Jürgen Schneider Hochstapler mit charmanten Qualitäten

Im Jahr 2000, also sieben Jahre nach seiner spektakulären Pleite mit anschließender Flucht, veröffentlichte Dr. Utz Jürgen Schneider ein Buch mit dem Titel "Alle meine Häuser". In diesem bezeichnet er sich als ehemals "größten privaten Immobilieninvestor und größten privaten Kreditkunden der Deutschen Bank". Leipzigs ehemaliger Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube beschreibt Schneider dagegen als einen "Hochstapler mit charmanten Qualitäten". Das allerdings in der Rückschau - bis zu seinem Konkurs im April 1994 wurde der Unternehmer in der Messestadt wie kaum ein anderer ernst genommen und entsprechend hofiert.

Großeinkäufe in der City

Ein großes Aufgebot von Fotografen erwartet Jürgen Schneider am Donnerstag (22.01.1998) vor dem Gefängnis in Frankfurt. Der wegen schweren Betruges zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilte Immobilienspekulant ist zur Verbüßung seiner Reststrafe angetreten.
Pleite und ohne Toupet: Jürgen Schneider 1998 auf dem Weg ins Gefängnis Bildrechte: dpa

So hatte etwa der Hauptausschuss des Stadtrates entschieden, dass Schneiders Kaufanträge für verschiedene Grundstücke bevorzugt behandelt werden sollten. Unter anderem deshalb war es dem hessischen Unternehmer gelungen, zwischen Oktober 1990 und März 1994 in der Leipziger Innenstadt etwa 75 Liegenschaften und Parzellen zu erwerben, darunter mehrere große Gebäudekomplexe. So gehörten Schneider allein in der Hainstraße sechs Häuser, er kaufte die Mädler-Passage, den Zentralmessepalast oder Barthels Hof. Der von ihm gegründeten JUS AG gehörten mindestens 15 weitere Häuser - ebenfalls überwiegend bedeutende Bauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Lob von Stadtplanern

Dabei ging der Multimillionär alles andere als planlos vor. Er habe eine "neue Urbanisierung der Innenstädte durch Wiederbelebung ihrer Denkmalsubstanz" verfolgt, erklärte Schneider. So wollte er die traditionsreichen Leipziger Passagen fortsetzen und wiederbeleben. Und im Gegensatz zu vielen kleineren Investoren verfolgte Schneider Ideen, die weit über einzelne Haus- oder Grundstücksgrenzen hinausreichten und tief in öffentliche Planungen eingriffen. "Es war in der Tat ein sehr bemerkenswerter Vorgang, dass so jemand nicht mit dem schnöden Interesse, das schnelle Geld zu machen, gekommen war, sondern mit dem Interesse etwas für die Stadtentwicklung von Leipzig zu tun", sagt der Stadtplaner Wolfgang Kunz. Diese Absichten erkennt selbst Hinrich Lehmann-Grube an, der eine "bis heute andauernde Beliebtheit" von Jürgen Schneider auch damit erklärt, dass sich der Investor vor allem Objekten zuwandte, "die den Leipzigern besonders am Herzen lagen".

Und was sagen so die Bürger? Wenn sie sie schimpfen hören, dann sagen Sie es mir, damit wir wissen, wo wir etwas falsch machen.

Jürgen Schneider Anfang der 1990er Jahre in einem Gespräch mit seinem persönlichen Fahrer