Flaggen mit dem Logo der Fußball WM 2018 wehen vor der Basilius-Kathedrale.
Die WM in Russland wirft ihre Schatten voraus. Sportjournalist Ronny Blaschke plädiert für eine Begegnung auf Augenhöhe und wirbt für Offenheit. Bildrechte: dpa

Vor der WM "Man darf Russland mögen"

In vier Tagen beginnt in Russland die 21. Fußball-Weltmeisterschaft. 32 Teams kämpfen in 64 Spielen um die Krone des Weltfußballs. Die besondere Brisanz angesichts der weltpolitischen Lage ist ein Thema im Vorfeld des Turniers. Aber auch die Diskussion um den Charakter des Fußballs als Ware, die Ausbeutung von Minderheiten und die Frage nach dem eigenen Umgang mit all der Kritik, beschäftigt die Fans. Sportjournalist Ronny Blaschke hat mit MDR SACHSEN über diese Themen gesprochen.

Flaggen mit dem Logo der Fußball WM 2018 wehen vor der Basilius-Kathedrale.
Die WM in Russland wirft ihre Schatten voraus. Sportjournalist Ronny Blaschke plädiert für eine Begegnung auf Augenhöhe und wirbt für Offenheit. Bildrechte: dpa

Jubel, Trubel, Heiterkeit mit Bratwurst und Deutschlandtrikot? Für Sportjournalist Ronny Blaschke ist das alles erstmal kein Problem. Trotz aller Euphorie sollte der Fußballkonsument bewusster und kritischer mit dem Thema umgehen und den Fußball auch als Ware begreifen. "Zwischen Bratwurst und Bier ist es schön auf der Fanmeile. Wir können jubeln. Wenn wir dann den Preis dazu sehen, dann wird das Ganze eventuell relativiert", so Blaschke im Interview mit MDR SACHSEN. Es gehe eben nicht nur um die Probleme in Russland oder Quatar. "Unsere Trikots, unsere Bälle werden in Asien hergestellt. In der Fußballindustrie gibt es immer auch Menschen, die darunter leiden."

Adidas erwartet erneut Rekordumsatz

Die Ware "Fußball" ist ein Milliardengeschäft. Die Bilanz des Sportartikelherstellers Adidas für die WM 2104 in Brasilen belegt das: 2,1 Milliarden Euro Umsatz mit Fußballprodukten, 14 Millionen verkaufte Bälle und acht Millionen verkaufte Trikots. In diesem Jahr erwartet der Großkonzern aus Herzogenaurach einen neuen Rekordumsatz beim Verkauf von Trikots. Allein zwölf der 32 Nationalmannschaften - darunter Weltmeister Deutschland und Gastgeber Russland - spielen in Adidas-Trikots. Das sind drei mehr als 2014 in Brasilien.

Trikot der deutschen Nationalmannschaft in einem Adidas-Store in Moskau.
Der Sportausrüster Adidas erwartet in diesem Jahr einen erneuten Umsatzrekord beim Verkauf von Fußballtrikots. Bildrechte: dpa

Deutsche geben mehr für WM-Artikel aus

Einen Beleg für die Umsatzerwartung der Adidas AG liefert eine WM-Studie der Universität Stuttgart. Demnach scheint bei deutschen Fußballfans das Geld in diesem Jahr lockerer zu sitzen als noch vor vier Jahren. Rund 23 Euro gebe jeder Fan im Schnitt für WM-Artikel aus. 2014 waren es den Angaben zufolge noch rund elf Euro.

Der offizielle FIFA World Cup-Spielball 2018.
14 Millionen Fußbälle hat Adidas im Rahmen der WM 2014 in Brasilien verkauft. Der Ball für die WM in Russland trägt den Namen "Telstar18". Bildrechte: dpa

Menschenrechtsverletzungen

Neben der Kritik an den Vermarktungsstrategien hat die WM auch aus menschenrechtlicher Sicht seine Schattenseiten, betont Blaschke. "Während der Großveranstaltung wird der Sicherheitsapparat unter dem Vorwand des Sports hochgefahren. Es sind keine Demonstrationen möglich, die Pressefreiheit wird eingeschränkt." Auch die schlechten Umstände der nordkoreanischen Arbeiter beim Bau der Stadien will Blaschke nicht verschweigen. Im Vorfeld der WM mehreten sich immer wieder Berichte über die sklavenähnlichen Zustände unter denen die Nordkoreaner arbeiten müssen. Zudem sollen 90 Prozent der Löhne nicht an die Arbeiter, sondern nach Nordkorea gehen.

Von Russland etwas lernen

Dennoch freut sich Blaschke auf die WM. "Wir dürfen Russland mögen und es gleichzeitig auch kritisieren, zumindest für deren Politik. Wir sollten aber auch 143 Millionen Russen nicht auf Putin reduzieren. Es wird einen großen Austausch durch die Städtepartnerschaften geben, durch die Fanbetreuer, durch die Unternehmen und die Politik", ist er sich sicher. "Menschen lernen sich kennen. Die WM ist eine tolle Chance." Wichtig ist Blaschke auch, bei der Begegnung nicht mit dem moralischen Zeigefinger zu hantieren, sondern sich auf Augenhöhe zu begegnen. "Auch wir Europäer können von den Russen etwas lernen."

Quelle: MDR/mar/Reuters/AFP/Bloomberg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.06.2018 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2018, 16:43 Uhr

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21 Kommentare

12.06.2018 16:44 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 21

@ 19:
Wenn man die Indoktrination der 'deutsch-russischen Freundschaft' hinter sich hat, läßt man auf seinen Freund auch keinen Schatten fallen.
Das ehrt Dich!
Da kann man dann eben auch die Grenzverschiebung nach russischer Art bejubeln.

Wie gesagt:
Du hast sicherlich auch nichts dagegen, daß Sachsen "verwaltungstechnisch Russland zugeordnet wird". Die haben einige Zeit dort 'gelebt', die alt-eingesessene Bevölkerung spricht sowieso noch einigermaßen Russisch, und vielen hier ist das politische System der Bunten Republik Deutschland eher suspekt: da macht "heim ins russische Reich" durchaus Sinn!

Oder aber, man erkennt international - wie 1994 vereinbart - bestehende Grenzen an.
Aber 1994 haben sich die Russen in den Tschetschenien-Krieg geworfen... die Tschetschenen hatten offensichtlich keine Lust auf die 'russische Grenzverschiebung' und haben die Russen rausgeschmissen.

12.06.2018 15:34 Ullrich 20

@Sr.Raul
Wenn die Fakten ausgehen, werden Ereignisse einfach vermischt oder wie muss ich deine Antwort verstehen?
Russland bricht Völkerrecht, um eine rechtliche Bewertung andere Vorhänge ging es hier nicht.
Und noch einmal mein Hinweis: Deutschland macht, unterstützt von eigenen Militär eine Abstimmung in Schlesien und Pommern. Wenn das Ergebnis sagt, diese Regionen wollen zu Deutschland ist das für Leute wie dich also völlig in Ordnung?

12.06.2018 12:33 Sr.Raul 19

Jo, jo,@18 (Ullrich), im Zuge der "Kehreverhandlungen" wurde RUS auch keine NATO-Osterweiterung zugesichert. Einfach mal bei Tante Google unter "Genscher, Nato-Osterweiterung" anfragen. Aber ich glaube, zu dieser Thematik hatten wir bereits andernorts unsere unterschiedlichen Meinungen ausgetauscht. Zu "Budapester Memorandum" sind doch sicher die Vereinigten Staaten gemeint, welche u.a. einst im Irak unter vortäuschung falscher Tatsachen aktiven "Demokratieexport Made in USA" betrieben haben. Auf der Krim gab es sogar eine Volksabstimmung. Also schöne WM, bei Welcher ich auf F, BRA, E als neuen WM tippe.

12.06.2018 10:43 Ullrich 18

@Sr.Raul
"Im „Budapester Memorandum“ vom 5. Dezember 1994 verpflichteten sich im Rahmen der in Budapest stattfindenden KSZE-Konferenz Russland, Großbritannien und die Vereinigten Staaten in drei getrennten Erklärungen jeweils gegenüber der Ukraine, Kasachstan und Weißrussland, als Gegenleistung für einen Nuklearwaffenverzicht die Souveränität und die bestehenden Grenzen der Länder (Art. 1) sowie deren politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu achten (Art. 2 f.) und im Falle eines nuklearen Angriffs auf die Länder unmittelbar Maßnahmen des UN-Sicherheitsrates zu veranlassen (Art. 4)." Quelle Wikipedia Stichwort Krim.
Das ist dir schon bekannt?! Insoweit ein klassischer Völkerrechtsbruch durch Russland!

12.06.2018 06:11 Sr.Raul 17

Wer redet denn von einer Schenkung, @15 (Krause...)? Es machte im Riesenreich UdSSR rein von der geographischen Situation Sinn, die Krim verwaltungstechnisch der Ukrainischen SSR zuzuordnen. Das war von der Sache Alles. Und mal ehrlich, wäre die Krim für diverse externe Mächte aus Übersee nicht aus geopolitischer/geostrategischer Sicht interessant, kein Hahn würde nach krähen.

11.06.2018 16:44 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 16

@ 8: Niemand nimmt Dir das Recht, die Russen (oder auch Rußland) zu mögen. Das steht Dir frei!

Ich mag deren Staatsform, deren Umgang mit Oppositionellen, deren Umgang mit Dissidenten, deren Umgang mit Informationen und deren Umgang mit ihren Nachbarn nicht.

Ich habe genug von Rußland verstanden, um ihm mit 'gesunden Mißtrauen' zu begegnen.
Sicherlich wäre es schön, wenn dieses Mißtrauen nicht nötig wäre. Aber auch diese Sicht muß nicht jeder übernehmen.

Ich hatte Glück: an mir ging die Indoktrination der 'deutsch-russischen Freundschaft' vorbei.

Ich verstehe 'den Gegner' durchaus! Genau deswegen reagiere ich so, wie ich es tue.

11.06.2018 16:34 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 15

@ 10:
Also wenn ich Dir heute einen Porsche schenke, dann solltest Du davon ausgehen, daß er Dir gehört.

Und Du bist nun dafür, daß ich mir den Dir geschenkten Porsche jederzeit wiederholen kann, weil er Dir nie gehörte?

Du kannst mir schenken, was Du willst:
unter diesen Umständen kann ich das nicht annehmen! ;-)

11.06.2018 16:27 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 14

@ 7:
Sicherlich macht es Dir nichts aus, wenn ukrainisches Staatsgebiet annektiert wird.
Genauso gut könnten wir Sachsen von den Russen annektieren lassen: die Jungs kennen sich in der Gegend ja schon ganz gut aus.

Litauen, Lettland und Estland haben nicht so viel Vertrauen in Russland, weswegen die NATO ihre Truppen da im Kreis laufen läßt. Aber die Situation ist ähnlich wie in der Ukraine: ein paar angesiedelte Russen, die 'natürlich' lieber in Russland leben, aber ihre 'Heimat' nicht verlassen wollen.
Da hilft dann nur noch 'Grenzverschiebung' nach 'russischer Art': eine Abstimmung der russischen Bevölkerung mit ein paar russischen Soldaten vor den Wahllokalen - natürlich mit Maschinepistole im Anschlag.

Genau deswegen kreisen eben die NATO-Truppen dort oben: die drei Staaten benötigen keine 'russische "Wahlbeobachtung"'.

11.06.2018 12:53 Sr.Raul 13

Seit 1783, Katharina II. ! Soviel zur "Mär", @11 (erfurter76) und das sind immerhin bereits stolze 235 Jahre!

11.06.2018 11:24 Hella 12

Fahren sie nach Moskau ,sie werden sehen wir sauber die Stadt ist ,nirgends Graffiti, Höfflichkeitin den Metros usw. Die Bürger haben keine Angst um die Zukunft ihrer Enkel ! Lieber eine Kontrolle mehr als sich unsicher fühlen . Auch hier gibt es Kontrollen ,wenn ich nichts zu verbergen habe ,können sie in meine Tasche schauen .Fußballer unserer Nationalmanschaft ,die super Geld verdienen und noch Prämien bekommen ,aber sich weigern die Nationalhymne ehrlichen Herzen zu singen sollten entlassen werden.Sind es überhaupt noch Nationalmanschaften , wen überall so viele Ausländer drin spielen ? Hetzen aus der Ferne ist immer gut ,gab es nicht bei jeder WM irgend welche Skandale mit den Bauten und Gastarbeitern, natürlich D ausgenommen , bei uns ist ja alles O.k! Wer sucht der findet immer etwas!
Putin hat das Land wirtschaftlich voran gebracht und dies merkt auch die Bevölkerung.