Reiseprospekte mit dem Logo des Tourismuskonzern Thomas Cook
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21.10.2019 | 15:35 Uhr Stiftung Warentest: Das müssen Thomas Cook-Kunden tun

Die Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook hat viele Urlauber hart getroffen. Das Unternehmen hat inzwischen alle Reisen für dieses Jahr abgesagt. Zudem wird die Deckungssumme des Versicherers nicht reichen, um alle Reisenden zu entschädigen. Aber in bestimmten Fällen, so die Stiftung Warentest, haben Thomas Cook-Kunden die Chance, sich schon gezahltes Geld, zumindest teilweise, zurückzuholen. Wie funktioniert das? MDR SACHSEN hat bei Eugénie Zobel von der Stiftung Warentest nachgefragt.

Reiseprospekte mit dem Logo des Tourismuskonzern Thomas Cook
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Man könnte sich das Geld von der Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters zurückzuholen, oder?

Richtig. Es ist in Deutschland so, dass Sie bei einer Pauschalreise eine Insolvenzabsicherung haben. Das heißt, wenn Ihr Reiseveranstalter Pleite geht, sind natürlich Ihre Gelder in Gefahr, die Sie ja meistens per Vorkasse schon bezahlt haben. Für diesen Fall hat der Gesetzgeber eine Sicherung vorgesehen, so dass Sie dann die gezahlten Beträge bei der Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters geltend machen und das sollten Sie dann auch schleunigst tun, wenn Ihre Reise abgesagt wurde.

Gibt es dann den vollen Reisepreis zurück?

Aufgrund der Deckungssumme, die bei der Versicherung Zurich vorhanden ist, wird es wahrscheinlich zu einer "Quotelung" kommen, wonach die Reisenden nicht ihre vollen Reisepreiszahlungen zurückbekommen.

Kunden, die per Kreditkarte bezahlt haben, können das Chargeback-Verfahren nutzen. Wie geht das genau?

Kunden, die per Master-Card oder Visa-Kreditkarte bezahlt haben, haben die Möglichkeit, ihre Zahlungen zurück zu holen. Es kommt darauf an, ob sie eine Pauschalreise oder eine Einzelbuchung getätigt haben.

Gerade bei diesen Einzelbuchungen ist es so, dass sie diese Insolvenzabsicherung nicht haben. Und gerade für die Leute bietet sich an, sich sofort an ihre Kartenausgebende Bank wenden und dort das Chargeback-Verfahren beantragen für die Zahlungen an Thomas Cook. In der Regel wird man dann sein Geld erstattet bekommen, weil diese Reise bereits abgesagt wurde und der Kunde seine Dienstleistung dort nicht mehr erhält, d.h. seine Reise nicht durchführen kann.

Bildkombo zeigt ein Flugzeug von Thomas Cook, mehrere Hundert-Euro Geldscheine und eine Kreditkarte.
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Bei Pauschalreisen gibt es diese Möglichkeit auch, allerdings erst dann, wenn sie von der Insolvenzversicherung eine Entscheidung bekommen haben, wie viel Geld sie zurückbekommen. Den übrigen Differenzbetrag kann man sich über das Chargeback-Verfahren erstatten lassen. Bei Pauschalreisen ist es ganz wichtig, zuerst zur Insolvenzversicherung mit dem Sicherungsschein, den man mit der Buchungsbestätigung bekommen hat. Und dort seine Erstattungsansprüche geltend zu machen. Erst wenn dort eine Entscheidung getroffen wurde oder wenn sie nicht innerhalb von 60 Tagen Antwort bekommen von der Versicherung, dann kann man zur Bank gehen und seinen Kreditkartenumsatz widerrufen.

Bieten eigentlich alle Kreditkartenanbieter dieses Verfahren an?

Nein. Wir haben die großen Kreditkartenunternehmen angefragt. Visa-Card und Master haben uns das Verfahren bestätigt. Master-Card stellt es nicht zur Verfügung.

Gibt es denn Fristen dafür, wenn man sein Geld wieder haben möchte?

Normalerweise sagt man bei Kreditkartenumsätzen, die man reklamiert, 120 Tage ab Abbuchung. In diesem Fall ist es aber so, das gerade bei Pauschalreisen ja oft sehr frühzeitig gebucht wird. Dann muss man die Anzahlung schon leisten. Das kann ja auch schon ein Jahr zurück liegen. Dann wären die 120 Tage ab Abbuchung nicht sachgerecht. Und insofern ist es so: Sobald Sie erfahren, dass Ihre Reise abgesagt wurde, haben Sie 120 Tage Zeit, diesen Umsatz zu reklamieren.

Zudem müssen Sie daran denken, dass Sie, wenn Sie zuerst zur Insolvenzversicherung gehen, 60 Tage auf deren Antwort warten müssen und erst dann den Antrag auf Widerruf der gezahlten Beträge bei der Bank einrichten können.

Können sich auch Kunden, die per Lastschrift bezahlt haben, ihr Geld zurückholen?

Auch bei Lastschriftzahlungen gibt es immer diese Möglichkeit, diese Zahlungen zurück zu holen. Das kann man sowohl schriftlich machen bei seiner Bank, als auch beim Online-Banking. Dort gibt es  beim Blick auf die Umsätze die Option "Lastschrift zurückgeben". Da ist die Frist eine andere: acht Wochen ab Abbuchung. Das kann bei Thomas Cook in vielen Fällen schon zu spät sein, aber man kann es natürlich versuchen.

Bis 31. Dezember fallen Thomas-Cook-Reisen ersatzlos aus, also die vertraglich vereinbarte Leistung wird nicht erbracht. Für alle Reisen ab 1. Januar 2020 ist noch nicht klar, was passiert.

Kann es sein, dass die Urlauber trotz der Pleite unter Umständen die Reise noch komplett bezahlen müssen?

Die Kunden haben immer noch gültige, wirksame Reiseverträge. Und genauso wieder insolvente Veranstalter immer noch die Reiseleistung schuldet, schuldet auch der Kunde Zahlungen. Das heißt, wer sich auch in diesem Fall entscheidet, Zahlungen zurück zu buchen, der sollte immer auch mit dem Risiko rechnen, dass der Insolvenzveranstalter kommt und sagt, er möchte den Reisepreis haben.

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Das Gespräch hier nachhören:

Quelle: MDR/cw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR | 21.10.2019 | 10:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 15:35 Uhr

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