25.11.2019 | 05:00 Uhr Weihnachtliche Beleuchtung: So klappt's auch mit dem Nachbarn

Nun hat sie wieder begonnen, die Hochsaison für Deko-Freunde. Da werden nicht nur Wohnungen und Fenster geschmückt: Lichter ergießen sich über Balkonbrüstungen, leuchtende Weihnachtsmänner klettern Fassaden hoch oder runter und im Vorgarten blinken Bäume und Rentiere um die Wette. Aber was dem einen gefällt, regt den anderen maßlos auf. MDR SACHSEN erklärt, was erlaubt ist und wann die Lichter besser ausgehen sollten.

Ein mit Weihnachtsmotiven geschmücktes Einfamilienhaus
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Was darf ich als Mieter?

In der Wohnung: Lichterketten und Weihnachtsschmuck sind in Wohnungen, auch in den Fenstern, erlaubt. Das Schmücken gilt als weit verbreitete Sitte. Die Wohnung darf durch die Deko allerdings keinen Schaden nehmen. Und wenn man beim Anbringen etwas beschädigt, muss man den Schaden ausgleichen.

Weihnachtlich aufgeputzter Balkon, 2006
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Auf Balkonen und an der Fassade darf geschmückt werden. Es gibt aber Einschränkungen. Will man Löcher zur Befestigung bohren, muss der Eigentümer bzw. der Vermieter gefragt werden. Die Deko muss sicher installiert sein und die Fassade darf nicht beschädigt werden. Auch Passanten dürfen nicht beeinträchtigt oder geschädigt werden. Passiert trotzdem ein Unfall, haftet nach gängiger Rechtssprechung derjenige, der die wacklige Deko installiert hat - also der Mieter.

Im Treppenhaus: Hier dürfen Mieter an ihrer Wohnungstür bunte Adventskränze befestigen. Das gilt als Ausdruck einer alten Tradition. Mitmieter dürfen sich darüber nicht ärgern oder daran Anstoß nehmen. Das hat das Landgericht Düsseldorf vor längerem schon entschieden. (LG Düsseldorf 35 T 500/98).

Der Dekorationsfreudigkeit der Mieter im Hausflur sind enge Grenzen gesetzt worden.

Dieter Klatt, Mieterverein Dortmund

Anders sieht die Lage aus, wenn Mieter das gesamte Treppenhaus von oben bis unten nach ihrem Geschmack dekorieren wollen. Das müssen die Nachbarn nicht akzeptieren, sie können verlangen, dass die Weihnachtsdeko entfernt wird (AG Münster 38 C 1858/08). Das gilt übrigens auch, wenn eine Mietpartei weihnachtliche Duftsprays im Haus versprüht. Nachbarn müssen dies nicht dulden (OLG Düsseldorf 3 Wx 98/03). Grundsätzlich haben nur der Eigentümer oder die Eigentümergemeinschaft das Recht, Treppenhaus und Flure zu gestalten.

Wann ist für mich als Nachbar Schluss mit dem Gefunkel des Nachbarn?

"Mitunter flackert es schon ziemlich wild. Wenn es dann direkt gegenüber ins Schlafzimmer des Nachbarn scheint, dann muss zumindest ab 22 Uhr die Lichterkette vom Strom genommen werden", sagt Anwalt  Ullrich Ruppert vom Deutschen Mieterbund. Denn: Weihnachtsdeko jeglicher Art darf die Nachbarn nicht übermäßig mit Geräuschen oder Licht beeinträchtigen, hat das Landgericht Berlin vor zehn Jahren bereits festgestellt. (LG Berlin 65 S 390/09). Bei Geräuschen und Liedern gilt es, die übliche Nachtruhe auf jeden Fall einzuhalten.

Das 'Gebot der Rücksichtnahme' gebietet, dass jeder Nachbar auf die Belange seiner umliegenden Nachbarn Rücksicht nehmen muss.

Grundsatz in eigenständigen Nachbarschaftsgesetzen der Länder

Was ist mit Hausbesitzern? Haben die mehr Freiheiten beim Dekorieren als Mieter?

"Nein, Hauseigentümer können auf ihren Grundstücken nicht machen, was sie wollen. Es sind nur die Dinge erlaubt, die andere nicht über das übliche Maß hinaus beeinträchtigen", erklärt Rechtsanwalt Alexander Kiefer im Gespräch mit MDR SACHSEN. Bei der Einschätzung eines üblichen Maßes erinnert Jurist Alexander Kiefer an Immanuel Kants abgewandelten Grundsatz: Was du nicht willst, das man dir tu', das füg' auch keinem anderen zu. Auch er rät allen, egal, ob Mieter oder Eigentümer, die Beleuchtung und Beschallung in den allgemeinen Ruhezeiten und zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens abzuschalten, spätestens um 23 Uhr.

Wie sag ich's meinem Nachbarn?

Anwälte und Mieterbund empfehlen, miteinander zu sprechen, bevor es Ärger gibt: "Bevor ich die Beleuchtung anbringe, würde ich einen Schritt auf meinen Nachbarn zugehen und fragen, ob er damit einverstanden ist", empfiehlt Anwalt Kiefer. Im Zweifel würde er seinem Nachbarn vorschlagen, dass man die Beleuchtung abends und nachts abschaltet. "Kommunikation hilft immer, Streit zu vermeiden." Schließlich gehe es doch im Advent und zu Weihnachten um das Fest der Liebe und des Friedens.

Was ist mit der Umwelt im vorweihnachtlichen Lichtermeer?

Die Verbraucherzentrale Sachsen rät, beim Kauf von Lichterketten und Beleuchtung auf den Stromverbrauch zu achten. "Bis zu 15 Euro Stromkosten verursacht eine herkömmliche Lichterkette mit Glühbirnchen, wenn sie vier Wochen lang permanent angeschlossen ist. Lichterketten mit Halogenlampen sind ähnlich teuer", erklären die Verbraucherschützer. Sie raten zum Kauf vom LED-Lichterketten und Beleuchtung.

Bei batteriebetriebener Baumbeleuchtung winken die Energieberater der Verbraucherschutzzentrale regelmäßig ab. Batteriestrom sei 150 Mal teurer als Strom aus der Steckdose. Und: Lichterketten sollten nur angeschaltet werden, wenn sie auch jemand sieht. Heißt: "Während Ihrer Abwesenheit oder nachts können Sie die Beleuchtung ruhig abschalten", so die Verbraucherzentrale.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.11.2019 | 07:20 Uhr

1 Kommentar

zenkimaus vor 52 Wochen

Auf geht's zum schmücken. Mit den Nachbarn Reden dann funktioniert es.

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