Endspiel DDR "Die Ritter der Tafelrunde" in Dresden

Theaterleute schrieben Geschichte. Immer wieder verschoben, wurden "Die Ritter der Tafelrunde" am 12. April 1989 am Dresdner Staatsschauspiel uraufgeführt. Es spiegelte die "Wende"-Stimmung im Land wieder. Autor Christoph Hein und Regisseur Klaus Dieter Kirst erinnern sich.

Die merkwürdige Spannung des Abends traf sich mit der merkwürdigen Spannung in der Gesellschaft, erinnert sich Christoph Hein. Wie kaum ein anderes Theaterstück seiner Zeit entfalteten "Die Ritter der Tafelrunde" in der Inszenierung von Klaus Dieter Kirst eine immense politische Wirkung. Vordergründige Anspielungen auf die Zustände 1988/89 in der DDR wurden jedoch vermieden. Im Mittelpunkt stand das allgemeinmenschliche Problem des Suchens nach dem rechten Weg in einer konfliktbeladenen Zeit.

Eine Premiere mit vielen Hindernissen

"Die Menschen da draußen glauben nicht mehr an unseren Traum", sagt König Artus im Stück. Das war mehr als deutlich in jenem März 1989. Viele Wochen hatte Regisseur Klaus Dieter Kirst in Absprache mit der Theaterleitung des Staatsschauspiels Dresden an dem brisanten Stück von Christoph Hein geprobt, ohne zu wissen, ob die Aufführung zur Premiere kommen würde.

Vorgesehen war sie für den 24. März, immer wieder war der Termin verschoben worden. Ende März 1989 kamen Vertreter aus dem Ministerium für Kultur, dem Rat des Bezirkes, von SED Stadt- und Bezirksleitung, von Theater- und Schriftstellerverband, um über das Schicksal der Inszenierung zu befinden. Absetzen konnten sie das Stück schließlich nicht, denn Christoph Hein war als Autor und Schriftsteller inzwischen im Westen ebenso bekannt wie im Osten. Das Dresdner Staatsschauspiel stand zudem deutschlandweit für künstlerische Qualität. In vier Voraufführungen sollte nun getestet werden, ob es antisozialistische Reaktionen des Publikums geben wird. Es gab keine. Das Dresdner Publikum spürte die Brisanz des Stoffes und feierte die Premiere am 12. April 1989 als Sensation.

20 Jahre danach - Eine Gespräch

20 Jahre später war die Inszenierung und deren Rezeption Ausgangspunkt für eine Diskussion im FIGARO Radio-Café: In welcher Situation und vor welchen Entscheidungen standen Autor, Regisseur, Intendant und Schauspieler? Kam das Stück ohne Streichung zur Uraufführung? War die Reaktion des Publikums absehbar? War das Stück eine Vorwegnahme des Endes der DDR? Verschwanden "Die Ritter der Tafelrunde" mit dem Ende DDR von den deutschen Bühnen? Hätte das Stück angesichts der krisenhaften Situation heute nicht einmal mehr und erneut Bestand? Wie fällt er heute aus, der Blick auf die Tafelrunde?

Christoph Hein Geboren am 8. April 1944 in Schlesien, aufgewachsen in Bad Düben. Als Pfarrerssohn wird ihm in der DDR der Besuch der Erweiterten Oberschule verwehrt. Er besucht daher ein Gymnasium in West-Berlin. 1960 ziehen die Eltern nach Ost-Berlin. Nach dem Mauerbau kann Christoph Hein den Schulbesuch nicht fortsetzen und darf daher in der DDR erst mal nicht studieren. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser.

Anschließend arbeitet Christoph Hein als Dramaturg an der von Benno Besson geleiteten Ost-Berliner Volksbühne. Ab 1973 ist er dort als Hausautor fest angestellt. 1974 kommen seine ersten beiden Stücke, "Vom hungrigen Hennecke" und "Schlötel oder Was solls", zur Uraufführung. 1979 verlässt er mit Benno Besson die Volksbühne und arbeitet fortan als freier Schriftsteller.

1980 komt sein Debüt mit "Einladung zum Lever Bourgeois", 1982 erscheint die Novelle "Der fremde Freund". 1985 veröffentlicht er den Roman "Horns Ende",
1989 folgt "Der Tangospieler".

Klaus Dieter Kirst Geboren am 14. September 1940 in Meiningen, 1960-1964 Studium der Theaterwissenschaften in Leipzig, Ab 1964 Regieassistent am Staatsschauspiel Dresden, Ab 1969 Regisseur am Staatsschauspiel Dresden,
Seit 1977 Gast-Inszenierungen an verschiedenen Schauspiel-und Opernhäusern, unter anderem in Hamburg, Berlin, Wien, Wuppertal, Graz, 1978 Kunstpreis der DDR, 1987 Kunstpreis der Stadt Dresden.

Vor den "Rittern der Tafelrunde" (1989) hatte Kirst bereits Heins "Passage" (1988) auf die Bühne gebracht. "Randow", Heins erstes Stück nach der Wende, feierte 1994 in Dresden Premiere, ebenfalls in der Regie von Klaus Dieter Kirst.

Zuletzt aktualisiert: 03. Februar 2011, 19:14 Uhr