25.03.2020 | 19:19 Uhr | Update Markt-Chaos in Sachsen wegen Corona-Verfügung

Eigentlich sind Wochenmärkte in Sachsen seit Montag wegen der Corona-Pandemie verboten. Doch die Allgemeinverfügung des Freistaates ließ offenbar Fragen offen – und Märkte öffneten weiter. Jetzt hat die Regierung Klarheit geschaffen.

Wochenmarkt Münchener Platz
Bildrechte: MDR Sachsen/Konstantin Henß

Gestern in Leipzig, heute in Dresden und in Chemnitz – Wochenmärkte öffnen für regionale Händler und Besucher und werden im Laufe des Tages von den Markt-Behörden geschlossen – obwohl sie Obst und Gemüse verkaufen und somit eigentlich der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln dienen.

Innenminister stellte klar: Wochenmärkte bleiben zu

Die Ausnahmeregelung des Freistaates gelte nicht für die Wochenmärkte, ließ Innenminister Roland Wöller bereits gestern wissen: "Klare Ansage: Wochenmärkte bleiben zu. Es sind Ansammlungen, bei denen Infektionsgefahr besteht." Die Gemeinden müssten dafür sorgen, dass Wochenmärkte geschlossen bleiben. Wenn sie das nicht durchsetzen können, "kann die Polizei helfen, sie zu schließen", erklärte Wöller.

Händler müssen Marktstände abbauen

Wochenmarkt Chemnitz
Auch in Chemnitz wurde der Markt geschlossen. Bildrechte: Harry Härtel

Doch bei den Marktämtern in Dresden und Chemnitz kam die Botschaft bis heute morgen offenbar nicht an, weshalb die Wochenmärkte dort noch einmal öffneten. Das Chaos war perfekt: Die Städte mussten die laufenden Märkte schließen, die Händler ihre Marktstände abbauen. Zur Begründung hieß es, dass auf Wochenmärkten ein Sicherheitsabstand von 1,5 Metern zwischen den Passanten nicht einzuhalten sei. Zudem würden Wochenmärkte vor allem von älteren Menschen frequentiert, die mit der Maßnahme geschützt werden sollen.

Freistaat präzisiert Allgemeinverfügung

Am Mittwoch stellte der Freistaat gegenüber den Kommunen noch einmal klar, dass die Wochenmärkte nicht unter die Ausnahmeregelung in der Allgemeinverfügung fallen. Die Stadt Dresden begrüßte, dass nun eine Rechtsunsicherheit geklärt sei, bedauerte aber die Folgen für viele Kleinbauern und Direktvermarkter. Sie seien von dem Verbot hart getroffen, da sie ihre Ware nicht mehr vor Ort anbieten könnten, erklärte Stadtsprecher Kai Schulz:

Dies ist umso bedauerlicher, als dass in den großen Lebensmittel-Ketten in der Regel Obst und Gemüse angeboten wird, welches aus Italien, Frankreich oder Spanien kommt und damit in der jetzigen Situation durch halb Europa gefahren wird.

Kai Schulz Pressesprecher der Stadt Dresden

Die Stadt wolle nun nach nach Möglichkeiten suchen, die betroffenen Direktvermarkter zu unterstützen.

Bauern und Handwerk kritisieren Schließung der Wochenmärkte

Die Arbeitsgemeinschaft der bäuerlichen Landwirtschaft Mitteldeutschland und das Handwerk in Sachsen haben die verfügte Schließung der Wochenmärkte in Sachsen kritisiert. Sie leisteten einen wichtigen Beitrag zur Nahversorgung der Bevölkerung mit gesunden und regionalen Lebensmitteln und böten einen höheren Schutz vor Infektionen als Supermärkte, wenn alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden, teilten der Verband und der sächsische Handwerkstag am Mittwoch mit.

Im Gegensatz zu Supermärkten könne die Verkaufsfläche bei Wochenmärkten vergrößert und der Abstand zwischen den Kunden besser gewahrt bleiben, hieß es von den Kritikern. So könnten Märkte in Nebenstraßen ausgeweitet werden.

Verfügungs-Wirrwarr für Marktchaos verantwortlich

Die Allgemeinverfügung war in der Nacht zum Montag in Kraft getreten und sieht Regelungen vor, die über das bundesweit gültige Kontaktverbot von mehr als zwei Menschen hinausgehen. So ist im Freistaat laut Verfügung zunächst bis zum 5. April das Verlassen der eigenen Wohnung ohne "triftigen Grund" untersagt. Als triftiger Grund gelten demnach unter anderem "Versorgungswege für die Gegenstände des täglichen Bedarfs". Wochenmärkte werden nicht gesondert aufgeführt. In einer weiteren Verfügung vom 20. März, in der weitreichende Geschäftsschließungen angeordnet worden waren, waren Wochenmärkte noch als Ausnahmen aufgeführt worden. Dies wurde nun offenbar außer Kraft gesetzt.

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Quelle: MDR/kb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL| 25.03.2020 | 19:00 Uhr

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