Ein Flüchtling arbeitet an einem Werkstück
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Arbeit als Integrationsmotor Mentoren helfen Flüchtlingen im Job

Das sächsische Wirtschaftsministerium hat am Montag eine erste Zwischenbilanz seines landesweiten Förderprogramms "Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete" vorgestellt. Mit dem im Oktober 2016 ins Leben gerufenen Modellprojekt sollen Flüchtlinge möglichst rasch und nachhaltig eine Ausbildung oder Beschäftigung bekommen.

Ein Flüchtling arbeitet an einem Werkstück
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Mit Hilfe von sogenannten Arbeitsmarktmentoren sind in Sachsen bisher 282 Geflüchtete in Beschäftigung gebracht worden, 122 weitere haben eine Berufsausbildung aufgenommen. Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurde bisher mit 1.358 Flüchtlingen eine Integrationsvereinbarung geschlossen. In einer solchen Vereinbarung werden die Schritte auf dem Weg zum Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz festgelegt. Hier geht es beispielsweise um die Teilnahme an Sprachkurse oder Qualifizierungsmaßnahmen.

Flüchtlinge nehmen im Mehrgenerationenhaus Pusteblume in Halle an einem Deutschkurs teil
Für viele Arbeitsmarktexperten ist der Spracherwerb der Schlüssel zum Erfolg. Bildrechte: dpa

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig sagte bei der Vorstellung der Zahlen: "Vielen Geflüchteten fehlt das Wissen, sich in der deutschen Arbeitswelt zurechtzufinden. Auch sächsischen Arbeitgebern stellen sich im Zusammenhang mit der Ausbildung oder Beschäftigung von Geflüchteten viele Fragen." Diese Fragen zu beantworten, sei Aufgabe der Arbeitsmarktmentoren, von denen sachsenweit sind 48 im Einsatz sind.

Vom Flüchtling zum Pflegehelfer

Beim Besuch eines Dresdner Seniorenzentrum schaute sich Dulig an, wie das Programm in der Praxis funktioniert. In dem Pflegezentrum arbeiten derzeit drei Pflegehelfer aus dem Irak, Syrien und Afghanistan. Sie haben wie alle 34 Lehrlinge in der Pflegeeinrichtung einen festen Mentor, der sie während der dreijährigen Ausbildung unterstützt.

Ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ist der Schlüssel zur gelungenen Integration.

Martin Dulig Wirtschaftsminister Sachsen

Neben der finanziellen Unabhängigkeit wachse auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, sagte Dulig. Gerade der Pflegebranche fehle Personal. Geflüchtete könnten eine echte Chance sein.

Jeder Dritte ohne Schulabschluss

Die Integration von Flüchtlingen gestaltet sich vor allem wegen der oftmals geringen Qualifikation schwierig. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung haben 61 Prozent einen Schulabschluss. Nach Angaben des BAMF von Ende 2016 waren 15 von Hundert Geflüchteten Analphabeten. Etwa ein Drittel der Flüchtlinge ist lateinisch alphabetisiert. Etwa die Hälfte beherrscht das lateinische Alphabet als Zweitschriftsprache.

In Sachsen sind nach Angaben des Wirtschaftsministeriums etwa 17.000 Flüchtlinge arbeitssuchend gemeldet. Knapp 7.000 davon sind arbeitslos. Das Modellprogramm "Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete" ist auf drei Jahre angelegt und kostet insgesamt 9,8 Millionen Euro.

Modellprogramm "Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete"

Zielgruppen sind Geflüchtete

  • - mit guter individueller Bleibeperspektive  
  • - mit zumindest nachrangigem Arbeitsmarktzugang  
  • - relativ arbeitsmarktnah  
  • - bereits in sächsischen Kommunen untergebracht  
  • - besonderes Augenmerk auf Integration von Frauen  
  • - Arbeitgeber, die Geflüchtete ausbilden bzw. beschäftigen 

Fördergegenstand  
  • - im Mittelpunkt der AMM-Projekte stehen Mentoren, die Geflüchtete und deren Arbeitgeber/Ausbildungsbetriebe bei der betrieblichen Integration begleiten und unterstützen  
  • - Mentoren sollen prioritär auf bestehende Instrumente (z. B. Qualifizierungen oder Sprachkurse) zurückgreifen und in diese vermitteln

Umfang  
  • - Förderzeitraum: Oktober 2016 bis Ende 2019 (Fortführung geplant)  
  • - 14 AMM-Projekte (ein Projekt je Landkreis/Kreisfreier Stadt; in Mittelsachsen zwei, regional voneinander abgegrenzte Projekte)  
  • - insgesamt 48 Mentoren  

Quelle: MDR/mwa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.03.2018 | 13:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2018, 10:50 Uhr

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34 Kommentare

21.03.2018 15:35 sh 34

@mare nostrum, über gesetzliche Grundlagen zu reden, ist Holz in den Busch geschafft, fast Alle kamen aus sicheren Drittstaaten, also Thema abgehakt und da reden wir über Gesetze und nicht über Eingebungen, die Politiker hatten. Zum anderen Thema, es kamen Vertriebene und Flüchtlinge aus unserem Kulturkreis, mit meist der deutschen Sprache, was die Sache erheblich vereinfacht, auch wenn es für diese Menschen sicher keine Freude war. Stellen Sie sich nur einmal die Frage, warum gehen die sogenannten Flüchtlinge nicht in die islamische Welt, dort würden Sie ihre Kultur ausleben können. Hier ist Europa, da gibt es andere Regeln und Gewohnheiten. Nicht umsonst gibt es ja verschiedene Kontinente. Und das die Anpassung an unsere Kultur nicht gelingt, ist täglich festzustellen. Weder Bildung noch Ausbildung können auch nur annähernd mithalten und damit ist auf Dauer kein Zusammenleben möglich.

21.03.2018 13:36 mare nostrum 33

@ 30

Ich widerlege Ihre Aussagen wie folgt:

Zwischen 1939 und 1950 fand eine Völkerwanderung statt, die etwa 25 bis 30 Millionen Menschen erfasste und nicht nur aus Flüchtlingen und Vertriebenen bestand. Zehntausende Kinder kehrten aus der Kinderlandverschickung zurück, Hunderttausende ehemals Evakuierter kamen nach Hause.

Mehr als 17 Millionen Deutsche lebten vor Kriegsende auf dem heutigen Gebiet von Polen, den baltischen Staaten, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Jugoslawien und Rumänien.

Gut zwei Millionen Deutsche verließen ihre von der Roten Armee eroberte Heimat nicht und waren in der Folge erheblichen Repressalien ausgesetzt. Mehrere Hunderttausende von ihnen mussten nun ihrerseits Zwangsarbeit leisten, viele wurden in KZ-ähnlichen Lagern inhaftiert.

21.03.2018 13:34 mare nostrum 32

Die gewaltigen Flüchtlingsmassen mussten innerhalb der vier Besatzungszonen verteilt und integriert werden. Mit gut 3,3 Millionen Menschen kam der größte Anteil deutscher Flüchtlinge und Vertriebener aus Schlesien, gefolgt von 2,9 Millionen Sudetendeutschen aus der Tchechoslowakei, zwei Millionen Ostpreußen und über zwei Millionen Deutschen aus der Kurmark, Brandenburg und Pommern.

Die Integration hatte also im großen Maßstab Bevölkerungsverschiebungen zur Folge. Regionen wie Mecklenburg verdoppelten ihre Einwohnerzahl auf einen Schlag. In der Bundesrepublik waren es in erster Linie Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein, die überproportional viele Menschen integrieren mussten.

21.03.2018 13:22 mare nostrum 31

@ 30

1. Sie wissen schon, wie es um die gesetzliche Grundlage für Asylbewerber und Flüchtlinge heute aussieht?!?
"So einfach ist das, man muss nur einmal realistisch an die Sache ran gehen."

2. Bis zu 14 Millionen Menschen mussten ab 1945 ihre Heimat in Ost- und Ostmitteleuropa verlassen – die nun polnischen Gebiete jenseits von Oder und Neiße, Ostpreußen und die kulturell gemischten Randgebiete von Böhmen und Mähren, nun Teil der Tschechoslowakei, außerdem Ungarn, Jugoslawien und Rumänien. Es war die größte Völkerwanderung seit der Antike.

21.03.2018 10:27 sh 30

@29 mare nostrum, Sie können meine Zeilen interpretieren wie Sie wollen, eines sei Ihnen gesagt. Ich habe meinen Vorfahren sehr genau zugehört, wie das 1945 in der Ostzone war. Da ist keiner davon gelaufen, schon gar nicht wenn er männlich oder im besten Alter war, es sei denn er war in Gefangenschaft. Die Menschen damals haben sich nicht auf Andere verlassen, sie haben einfach angepackt und genau das erwarte ich auch von den heutigen Betroffenen, zumal ein Großteil nicht unter die Rubrik Kriegsflüchtling fällt. So einfach ist das, man muss nur einmal realistisch an die Sache ran gehen.

20.03.2018 18:17 mare nostrum 29

@ 26

Und selbst dann, wenn diese Menschen die Bundesrepublik verlassen müssten, wäre die Berufsausbildung bleibender Besitz, denn das das, was man gelernt hat, kann einem nicht genommen werden und würde im/dem Heimatland weiterhelfen.

Außerdem ist bei gewissen Stimmungsmachern stets die Rede davon, es solle vor Ort (also im Ausland) geholfen werden. Interessant, dass sich sh sogar gegen Entwicklungshilfe ausspricht.

Jaja, viele Sachsen - so isses - geben nicht gern, nicht einmal Gehhilfe ...

20.03.2018 17:36 Eulenspiegel 28

Ich denke da hat Martin Dulig recht.
„Ein Ausbildungs- oder Arbeitsplatz ist der Schlüssel zur gelungenen Integration.“Und die meisten Flüchtlinge wollen sich ja Inigrieren. Aber genau diese Integration wolle ja einige Sachsen unter allen Umständen verhindern. Diesen Hass und diesen Neid den sie ausströmen führd letztlich dazu das viele die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren sich bedroht fühlen. Das sich die Sachsen damit letztlich ins eigene Fleisch schneiden das müssen sie erst noch lernen.

20.03.2018 17:07 mare nostrum 27

@ 24

"Bürger und Berater wie Mediator einer ist , erklärt uns alles wunderbar ..."

Es ist erfreulich, dass Sie den Bedarf an Erklärung und Beratung (nicht nur bei Ihrer Person) anerkennen. Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Weiterbildung!

20.03.2018 16:24 sh 26

@23, wissen Sie was Mediator, es ist mir vollkommen egal, wie das in Bayern oder bei uns in Sachsen gehanhabt wird. Mir ist viel wichtiger, das endlich alle die, welche kein Recht haben hier zu bleiben, konsequent abgeschoben werden, dazu braucht es auch keiner Berufsausbildung. Also auf geht's.

20.03.2018 15:16 Fragender Rentner 25

@Eulenspiegel zu 22

Also bist du doch wieder der Wahrheit aus dem Weg gegangen. :-(

Nach dem Motto, entschuldige bitte, dass ich auf deine richtige Antwort eine falsche Frage gestellt habe. :-)