsse in einem Mai noch nie aufgetreten.

Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Das Niedrigwasser und der fehlende Niederschlag hat Folgen für die Binnenschifffahrt auf der Elbe, die Teichwirtschaft im Freistaat und für das Grundwasser. So meldet das Landesumweltamt, dass die Grundwasserstände sich aufgrund der anhaltenden geringen Niederschläge weiterhin deutlich unter den mehrjährigen Monatsmittelwerten befinden. Derzeit unterschreiten rund 89 Prozent der ausgewerteten 161 Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand um durchschnittlich 52 Zentimeter (Medianwert). Aufgrund der anhaltenden Trockenheit rechnet das Landesumweltamt in diesem Frühjahr damit, dass das Grundwasser weiter fällt.

Seit 2017 zu wenig Regen

Von November 2017 bis Dezember 2019 summierten sich in Sachsen die Niederschlagsausfälle auf 335 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, das sind rund 22 Prozent. Pro Jahr fiel also halb so viel Niederschlag wie normal. Die regionalen Unterschiede seien beträchtlich, so das Amt. So wurde im Vogtland ein Niederschlagsdefizit von 225 Litern pro Quadratmeter ermittelt, im Landkreis Bautzen waren es im gleichen Zeitraum 440 Liter Regen pro Quadratmeter.

Quelle: MDR/bb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.05.2020 | 14:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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