06.07.2020 | 19:23 Uhr Wildcampen in Sachsen - das sind die Regeln und erlaubten Ausnahmen

Im Freien übernachten, einen kleinen Hauch von Freiheit spüren, Ruhe genießen - das sind einige Gründe fürs Wildcampen. Das ist selten einfach so erlaubt. In Sachsen gelten dafür strenge Regeln. Auch der gesunde Menschenverstand sollte mitreisen und benutzt werden, raten Alpenverein und Umweltschützer.

Ein junges Pärchen genießt den Sonnenschein beim Camping.
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Darf ich in Sachsen in der freien Landschaft zelten?

Nein. Nach dem sächsischen Naturschutzgesetz Paragraph 28 fällt das Zelten nicht unter das Betretungsrecht und es ist demnach in der freien Landschaft nicht gestattet. In Naturschutzgebieten und in Nationalparks ist das Wildcampen streng verboten.

Das Betretungsrecht umfasst nicht das Befahren mit Kraftfahrzeugen, das Zelten sowie das Aufstellen und Abstellen von Fahrzeugen.

Sächsisches Naturschutzgesetz Paragraph 28,1

Kann ich in Sachsens Wäldern wildcampen?

Einfach so im Wald zelten, ist ebenfalls verboten. In Paragraph 11 des Landeswaldgesetzes ist klar geregelt, dass man fürs Zelten, Abstellen von Wohnwagen und Fahrzeugen die besondere Erlaubnis des Waldbesitzer benötigt.

Was ist, wenn ich nur im Schlafsack übernachte oder mit einer Plane ein Biwak baue?

Das Übernachten unter freiem Himmel ohne Zelt, beispielsweie nur mit Schlafsack, Isomatte oder in der Hängematte gilt als Biwakieren, erklärt Burkhard Beyer vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium. "Das Biwakieren fällt unter das Betreten der freien Landschaft zum Zwecke der Erholung (§ 27 SächsNatSchG) und ist damit erlaubt. Ausnahmen gelten in Naturschutzgebieten, wo sowohl Zelten als auch Biwakieren verboten sind. Auf Privatgrundstücken ist das Wildcampen mit Erlaubnis des Eigentümers erlaubt", so Beyer.

Wie verhalte ich mich, wenn der Waldbesitzer einer Nacht im Zelt oder einem Biwak (unter freiem Himmel ohne Zelt) zustimmt?

Eine der wichtigsten Grundregeln für den Aufenthalt in der Natur lautet: "Keine Spuren hinterlassen". Der erlaubte Übernachtungsplatz ist so zu verlassen, wie er vorgefunden wurde - ohne Müll. Auch keine Speisereste als vermeintlich kompostierbar zurücklassen, rät der Deutsche Alpenverein.

Man solle sich so verhalten, dass weder der Wald noch seine Ökosystemleistungen in Mitleidenschaft gezogen werden, noch gegen andere Normen verstoßen wird, wie Natur-, Boden-, Wasserschutzrecht, Jagd- und Abfallrecht, erklärt Umweltministeriumsreferent Beyer.

Geht respektvoll und achtsam mit den Plätzen um und haltet euch an alle Regeln, damit möglichst lange auch anderen naturverbundenen Menschen dieses Angebot offen steht und Tiere möglichst wenig beeinträchtigt werden. Es kommt auf das Verhalten eines jeden Einzelnen an!

Deutscher Alpenverein

Drei Jugendliche genießen auf dem Drachenberg in Berlin den Sonnenuntergang.
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Welche Strafen drohen mir, wenn ich einfach irgendwo zelte, wo es mir gefällt?

Dazu erklärt das Umweltministerium: "Maßgeblich ist der Paragraf 49 des Sächsischen Naturschutzgesetzes. Die Bußgelder können bis maximal 15.000 Euro betragen - und sogar bis zu höchstens 50.000 Euro, wenn man in Naturschutzgebieten oder in der Kernzone des Nationalparks wild campiert. "Wenn nicht von Vorsatz, sondern von Fahrlässigkeit ausgegangen werden kann, halbiert sich der maximal mögliche Bußgeldsatz", sagt Umweltreferent Burkhard Beyer.

Gibt es in Sachsen erlaubte Ausnahmen fürs Wildcamping?

  • Ja, vereinzelt gibt es Naturzeltplätze, z. B. den Elbwiesenzeltplatz in der Nähe des Liliensteins direkt an der Elbe bei Lilienstein/Ebenheit im Nationalpark Sächsische Schweiz.
  • Außerhalb der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz gibt es festgelegte Plätze für Kletterer. Ohne Zelt dürfen Kletterer in 58 ausgewiesenen Boofen übernachten. Hier finden Interessierte mehr Informationen. Aber: Feuermachen ist streng verboten. Jeder muss seinen Müll wieder mitnehmen, Lärm und Verunreinigungen sind untersagt. Oberste Priorität soll für jeden die Rücksicht auf Tiere und Pflanzen haben. Unvernünftige Boofer bereiten dem Nationalpark immer größere Probleme:

  • Im Elbsandsteingebirge hat der Staatsbetrieb Sachsenforst ausgewählte Forsthütten und Rastplätze als Trekkinghütten und Biwakplätze für Wanderer des Forststeigs zur Verfügung gestellt. In den Nachtlagern im Wald sind die Naturschutz- und Hygienebestimmungen wegen der Coronakrise zu beachten. Mehr Informationen finden Sie hier.
  • Es gibt Internet-Plattformen, auf denen Privatleute ihren Garten oder ihre Wiese fürs Zelten im Grünen anbieten. Gegen einen Obolus können Sie dort campen. Als Beispiel seien Anbieter wie www.campspace.com (englischsprachig) oder 1nitetent.com genannt. Das Projekt haben zwei Oberlausitzer initiiert:

Dann gehe ich zum Wildcampen eben in andere Bundesländer!

Jedes Bundesland hat eigene Naturschutz- und Waldgesetze festgelegt. Grundsätzlich gilt: Campen oder Zelten ist in der freien Natur und ganz besonders in Naturschutzgebieten überall streng verboten. Auf Privatgrund ist der Aufbau von Zelten nur mit Zustimmung des Eigentümers erlaubt. Dies gilt auch in Wäldern. Wer sich nicht sicher ist, fragt in den jeweiligen Bundesländern bei den Forstbehörden oder der Landkreisverwaltung genauer nach.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 06.07.2020 | 19:00 Uhr

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