Rückblick Hochwasseralarm in Sachsen im August 2010

Erst war es lange heiß und trocken, dann stürzten Regenmassen im August 2010 nieder. Die Pegel der Flüsse stiegen rasend schnell, Hunderte mussten aus ihren Häusern gerettet werden: In den Hochwassergebieten in Sachsen war vor zehn Jahren die Lage dramatisch. MDR SACHSEN blickt auf die Tage in Chemnitz, in den Mittelgebirgen und in der Oberlausitz zurück.

Hochwasser August 2010 an drer Neiße bei Hagenwerder in Sachsen: Feldern und Wiesen sind überspült.   Agenturtext dpa: Nahe dem sächsischen Hagenwerder südlich von Görlitz sind am Montag (09.08.2010) die Auen der Neiße überflutet. Foto: Matthias Hiekel dpa/lsn
Die Luftaufname über Hagenwerder südlich von Görlitz zeigt die Ausbreitung der Neiße am 9. August 2010. Bildrechte: dpa

In der Lausitz, in der Sächsischen Schweiz und im Erzgebirge sind im August 2010 tausende Menschen von Hochwasser überrascht worden. Keine acht Jahre nach den verheerenden Fluten von 2002 hieß es in Sachsen ab 7. August 2010 wieder: Land unter! Erneut standen Innenstädte, Dörfer und Felder kilometerweit unter Wasser, wurden Schienen und Straßen weggespült, Häuser zerstört und Betriebe überschwemmt. Straßen und die Autobahn 72 mussten zeitweise gesperrt werden. Der Bahnverkehr in Richtung Tschechien und Polen wurde teilweise ausgesetzt. Mehr als 11.000 Sachsen saßen ohne Strom zu Hause.

Dramatische Ausmaße Das Augusthochwasser 2010 - Überschwemmungen und Schäden

Hochwasser an der Autobahn: Einsatzkräfte der Autobahnmeisterei Chemnitz kontrollieren am Samstag (07.08.2010) den überschwemmten Bereich auf der Autobahn 72 zwischen Chemnitz und Stollberg. Nach starken Regenfällen in der Nacht sind in Sachsen zahlreiche Straßen nicht mehr befahrbar. Vor allem im Raum Chemnitz und im Erzgebirge gibt es Behinderungen. Die Autobahn 72 musste zwischen Chemnitz-Süd und Stollberg-Nord wegen Überflutung gesperrt werden. Foto: Hendrik Schmidt dpa/lsn
Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Chemnitz kontrollieren am 7. August 2010 einen überschwemmten Bereich der der Autobahn 72 zwischen Chemnitz und Stollberg. Nach starkem Regen in der vorangegangenen Nacht ist die Autobahn teilweise nicht mehr befahrbar. Bildrechte: dpa
Hochwasser an der Autobahn: Einsatzkräfte der Autobahnmeisterei Chemnitz kontrollieren am Samstag (07.08.2010) den überschwemmten Bereich auf der Autobahn 72 zwischen Chemnitz und Stollberg. Nach starken Regenfällen in der Nacht sind in Sachsen zahlreiche Straßen nicht mehr befahrbar. Vor allem im Raum Chemnitz und im Erzgebirge gibt es Behinderungen. Die Autobahn 72 musste zwischen Chemnitz-Süd und Stollberg-Nord wegen Überflutung gesperrt werden. Foto: Hendrik Schmidt dpa/lsn
Mitarbeiter der Autobahnmeisterei Chemnitz kontrollieren am 7. August 2010 einen überschwemmten Bereich der der Autobahn 72 zwischen Chemnitz und Stollberg. Nach starkem Regen in der vorangegangenen Nacht ist die Autobahn teilweise nicht mehr befahrbar. Bildrechte: dpa
Ein Mann watet am Samstag (07.08.2010) durch das Wasser der Neiße auf einer Straße im ostsächsischen Zittau. Mit über vier Metern zeigt der Pegel nach den reichlichen Niederschlägen den fünffachen Normalwert.
Ein Mann watet am 7. August 2010 durch das knietiefe Wasser der Neiße auf einer Straße in Zittau. Mit mehr als vier Metern zeigt der Pegel nach den starken Niederschlägen den fünffachen Normalwert. Bildrechte: dpa
Blick auf den gebrochenen Staudamm am Witka-See in Niedow im südwestpolnischen Grenzgebiet zu Deutschland, aufgenommen am Montag (09.08.2010). Dies war neben den starken Regenfällen eine der Ursachen für die Flut. Durch den Riss waren am Samstagabend (07.08.2010) fünf Millionen Kubikmeter Wasser ausgeflossen. Die Flutwelle auf der Neiße von mehr als sieben Metern Höhe bedrohte anschließend Zgorzelec und überflutete mehrere kleinere Ortschaften. Foto: Matthias Hiekel/lsn
Der Staudamm am Witka-See in Niedow im südwestpolnischen Grenzgebiet zu Deutschland. Am 7. August 2010 sind dort durch einen Riss Wassermassen entwichen. Die fünf Millionen Kubikmeter Wasser waren neben Starkregen ein Grund für die Flutwelle der Neiße. Das Foto zeigt den polnischen Staudamm zwei Tage später am 9. August 2010. Bildrechte: dpa
Eine Frau läuft am Sonntag (08.08.2010) durch das vom Neiße-Hochwasser überflutete Dorf Ostritz im Landkreis Görlitz. Nach starken Regenfällen hat sich die Hochwassersituation an der Grenze zu Polen in der Nacht zum Sonntag weiter zugespitzt. Die Neiße im sächsischen Görlitz stieg dramatisch an. Binnen drei Stunden schwoll der Fluss um 4 Meter an. Die gefährdeten Wohngebiete wurden evakuiert. Wie viele Menschen entlang der Neiße ihre Häuser verlassen mussten, konnte die Polizei noch nicht sagen. Nach Mitternacht stagnierte der Neißepegel in Görlitz bei knapp 7 Meter, normal sind im Jahresmittel 1,70 Meter.
Eine Frau läuft am 8. August 2010 durch das vom Neiße-Hochwasser überflutete Ostritz im Landkreis Görlitz. Nach starkem Regen und dem Dammbruch in Polen hat sich die Lage an der Grenze zu Polen in der Nacht zum 8. August weiter zugespitzt. Die Neiße in Görlitz stieg innerhalb weniger Stunden um dramatische vier Meter an. Bildrechte: dpa
Höfe und Wälder versinken im Hochwasser 2010: Vom Wasser der Neiße überflutet sind am Montag (09.08.2010) Häuser nahe dem sächsischen Bad Muskau. Das verheerende Hochwasser bahnt sich seinen Weg von Sachsen in Richtung Brandenburg. In Bad Muskau müssen die Menschen weiter vor em Höhepunkt der Welle zittern, anderswo im Katastrophengebiet gehen die Pegelstände dagegen langsam zurück.
Höfe, Wälder und die UNESCO-Weltkulturerbe-Stätte Fürst-Pückler Park in Bad Muskau versinken im Hochwasser der Neiße. Tagelang warten die Betroffenen auf den Scheitel der Flutwelle. Bildrechte: dpa
Eine Frau mit Kind und ein Mann waten im Hochwasser, Text dpa dazu: egen in Sachsen Mediennummer:19951330Beschreibung: Eine Frau trägt ihr Kind am Samstag (07.08.2010) auf dem Rücken durch den überschwemmten Hof im Chemnitzer Ortsteil Harthau. Nach starken Regenfällen in der Nacht sind in Sachsen zahlreiche Straßen nicht mehr befahrbar und Häuser überschwemmt. In der Region Chemnitz zieht sich das Wasser allmählich zurück. Foto: Hendrik Schmidt dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
Eine Frau trägt ihre Tochter am Sonnabend, 7. August auf dem Rücken durch den überschwemmten Hof im Chemnitzer Ortsteil Harthau. Die Anwohner an der Würschnitz hatten keine Zeit, sich auf Hochwasser vorzubereiten. Bildrechte: dpa
Hochwasser August 2010 an drer Neiße bei Hagenwerder in Sachsen: Feldern und Wiesen sind überspült.   Agenturtext dpa: Nahe dem sächsischen Hagenwerder südlich von Görlitz sind am Montag (09.08.2010) die Auen der Neiße überflutet. Foto: Matthias Hiekel dpa/lsn
Bei Hagenwerder südlich von Görlitz: die Auen der Lausitzer Neiße sind überflutet. Bildrechte: dpa
Kühe stehen auf einer kleinen Anhöhe einer Weide umringt vom Hochwasser 2010 an der Großen Röder.  Text dpa: Zuflucht auf der einzigen Erhöhung ihrer Weide haben diese Kühe bei Wildenhain, einem Ortsteil von Großenhain gefunden. Das Hochwasser der Großen Röder hat sie von allen Seiten eingeschlossen. Die Tiere werden mit Futter versorgt, so dass sie ausharren können, bis der Pegel der Röder wieder fällt. Foto: SZ/Ronald Bonß
In Wildenhain bei Großenhain haben Kühe Zuflucht auf einer kleinen Anhöhe einer Weide gefunden. Die Wassermassen der sonst nur knietiefen Großen Röder haben das Land ringsum überspült. Die vom Hochwasser eingeschlossenen Tiere werden mit Futter versorgt und harren aus, bis der Pegel sinkt. Bildrechte: dpa
Ein zerstörte Mühle nach dem Hochwasser 2010 im Kirnitzschtal.  Die zerstörte Haidemühle im Kirnitzschtal nahe des sächsischen Bad Schandau, aufgenommen am 11.08.2010. dpa-Foto: Arno Burgi
Wenige Tage nach dem Unwetter und sind im Kirnitzschtal die Zerstörungen zu sehen. Hier die zerstörte Haidemühle Bad Schandau, aufgenommen am 11. August 2010. Das Kirnitzschtal und die Innenstadt von Sebnitz sind unpassierbar. In Königstein gibt es einen Erdrutsch. 19 Menschen müssen aus drei Häusern gerettet werden. Bildrechte: dpa
Arbeiter bei Bombadier  räumen auf nach dem Hochwasser im August 2010.   agenturtext dpa: Bombardier Mitarbeiter und Fremdkräfte reinigen am Donnerstag (19.08.2010) mit Dampfstrahlern und Besen in einer Werkhalle im Bombardier-Werk in Bautzen das Untergestell einer Straßenbahn. Am 07. August 2010 war das Werk von der nahegelegenen Spree überflutet worden. Bereits am darauf folgenden Tag wurden die Aufräum- und Reparaturarbeiten begonnen, um sobald wie möglich wieder den regulären Betrieb aufnehmen zu können. Foto: Arno Burgi dpa/lsn
Mit Dampfstrahlern und Besen reinigen Mitarbeiter eine Werkhalle im Bombardier-Werk in Bautzen und das Untergestell einer Straßenbahn. Das Gelände war am 7. August 2010 von der Spree überflutet worden. Bildrechte: dpa
Ein vom Hochwasser der Neiße im August 2010 zerstörtes Gleisbett.  Dpa-Text dazu: Beschreibung:Vor der Landeskrone (im Hintergrund) der ostsächsischen Stadt Görlitz ist am Donnerstag (12.08.2010) die durch das Hochwasser der Neiße zerstörte Eisenbahnlinie zwischen Görlitz und Zittau zu sehen. Der Eisenbahnverkehr auf dieser Strecke musste nach der Flut der Neiße eingestellt werden. Seit dem 10.08.2010 ist ein Schienenersatzverkehr zwischen beiden Städten eingerichtet worden. In den kommenden Tagen sollen hier die ersten Instandsetzungsarbeiten beginnen. Foto: Jens Trenkler dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
Hier fährt kein Zug mehr: Vor der Landeskrone (im Hintergrund) bei Görlitz liegen von der Neiße unterspülte und zerstörte Gleise der Eisenbahnlinie Görlitz und Zittau. Bildrechte: dpa
Alle (11) Bilder anzeigen

Katastrophenalarm und Todesopfer

Eine Frau mit Kind und ein Mann waten im Hochwasser, Text dpa dazu: egen in Sachsen Mediennummer:19951330Beschreibung: Eine Frau trägt ihr Kind am Samstag (07.08.2010) auf dem Rücken durch den überschwemmten Hof im Chemnitzer Ortsteil Harthau. Nach starken Regenfällen in der Nacht sind in Sachsen zahlreiche Straßen nicht mehr befahrbar und Häuser überschwemmt. In der Region Chemnitz zieht sich das Wasser allmählich zurück. Foto: Hendrik Schmidt dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++
Eine Mutter trägt ihre Tochter am 7. August 2010 auf dem Rücken durch den überschwemmten Hof im Chemnitzer Ortsteil Harthau. Bildrechte: dpa

Mehrere Landkreise hatten den Katastraphonalarm ausgerufen. In den betroffenen Gebieten war der Zutritt verboten. Laut sächsischem Innenministerium starben vier Menschen in unmittelbarer Folge des Hochwassers. Drei ältere Menschen ertranken in Neukirchen bei Chemnitz beim Versuch, Gegenstände aus ihrem überfluteten Keller zu retten, ein Mann ertrank in der Lausitzer Neiße und wurde erst Monate später gefunden. Medien berichteten zudem, das auch ein Mann bei Hochwasser-Aufräumarbeiten auf seinem Grundstück starb.

Jenseits der sächsischen Grenze starben ebenfalls Menschen in den Fluten. In Tschechien verletzte sich ein Feuerwehrmann tödlich bei Rettungsarbeiten, drei weitere Menschen starben. In Polen gab es fünf Todesopfer.

Mehr als 800 Millionen Euro Schaden

Dem Hochwasser im August 2010 folgte im September eine zweites Hochwasserereignis. Bei beiden Hochwassern mussten mehr als 2.000 Anwohner ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Die meisten Evakuierungen fanden im Bereich der Lausitzer Neiße statt. Den Gesamtschaden durch beide Fluten 2010 bezifferte der Hochwasserstab im sächsischen Innenministeriums später auf etwa 849 Millionen Euro. So setzten sich die Schäden zusammen:

  • In Firmen waren mehr als 200 Millionen Euro Schaden gemeldet worden.
  • Bei Straßen, Brücken und im Öffentlichen Nahverkehr mussten Schäden in Höhe von 162 Millionen Euro beseitigt werden.
  • Die Zerstörungen und Schäden an Wohngebäuden beliefen sich auf rund 155 Millionen Euro.
  • Neben den direkten Hochhwasserschäden gab es als Folge der starken Regenfälle zudem Murenabgänge, Erd- und Hangrutsche in der Sächsischen Schweiz sowie Böschungsrutsche bei Leipzig, im Muldental und in Nordsachsen.

Hochwasserkarte Sachsen August 2010
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Als Bächlein zu Strömen anschwollen

Durch die Berichterstattung über die Hochwasserereignisse in Sachsen wurden bundesweit Flüsse bekannt, die überregional sonst kaum im Blickpunkt standen: die Mandau, Große Röder, Kirnitzsch, Würschnitz, Schwarze Elster und Löbauer Wasser. An allen Hochwasser führenden Flüssen wie Neiße und Schwarze Elster und Nebenflüssen der Elbe entstanden vor zehn Jahren millionenteure Schäden an Böschungen, Brücken und Deichen. Der Freistaat, die betroffenen Landkreise, Kommunen und Privatleute waren jahrelang mit der Schadensbeseitigung beschäftigt.

Innerhalb von sechs Monaten kam es 2010 und 2011 im Freistaat Sachsen zu einer Serie von Hochwasserereignissen mit teilweise extremen Ausmaßen, so wie auch im Juni 2013.

Hans-Ulrich Sieber Geschäftsführer Landestalsperrenverwaltung in der Ereignisanalyse

Nach den Wasserfluten im August und September 2010 stiegen die Pegel Anfang 2011 und 2013 wieder extrem an. Eine ausführliche Analyse der Ereignisse vor zehn Jahren, alle Schäden und Konsequenzen für Sachsen finden Sie in der Ereignisanalyse des Freistaats.

Quelle: MDR/kk

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 07.08.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen