Walter Lange Eine Uhrentradition wird wiederbelebt

Mit dem Ende der DDR steht die traditionsreiche Uhrenproduktion in Glashütte vor einer unsicheren Zukunft. Wie sein Urgroßvater 145 Jahre zuvor, entschließt sich Walter Lange im Jahr 1990, in einer schwierigen Umbruchzeit den Menschen neue Hoffnung zu geben. Er gründet die Uhrenmanufaktur A. Lange & Söhne und führt sie an die Weltspitze.

Mit Walter Lange ist 1990 ein Unternehmer nach Sachsen zurückgekehrt, dessen Vorfahren den Grundstein für eines der bedeutendsten Unternehmen Sachsens gelegt hatten. Walter Lange, Urenkel des Uhrenherstellers Ferdinand Adolph Lange, hatte sich eigentlich schon auf seinen Ruhestand vorbereitet, als die Mauer fiel. Er war 66 Jahre alt, als er und seine Frau sich entschieden, ins Müglitztal zurückzukehren. Sie hatten bis dahin in Pforzheim Schweizer Uhren vertrieben.

Am 7. Dezember 1990, und damit auf den Tag genau 145 Jahre nach der Gründung der Firma durch seinen Urgroßvater, ließ Walter Lange die Uhrenmachertradition wieder aufleben. Er gründete die Lange Uhren GmbH. In dem Ort, in dem er selbst das Uhrmacherhandwerk gelernt hat, in Glashütte.

Neuanfang mit 20.000 Mark

Begleitet wurde Lange damals von Günter Blümlein. Dieser war Manager beim Schweizer Uhrenhersteller IWC und Jaeger-LeCoultre und verhalf Lange mit einer Investitionshilfe von 20.000 Mark zum Neuanfang. Neben dem Kapital schaffte IWC auch moderne Maschinen für Glashütte an und wies die Mitarbeiter in die neuesten technischen Errungenschaften ein.

Doch bevor es soweit war, musste Lange einen schweren Rückschlag hinnehmen. Er war mit der Hoffnung zurückgekehrt, das Stammhaus seiner Eltern zu übernehmen. Lange und die Geschäftsleitung der GUB (Glashütter Uhrenbetriebe) waren sich schnell darüber einig, dass er das Gebäude zum 1. Juli 1991 beziehen kann. "Und dann kam ein neuer Treuhandabteilungsleiter, der die GUB abwickeln, also privatisieren sollte. Und der sagte: ‚Halt, das Stammhaus Lange ist hier das Filetstück in Glashütte. Das bekommt nur der, der die ganze GUB kauft’." Walter Lange lehnte ab, denn zu dem Zeitpunkt waren in dem Volkseigenen Betrieb noch 1.000 Mitarbeiter eingeschrieben. Lange wollte weder einen Betrieb mit so vielen Menschen aufbauen noch sie entlassen. "Dann hätte man mich mit Schimpf und Schande wieder rausgejagt."

Während andere Kinder ein Märklin-Spielzeug bekamen, so bekam ich eben einen Uhrenbaukasten von meinen Eltern geschenkt. Ähnlich machen wir es heute noch. Wenn sich junge Leute bewerben, bekommen sie einen Wecker hingelegt. Sie müssen ihn zerlegen und wieder zusammensetzen. Dabei sieht man schon, ob sie ein technisches Empfinden haben.

Walter Lange