Energiewende Sachsen will Vorreiter beim Wasserstoff werden

Ein Hybridkraftwerk produziert aus Wind und Biomasse Strom und Wasserstoff
Ein Hybridkraftwerk in der Uckermark: Hier werden aus Wind und Biomasse Strom und Wasserstoff erzeugt. Solche Kraftwerke könnten auch für Sachsen in Sachen Energiegewinnung die Zukunft sein. Bildrechte: imago/Rainer Weisflog

Sachsen muss weg von der klimaschädlichen Kohle und will in Zukunft deutlich mehr auf Wasserstoff als Energieträger setzen. Dafür entwickelt das Energie- und Umweltministerium aktuell eine Strategie. Mit ihrer Hilfe soll das Land zum Vorreiter auf dem Gebiet der Wasserstofftechnologie werden. Und tatsächlich könnte der Plan aufgehen, meint Gunda Röstel aus dem nationalen Wasserstoffrat: "Wir haben in Sachsen sehr, sehr gute Voraussetzung, gerade in diesem Spektrum auch technologisch mit zur Spitzenposition in Deutschland zu gehören. Wir haben eine sehr gute Wissenschaftslandschaft. Das Fraunhofer-Institut oder auch die drei Technischen Universitäten in Dresden, die Bergakademie Freiberg und Chemnitz befassen sich mit diesen Themen nun schon sehr viel länger als die Strategie der Bundesregierung wehrt."

Wie funktioniert die Wasserstofftechnologie? Wasserstoff wird durch Elektrolyse gewonnen. Das heißt, mit Hilfe von Strom wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespaltet. Der Wasserstoff speichert so Energie und kann transportiert und selbst gespeichert werden. In Brennstoffzellen reagiert er dann mit Sauerstoff zu Wasser. Dabei wird die zuvor gespeicherte Energie frei. Diese kann dann beispielsweise zum Antrieb von Fahrzeugen genutzt werden.

Wasserstoff - mehr als nur ein Autoantrieb

Ein Zapf-Ventil von einer Wasserstoff-Tankstelle steckt im Tankstutzen eines Wasserstoffautos.
Wasserstoff tanken - das klappt im Grunde ganz normal wie bei Benzin. Doch bislang gibt es nur sehr wenige Wasserstofftankstellen in Deutschland. Bildrechte: dpa

Von Wasserstoff als Energieträger wird häufig im Zusammenhang mit Fahrzeugen gesprochen. Autos, Laster, Schiffe und Flugzeuge sollen damit betrieben werden. Doch aus Sicht von Gunda Röstel, die auch Mitglied im Nachhaltigkeitsrat ist, ist das zu kurz gedacht: "2050 wollen wir klimaneutral sein. Das ist ein Wort, das bedeutet, für weite Teile unserer Art und Weise zu leben und zu produzieren, eine fundamentale Veränderung in der Automobilität, in der Chemieindustrie, aber auch im ganz privaten Bereich. Wir brauchen Wasserstoff dringend als Partner der Renewables - und zwar in allen Sektoren, darunter auch dem der Mobilität." Auch Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht ein breites Spektrum für die Anwendung: Neben dem Verkehrssektor könnte die Technologie auch in der Chemie, bei der Stahlproduktion und der Erzeugung von Wärme entscheidend sein.

Strategie des Freistaats verzögert sich

Doch wie die Strategie für einen sinnvollen Ausbau der Wasserstofftechnologie in Sachsen aussehen soll, ist momentan noch ungewiss. Das federführende Energie- und Umweltministerium hatte Mitte Oktober mitgeteilt, dass es bei der für dieses Jahr angekündigten Strategie zu Verzögerungen kommt. "Aktuell gehen wir davon aus, dass die Sächsische Wasserstoffstrategie im ersten Halbjahr 2021 Kabinettsreife erlangen wird", teilte das Ministerium mit. Gründe für die Verspätung seien die Corona-Pandemie und eine verspätete Fertigstellung des nationalen Plans zum Wasserstoff.

Batterien und Wasserstoff: Zwei Säulen der Klimapolitik

Gundula Röstel
Gunda Röstel ist Geschäftsführerin der Stadtentwässerung Dresden GmbH. Außerdem ist sie Mitglied im nationalen Wasserstoffrat und im Rat für Nachhaltige Entwicklung. Bildrechte: MDR/RBB/Hoferichter & Jacobs

Warum aber blicken plötzlich alle auf den scheinbar neuen Energieträger Wasserstoff? Schließlich sind Sonnen- und Windenergie längst erprobt und fester Bestandteil der Energiepolitik. Gunda Röstel erklärt das Problem so: "Sie sind volatil. Das heißt, dass eben nicht immer Wind weht und die Sonne eben auch nicht immer scheint. Wir brauchen Technologien als Partner, die Energie speicherfähig machen. Und jetzt kommt Wasserstoff ins Spiel - neben der Batterietechnik, die nicht für alles geeignet ist. Grüner Wasserstoff ist gut speicherbar, auch, um die sogenannten Dunkelflauten in Deutschland überstehen zu können, wo wir eben auch mal über mehrere Tage keine Sonne haben oder vielleicht auch die Windkraft nicht so gut ist."

Wasserstoff – grün und teuer?

Bislang ist die Wasserstofftechnologie aber noch kein Allheilmittel, was den Stopp des Klimawandels angeht. Denn auch wenn die Technologie umweltfreundlich klingt, ist sie es nicht in jedem Fall, erklärt Gunda Röstel. Sogenannter grauer Wasserstoff, der in der Industrie zum Einsatz kommt, wird aus Methan gewonnen. Allerdings schadet er der Umwelt, weil bei der Produktion CO2 freigesetzt wird. Ziel ist der Umstieg auf sogenannten grünen Wasserstoff, der mithilfe von erneuerbaren Energien gewonnen wird. Doch dieser sei derzeit noch teuer, erklärt die Expertin. Für den Direktor des Instituts für Automobilforschung der TU Chemnitz, Professor Thomas von Unwerth, ist aber klar: "Die Technologie wird kommen und wer jetzt nicht einsteigt, wird in einigen Jahren hintenanstehen."

Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.10.2020 | 10:00 Uhr in den Nachrichten

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