Schladitzer See
Der Schladitzer See im bergbausanierten Leipziger Neuseenland. Bildrechte: LMBV/Peter Radtke

20 Jahre LMBV Bergbausanierung in Ostdeutschland - noch viel zu tun

32 Tagebaubereiche, 200 Tagebaurestlöcher, Teerseen, fast 50 Kohle-Veredlungsanlagen und 42 veraltete Industriekraftwerke: So sah ein Teil des Erbes aus, das die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) Ende August 1995 mit ihrer Gründung übernahm. Seit dieser Zeit flossen rund 10 Milliarden Euro in Abriss, Renaturierung und Sanierung teils vergifteter Areale.

von Rico Herkner

Schladitzer See
Der Schladitzer See im bergbausanierten Leipziger Neuseenland. Bildrechte: LMBV/Peter Radtke

Durch die Tätigkeit der LMBV entwickelte sich aus Tagebaurestlöchern das Leipziger Neuseenland. Fremdenverkehrsfachleute berichten von einem regelrechten Ansturm auf frühere Tagebaue wie den heutigen Cospudener See. Während die Gestaltung der Bergbaulandschaften rund um Leipzig und Halle weit fortgeschritten sind, sind die Aufgaben der LMBV in der Lausitz noch gewaltig.

War zunächst ein Sanierungsabschluss bis etwa 2020 geplant - so werden die Hinterlassenschaften der DDR-Braunkohlewirtschaft nach neuesten Erkenntnissen noch jahrzehntelang für Arbeit sorgen. Grund dafür sind Ereignisse, die so nicht vorhersehbar waren, wie LMBV-Ingenieure berichten. Die Rutschung im Spreetaler Feld im Oktober 2010 gilt als eine dieser wichtigen Wegmarken. Damals verflüssigte sich der Sandboden unter der Last mehrerer Lastwagen. Einer der Fahrer musste aus den Schlammmassen per Hubschrauber gerettet werden.

Druck auf die LMBV

Seit dieser Zeit sind große Gebiete in der Lausitz wegen möglicher Rutschungsgefahren vorsichtshalber gesperrt worden. Auch der seit 1953 zur Erholung genutzte Knappensee bei Hoyerswerda gehört zu diesem Gefahrengebiet. Viele Anrainer mussten daher ihre Wochenendhäuser verlassen. Nun wird saniert - doch das dauert den Anrainern zu lang. Sie schlossen sich im Verein "Knappensee-Rebellen" zusammen und üben Druck aus, um die Sanierungsarbeiten zu beschleunigen.

Druck verspürt die LMBV aber auch aus Richtung Berlin. Das Trinkwasser der Hauptstadt sei durch die Verockerung der Spree in Gefahr, so heißt es. Auch der Spreewald ächzt unter der Eisenlast der Spree. Die Hauptquelle des Problems liegt in alten DDR-Tagebauen in Sachsen. Anrainer warfen dem Freistaat viele Jahre lang vor, das Problem zu ignorieren. Denn Sachsen muss in den kommenden Jahrzehnten viele Millionen Euro investieren, um die Verockerung Richtung Brandenburg und Berlin zu minimieren. Erst durch den persönlichen Kontakt der beiden aus der Lausitz kommenden Ministerpräsidenten Tillich und Woidke kam Bewegung in die Sache. Inzwischen bemühen sich beide Länderchefs für eine dauerhafte Sanierung der Spree. Eine Aufgabe, die aus Expertensicht mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen dürfte. Denn auch in den kommenden Jahrzehnten werden viele Millionen Tonnen Eisenhydroxid aus dem Kippenboden alter DDR-Tagebaue gespült.

Sachsen und Brandenburg arbeiten zusammen

Wasserregulierung, Verockerung, Standsicherheit von Uferbereichen: Nur einige Probleme, die in der Lausitz in den kommenden Jahrzehnten zu lösen sind. Sachsen und Brandenburg fordern darum weitere Milliarden vom Bund, um die Natur in der Region wiederherzustellen. Doch die Bundesregierung vermeidet konkrete Zusagen, wenn es um Sanierungsprojekte für die Zeit nach 2017 geht. Zunächst sollte geprüft werden, was notwendig sei. Anschließend müssten sich Bund und Länder einigen, wer welche Summen an Steuermitteln zur Sanierung beiträgt. So die Sicht von Jens Spahn (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hält den Streit ums Geld für normal. Doch er sei zuversichtlich, so meint er, dass das Finanzierungsproblem gelöst werde. Ganz ähnlich die Sicht von Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD). Man werde sich einigen, so sagt er. Am Ende müssten für die Zeit zwischen 2018 und 2023 rund 1,4 Milliarden Euro zur Sanierung bereitstehen, meint der Kabinettschef in Potsdam.

Zukunftsvision vom Technologiekonzern

In den vergangenen drei Jahren stellte die LMBV rund 300 neue Mitarbeiter ein: Hydrologen, Geowissenschaftler, Bergbautechnologen. Inzwischen zählt das bundeseigene Sanierungsunternehmen rund 900 Beschäftigte. Dessen Know-How wird weltweit nachgefragt. Doch eine Vermarktungsstrategie gibt es bislang nicht, weil sich das Tätigkeitsfeld der LMBV hauptsächlich in der Lausitz und in Mitteldeutschland befindet.

Die Idee der beiden Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg ist es darum, das Lausitzer Sanierungswissen künftig weltweit vom brandenburgischen Senftenberg aus zu vermarkten. Vorteil: Dies spielt Geld für Renaturierungs-Aufgaben in der Lausitz ein. Außerdem könnte die LMBV somit zu einem Technologiekonzern geformt werden, so die kühne Vision. Ein Konzern, der weltweit verseuchte Industrie- und Bergbauflächen in Biotope verwandelt.

Zuletzt aktualisiert: 04. September 2015, 23:51 Uhr

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1 Kommentar

06.09.2015 16:11 LSL-Fan 1

Tolle Leistung in kurzer Zeit! Wer die Mondlandschaft der Lausitz noch kennt, die der Bergbau hinterlassen hat und heute das „Lausitzer Seenland“ (LSL) mit inzwischen 20 Seenflächen, den Schleusen und Kanälen und dazu die unzähligen Radrundwege sieht, ist einfach baff! Dazu kommen inzwischen Hafenanlagen, Restaurants und Unterkünfte sowie verschiedene Attraktionen, von der F 60 bis zur neuen (!) Burg in Mortka. Vieles ist erst in den letzten Jahren entstanden. Man kann nur hoffen, dass jetzt alles getan und nichts dem Selbstlauf überlassen wird, um daraus eine tolle, vielleicht einmalige Region zu machen. Urlauber, Touristen und überhaupt Seenlandinteressierte, inzwischen aus halb Europa aber auch wir hier, sind interessiert, engagiert und warten deshalb darauf.

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