An der Universität in Leipzig sitzen Lehramts-Studenten vom ersten Semester in einer Vorlesung.
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12.07.2019 | 14:45 Uhr Studienabbrecher in Sachsen werden erfolgreiche Azubis

Für die über 100.000 Studierenden an den sächsischen Hochschulen beginnen wieder die Semesterferien und endet die Prüfungszeit. Manchen plagt die Sorge, ob er oder sie das Studium überhaupt besteht. An allen Hochschulen im Freistaat gibt es Beratungsangebote für Studienzweifler und -abbrecher. Eine davon ist "Plan B(eruf) - Berufliche Perspektiven nach Studienabbruch" der KOWA Leipzig. Sie zeigt jungen Menschen eine neue Perspektive als Auszubildende und macht viele damit zufrieden.

An der Universität in Leipzig sitzen Lehramts-Studenten vom ersten Semester in einer Vorlesung.
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Laut Statistischem Landesamt Sachsen haben im vergangenen Jahr über 21.000 Menschen einen Hochschulabschluss erlangt. 85 Prozent davon beendeten das Studium mit universitärem Abschluss oder einem Fachhochschulabschluss. Immer mehr junge Menschen treibt es an die Hochschulen, obwohl ein Studium nicht für jeden geeignet ist.

Wer in Leipzig studiert und am Studium zweifelt, kann sich an die Kooperationsstelle Wissenschaft und Arbeitswelt (KOWA) wenden. "Plan B"-Projektleiterin Jana Wünsch sagt, dass dieser Zweifel keinesfalls selten ist. Nach Berechnungen des Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung zählen bundesweit knapp 30 Prozent als Studienabbrecher.

Das ist jeder dritte bis vierte Studierende, der oder die das Studium abbrechen. In unserer Beratung sehen wir, dass es vielfältige Gründe gibt: fehlender Praxisbezug, Mehrfachbelastung durch Arbeiten neben dem Studium oder Familie, Prüfungsangst oder falsche Vorstellungen vom Studium.

Jana Wünsch Projektleiterin "Plan B(eruf)" der KOWA Leipzig
Studentenleben vor dem Hörsaalgebäude.
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Dabei kämen viele sehr spät im Studium und recht orientierungslos zu den Beratungsstunden der KOWA. Die meisten Ratsuchenden sind Mitte 20, mancher auch über 30 Jahre alt. "Die Eltern und die Partner sind immer virtuell mit dabei. Manchmal müssen sich die Studienabbrecher Vorhaltungen anhören, aber oft trägt das Umfeld die Entscheidung am Ende mit", so Wünsch.

Neue Perspektive: Kaufmann, Handwerk, Erzieherin

Ziel der KOWA ist es, Zweifelnde und Abbrecher über die Möglichkeit einer betrieblichen Berufsausbildung zu informieren und bei der Ausbildungssuche zu unterstützen. Die Beratung ist aber erstmal ergebnisoffen. "Wir haben seit 2014 ein wichtiges Know-how zu dieser Zielgruppe entwickelt, von der auch die Bundesagentur für Arbeit profitiert, und ganz besonders die Unternehmen in und um Leipzig", sagt Projektmitarbeiterin Anja Kobelt. Sie ist zuständig für den Kontakt zu den Unternehmen.

Trotz Fachkräftemangel haben kleine und mittlere Unternehmen in der Region Vorbehalte, Studienabbrecher einzustellen. Wir wollen ihnen zeigen, wie viel Talent in jemandem steckt, der bereits Jura oder Informatik - wenn auch ohne Abschluss - studiert hat.

Anja Kobelt Projektmitarbeiterin "Plan B(eruf)"

Jana Wünsch und Anja Kobelt können berichten, dass aus vielen Studienabbrechern erfolgreiche Azubis werden. Vor allem seien Ausbildungen in kaufmännischen und sozialen sowie IT-Berufen beliebt. Dabei bleiben manche Studierende in der Nähe ihres Fachbereiches, andere wollen etwas gänzlich Neues anfangen. Doch auch bei der Entscheidung für eine Ausbildung gibt es finanzielle Abwägungen und die hängen auch an politischen Rahmenbedingungen, so Wünsch und Kobelt. Sie hoffen, dass Handwerksberufe und der Erzieherberuf weiter gestärkt werden, sodass sie Studienabbrecher guten Gewissens in diese Ausbildungen bringen können.

Quickstart - Ein Netzwerk für den gesamten Freistaat Sachsen

Seit vergangenem Herbst bündelt der Freistaat Sachsen im Netzwerk "Quickstart" alle Angebote. An der TU Bergakademie Freiberg wird dieses Netzwerk ausgebaut. Das Projekt will dafür sorgen, dass ein Studienabbruch kein Tabu mehr ist.

Quelle: MDR/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.07.2019 | 6:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Leipzig

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