Johannes Kimme Mammutaufgabe Vermögensrückführung

Der Jurist Johannes Kimme hat im Einigungsvertrag das Kapitel offene Vermögensfragen mitgestaltet. Später folgte der gebürtige Leipziger dem Ruf der neuen sächsischen Regierung, das Landesamt für offene Vermögensfragen aufzubauen. Eine Mammutaufgabe angesichts von 500.000 Anträgen und etwa 35.000 Widerspruchsverfahren.

Die Tage zwischen dem Mauerfall und seinem ersten Arbeitstag als Präsident des Landesamtes zur Regelung offener Vermögensfragen wird Johannes Kimme nie vergessen. Auf den Tag genau kann er die Ereignisse noch heute nachvollziehen. "Am Tag der Maueröffnung, damals war ich Richter am Verwaltungsgericht in Wiesbaden, war ich zu einer Tagung in Hannover. Als ich plötzlich hörte, dass die Mauer offen ist, war mir relativ schnell klar, dass ich beim Aufbau meiner alten Heimat Sachsen unbedingt mitmachen will." Kimme, der 1975 nach Westdeutschland ging, um das Abitur nachzuholen und Jura zu studieren, ließ sich ins Bundesjustizministerium abordnen. Da Sachsen sich recht schnell zu Partnerschaften im Verwaltungsbereich mit Bayern und Baden-Württemberg entschlossen hatte, war seine Chance, als Richter von Wiesbaden nach Sachsen zu kommen, eher gering.

Mitwirken am Einigungsvertrag

Trabis vor einem Plattenbau 2 min
Bildrechte: DDR-Museum, Berlin

Im Bundesjustizministerium, dessen Staatssekretär damals Klaus Kinkel war, wurde der gebürtige Leipziger sehnlichst erwartet. "Klaus Kinkel suchte damals jemanden in der deutschen Richterschaft, der den Osten gut kennt", erinnert sich Johannes Kimme. "Man brauchte außerdem jemanden, der bei den Verhandlungen zum Einigungsvertrag ein authentisches Gegengewicht bieten kann. Denn man wollte sich vom Ministerrat der DDR nicht allzu viel unterjubeln lassen."

Johannes Kimme kam somit im Juni 1990 ins Bundesjustizministerium, um am Einigungsvertrag mitzuwirken. Im Oktober, bei einem Treffen mit den ersten frei gewählten sächsischen Bürgermeistern und Landräten, wurde Kimme vom damaligen Chef der sächsischen Staatskanzlei, Günter Ermisch um Mitarbeit in der Landesregierung gebeten. Kimme stellte sich daraufhin Ministerpräsident Kurt Biedenkopf vor. Eigentlich mit dem Ziel, als Richter die Justiz im Freistaat mit aufzubauen. "Aber Kurt Biedenkopf sagte mir: 'Sie haben im Einigungsvertrag das schwierige Kapitel offene Vermögensfragen mitgestaltet. Das ist was ganz Neues, das muss schnell angeschoben werden und Sie werden Präsident des Landesamtes.'"

Es war eine unglaublich intensive Zeit in Bonn und es sind auch wenige, denen es vergönnt war, am Gesetzgebungsverfahren mitzuwirken. ... Ich wollte den Aufschwung für mein Heimatland auch durch Wiederherstellung des Mittelstandes. Zurückblickend kann ich sagen: ich bin zufrieden.

Johannes Kimme