31.05.2020 | 13:42 Uhr Frauen, Jugendliche und Corona beim Weltnichtrauchertag im Fokus

In Deutschland sterben jährlich etwa 120.000 Menschen an den Folgen des Rauchens, auch wenn der Zigarettenkonsum seit Jahren zurückgeht. Sachsens Gesundheitsministerin Köpping ermuntert zum Aufhören. Sorgen bereitet Lungenärzten die steigende Zahl der an Lungenkrebs erkrankten Frauen und die ersten Ergebnisse der Untersuchungen von rauchenden Covid19-Patienten. Die Jugend soll durch neue Werbetaktiken offenbar wieder stärker geködert werden.

Ein Mann der raucht
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 1987 den 31. Mai zum Weltnichtrauchertag erklärt. Bildrechte: imago images/Westend61

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping hat zum Weltnichtrauchertag die Raucher ermuntert, mit dem Qualmen aufzuhören. "Schon nach 24 Stunden sinkt das Herzinfarktrisiko, später kommen körperliches Wohlbefinden und Lebensqualität dazu." Auch bessere Kondition, straffere Haut und nicht zuletzt ein geringeres Lungenkrebsrisiko würden für das Aufhören sprechen, so Köpping.

Zahl der neuerkrankten Frauen nimmt zu

Nach Angaben des sächsischen Gesundheitsministeriums sterben im Freistaat jährlich etwa 2.000 Menschen an Lungenkrebs, wobei 87 Prozent auf Rauchen zurückzuführen seien. Laut Gemeinsamem Krebsregister (GKR) der ostdeutschen Bundesländer sind 1.440 Männer und 560 Frauen (Durchschnitt der Jahre 2017 und 2018) betroffen.

Die Zahl der Neuerkrankungen wird in diesem Jahr auf 2.740 geschätzt - etwa 1.870 Männer und 870 Frauen. Damit setzt sich die Tendenz der vergangenen zehn Jahre fort, dass weniger Männer an Lungenkrebs neu erkranken, aber dafür mehr Frauen.

Im Vergleich zu anderen Krebserkrankungen hat Lungenkrebs eine äußerst schlechte Prognose. Nach Auswertungen des GKR überleben nur 16 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen die ersten fünf Jahre nach einer Lungenkrebsdiagnose. Die Überlebensrate hat sich damit zwar in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt, Lungenkrebs gehört aber weiterhin zu den drei Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose.

Sächsisches Sozialministerium

Rauchen und Covid-19 - eine schlechte Kombi

Dirk Koschel, Pneumologe am Fachkrankenhaus Coswig, bestätigte im Gespräch mit MDR SACHSEN diese Entwicklung. Er erklärt sich die Zunahme der weiblichen Lungenkrebspatienten mit sozialen Ursachen. "Die Frauen haben erst in den 1960er und 1970er Jahren mit dem Rauchen angefangen, weil es erst später gesellschaftlich akzeptiert worden ist." Die Folge: Es sterben mehr Frauen an Lungenkrebs als an Brustkrebs.

Und Koschel hat noch einen wichtigen Aspekt, besser sofort mit dem Rauchen aufzuhören: Corona. "Am Anfang war die Meinung geteilt von den Untersuchungen. Die mittlerweile kürzlich publizierten Daten der vergangenen vier Wochen zeigen klar, dass Rauchen mit einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 assoziiert ist."

E-Zigarette & Co. - neue Gefahren für die Jugend

Ein Mann dampft eine E-Zigarette.
Die Nichtraucherkampagne schließt auch E-Zigaretten ein. Bildrechte: dpa

Für die Deutsche Krebshilfe und das Aktionsbündnis Nichtrauchen gibt es noch einen weiteren Aspekt, den sie am heutigen Weltnichtrauchertag kritisieren: die Werbestrategien der Tabakindustrie in Richtung Jugend. Unter dem Motto "Kill yourself starter kit. Lass dich nicht manipulieren" richten sich die Organisationen gegen Werbekampagnen und Produktdesigns, die vor allem junge Menschen ansprechen. Werbung für E-Zigaretten und Tabakerhitzer würde unterstellen, dass Dampfen stylisch und unbedenklich sei. Wahr sei aber, dass Shisha- und Zigarettentabak süchtig machen und tödlich sein könnten, so die Organisationen. Damit solle eine neue Generation von abhängigen Konsumenten gesichert werden.

Quelle: MDR/tfr/dk/ifdpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 31.05.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen