Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
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Monitoringbericht Wölfe breiten sich in Sachsen weiter aus

Die Zahl der Wolfsrudel in Sachsen wächst. Die CDU fordert die Einschränkung des Schutzes. Der Freistaat unterstützt Nutztierhalter mit einem Modellprojekt. Ein Bericht gibt Auskunft über die aktuellen Zahlen.

Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist am 10.02.2011 ein Rudel Wölfe unterwegs.
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Der Wolf breitet sich weiter in Sachsen aus. Das teilte das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" mit. Demnach konnten 2017/2018 17 Wolfsrudel im Freistaat festgestellt werden. Das sind drei mehr als im Monitoringjahr 2016/2017. Die Zahl der Wolfspaare verringerte sich den Angaben zufolge von fünf auf vier Paare. Da die Auswertung der Genetikergebnisse nach nicht abgeschlossen ist, könne sich der Anzahl der Rudel noch verändern.

Weniger nachweisbare Wolfsangriffe als im Vorjahr

Die Zahl der nachweisbaren Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere sank ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr. Sechs Fälle dokumentiert das Kontaktbüro bis August 2018. Im Zeitraum des Vorjahres waren es zehn Übergriffe, bei denen der Wolf genetisch als Verursacher nachgewisen werden konnte. Allerdings stieg die Anzahl der Vorfälle, bei denen ein Wolfangriff nicht auszuschließen sei, stiegen von sieben auf 18 Fälle an. Auch die Gesamtzahl der getöteten Tiere, bei denen der Wolf eine Rolle spielen könnte, stieg an (siehe Tabelle).

Überblick gemeldete Schäden an Nutztieren 2018 und 2017 (Quelle: Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen", Stand 13. August 2018)
Fälle mit Wolfshintergund 2018 (Übergriffe/tote Tiere) 2017 (Übergriffe/tote Tiere)
Nachweisliche Wolfsbeteiligung (per Gentest ermittelt) 6/13 10/33
Wolf nicht auszuschließen (Hinweise auf Beutegreifer) 18/60 7/16

Ausbreitung Richtung Westen

Ilka Reinhardt vom Lupus Institut geht davon aus, dass sich die Wolfspopulation in Sachsen Richtung Süden und in den westlichen Teil des Landes ausbreiten wird. "Weitere Ausbreitung wird es vor allem außerhalb der Lausitz geben", sagte die Wolfsexpertin. Aus ihrer Sicht gibt es entgegen der Meinung einiger Kritiker in der Region östlich von Dresden keine zu hohe Dichte an Wölfen.

Wolf Oberlausitz
BI: Biehain, CUN: Cunewalde, DH: Dahlener Heide, DN: Dauban, DUE: Dübener Heide, DZ: Daubitz, GH: Gohrischheide (SN/BB), HW: Hohwald (SN / Tschechische Republik), KH: Königsbrücker Heide, KHB: Königshainer Berge, KN: Knappenrode, KO: Kollm, LH: Laußnitzer Heide, MI: Milkel, N: Neustadt, NO: Nochten, NY: Niesky, RA: Raschütz, RT: Rosenthal, SHO: Stolpen/Hohnstein Bildrechte: LUPUS

CDU fordert Einschränkung des Wolfs-Schutzes

Die CDU in Sachsen und Sachsen-Anhalt forderten in einer gemeinsamen Erklärung, den Schutz für Wölfe einzuschränken. Auffällige Wölfe müssten schnell geschossen werden können, sagte Sachsens CDU-Fraktionschef Frank Kupfer und forderte den Bund auf, das Wolfsmanagement länderübergreifend an die aktuelle Situation anpassen.

In der Erklärung sprechen sich die Unionsfraktionen auch dafür aus, Weidetierhalter "unverzüglich und unbürokratisch von bisher entstandenen und künftigen Kosten im Zusammenhang mit der Ausbreitung des Wolfes freizustellen".

Modellprojekt zum Schutz der Herden

Um Herden besser schützen können, hat der Freistaat im Juli ein einjähriges Modellprojekt ins Leben gerufen. Das Vorhaben richtet sich an Schaf- und Ziegenhalter, die ihre Tiere mit sogenannten elektrischen Festzäunen schützen, erklärte der Herdenschutzbeauftragte André Klingenberg. Der Freistaat fördert die Schutzmaßnahmen mit 80 Prozent der Nettokosten. "Der Staat kann Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Ich möchte aber auch an die Eigenverantwortung der Tierhalter appellieren, dass sie den Mindestschutz einhalten", so Klingenberg.

Monitoringjahr: Die Bestandserfassung erfolgt innerhalb des Monitoringjahres. Dies entspricht einem Wolfsjahr, welches am 1. Mai beginnt (Geburt der Welpen) und am 30. April des darauffolgenden Jahres endet.

Quelle: MDR/mar/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 14.08.2018 | 19:00 Uhr
MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.08.2018 | ab 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Bautzen

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Zuletzt aktualisiert: 15. August 2018, 13:37 Uhr

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