Gert Mackenroth beim O-Ton
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Tag der Kriminalitätsopfer "Wir sind für die Opfer da" - Interview mit Geert Mackenroth vom Weißen Ring

Geert Mackenroth ist der Landesvorsitzende des Weißen Ringes in Sachsen. MDR SACHSEN hat mit ihm über die Aufgaben der Opfervereinigung gesprochen und auch darüber, mit welchen Problemen die Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind, sich an den Weißen Ring wenden.

Gert Mackenroth beim O-Ton
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Seit 1991 veranstaltet der Weiße Ring am 22. März den Tag der Kriminalitätsopfer. In Dresden findet dazu eine Veranstaltung auf dem Neumarkt in Dresden statt. Warum eine solche Veranstaltung an solch exponierter Stelle?

Um daran zu erinnern, dass das Schicksal der Opfer von Kriminalität nicht in Vergessenheit gerät. Wir beobachten in der Gesellschaft, dass meistens oder vielfach der Täter im Vordergrund steht. Er hat die Aufmerksamkeit, die Popularität und das Opfer macht dann vielleicht seine Aussage, geht nach Hause und schließt die Tür ab und ist mit seinem Leid alleine. Das wollen wir versuchen abzubauen, indem wir den Blick auf die Opfer lenken. Deshalb machen wir am Tag der Kriminalitätsopfer immer eine besondere Aktion.

Was erwartet die Besucher?

Wir kümmern uns um Prävention. Da gehört auch Eigenvorsorge dazu. Wir haben dafür einen Trickdieb engagiert, der den Passanten, die zu uns kommen, Uhren, Geldbörsen oder Handys abzocken wird. Auf diese Art und Weise können wir das Augenmerk darauf richten, das Eigenvorsorge eine ganz wichtige Geschichte ist.

Mit welchen Fällen kommen denn die Menschen zum Weißen Ring in Sachsen?

Wir haben das gesamte Spektrum der Kriminalität. Das geht von häuslicher Gewalt über sexuellen Missbrauch bis hin zum Einbruchsdiebstahl. Man muss immer sehen, dass die Opfer ja unterschiedlich reagieren: Die ältere Großmutter ist vielleicht durch einen Wohnungseinbruch unendlich traumatisiert und möchte ihre Wohnung letztlich sogar verlassen, während junge Leute nach der Disko vielleicht Opfer von Kriminalität werden. Eines bleibt gleich: Es muss verarbeitet werden.

Wie helfen Sie den Menschen?

Die Art der Hilfe des Weißen Ringes hängt von den Bedürfnissen des Opfers ab. Wir führen intensive Gespräche, um zu sehen, was das Opfer braucht. Der eine benötigt medizinische Betreuung, der andere einen anwaltlichen Rat, der Dritte wiederum braucht nur Zuspruch. Das Wichtige ist, das unsere Leute Zeit mitbringen, um sich mit dem Opfer und seinen Bedürfnissen auseinander zu setzen. Etwas, was in der Realität der bundesdeutschen Strafverfolgung zu sehr hinten an steht.

Kann jeder zu Ihnen kommen, der Opfer von Kriminalität wurde oder muss er erst Mitglied im Verein werden?

Wir sind offen für jeden. Jeder kann jederzeit zu uns kommen und bekommt schnell professionelle Hilfe. Der Weiße Ring nimmt als große Opferorganisation auch keine staatlichen Zuschüsse an, damit wir unabhängig bleiben, das ist uns ganz wichtig. Wir bekommen Spendengelder, Bußgeldzuweisungen, Geld aus Erbschaften, aber wir holen uns keine Gelder aus institutionalisierten Förderungen.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 22.03.2019 | 19:30 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 22. März 2019, 17:56 Uhr

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