Serie zum Arbeitsrecht bei MDR SACHSEN "Im Homeoffice gilt oft Vertrauensarbeitszeit"

In der Corona-Krise arbeiten viele Zuhause im Homeoffice. Kann ich zwischendurch Wäsche waschen? Was ist mit Überstunden? Arbeitsrechtlich gibt es einiges zu beachten. Arbeitsrechtler Silvio Lindemann fasst zusammen.

Wenn ich im Homeoffice bin, muss ich meinen Chef denn eigentlich informieren, dass ich jetzt arbeitsbereit bin?

Das hängt von den Vorgaben des Chefs ab. Wie im Büro, so ist es auch im Homeoffice, der Chef gibt die Arbeitszeit vor, d.h. die Lage der Arbeitszeit, die Dauer nicht, die Dauer der Wochenarbeitszeit ist im Arbeitsvertrag klar geregelt. Aber wann die Arbeitszeit zu erbringen ist, also die Lage der Arbeitszeit, kann der Arbeitgeber vorgeben. Er kann beispielsweise feste Arbeitszeiten vorgeben, so dass ich dann eben z.B. von 8:00 bis 12:00 Uhr arbeiten muss, ich mich auch anmelden oder die Arbeitszeit dokumentieren muss, wenn er das will. Der Arbeitgeber kann auch Vertrauensarbeitszeit zulassen. Er kann beispielsweise sagen, es ist mir egal, wann und wie du das machst, Hauptsache du erbringst deine acht Stunden am Tag und wenn du zwischendurch Wäsche wäschst, ist mir das auch egal. Das ist zulässig, das kann er machen. Der Arbeitgeber muss aber auf die Einhaltung der Pausen und Ruhezeiten achten und die Arbeitszeit erfassen.

Der Arbeitgeber kann auch Vertrauensarbeitszeit zulassen ... Hauptsache man erbringt die acht Stunden am Tag und wenn man zwischendurch Wäsche wäscht, ist das egal.

Silvio Lindemann | Rechtsanwalt

Wenn Vertrauensarbeitszeit nicht vereinbart ist, kann ich meine Arbeitszeit trotzdem frei einteilen?

Dann, wenn es keine weitere Vereinbarung gibt, d.h. es gibt auch keine Vertrauensarbeitszeit, dann ist die Arbeitszeit natürlich durchgängig zu erbringen, also wie auch normal im Büro oder im Betrieb und man darf nicht zwischendurch etwas anderes machen, z.B. Wäsche waschen, das ginge dann nicht.

Bekomme ich ein Problem, wenn mich der Chef anruft und ich gehe nicht ran oder er schreibt eine E-Mail, die ich nicht zeitnah beantworten kann?

Tatsächlich könnte das zu Problemen führen. Er würde nachfragen, was ist da gewesen, wieso bist du nicht am Arbeitsplatz. Dann muss ich mich erklären. In der Regel wird im Homeoffice Vertrauensarbeitszeit vereinbart bzw. zugelassen, weil das viel einfacher ist für alle. Wichtig ist, dass die Arbeitszeit in Summe erbracht wird, d.h. die volle Arbeitsleistung. Der Arbeitgeber kann auch die Dokumentation der Arbeitszeit dafür verlangen.

Kann der Chef zu einem nach Hause kommen und kontrollieren, was ich mache?

Silvio Lindemann
Silvio Lindemann ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und beantwortet Rechtsfragen bei MDR SACHSEN. Bildrechte: Silvio Lindemann

Nein, das geht nicht, also nicht ohne weiteres. Dafür muss es einen Grund geben. Spontane Kontrollen sind so ohne weiteres nicht zulässig. In der Regel muss man auch beim Homeoffice eine Vereinbarung treffen und dabei regeln, unter welchen Voraussetzungen Kontrollen zulässig sind, z.B. bei notwendigen Kontrollen durch Aufsichtsbehörden, Datenschutzbehörden, Berufsgenossenschaft usw. Aber ansonsten darf der Arbeitgeber nicht einfach kontrollieren kommen, das ist unzulässig.

Kann mein Chef verlangen, dass ich meinen privaten Rechner und mein privates Handy für Homeoffice nutze?

Das geht nur, wenn der Arbeitnehmer zustimmt. Das muss also vereinbart werden. Er kann nicht einseitig anordnen, dass irgendjemand seine privaten Arbeitsmittel oder sonstige private Dinge für berufliche Zwecke verwendet. Das geht nur, wenn der Arbeitnehmer einverstanden bzw. dies im Arbeitsvertrag geregelt ist. Dann müssen auch die datenschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden, d.h. der Privatrechner muss getrennt von dienstlichen Zugängen eingerichtet werden, auch die Dokumente und Dateien usw. Das sollte in einer Vereinbarung klar geregelt werden.

Darf ich meinem Chef eine Rechnung für Strom, Handy, Internet am Ende der Corona-Krise vorlegen?

Computer-Nutzer 2012 in einer Wohnung, Internetverbindung über W-Lan-Router
Die Kosten für Strom und Internet kann der Arbeitgeber vom Chef als Pauschale zurückverlangen. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Das müsste er sowieso bezahlen. Es gibt einen Aufwendungsersatzanspruch des Arbeitnehmers. Wenn Arbeitnehmer irgendwelche Kosten für den Arbeitgeber zur Durchführung seiner Arbeitsleistung haben, gibt es einen Erstattungsanspruch. Der muss natürlich nachgewiesen werden. Das ist gerade bei Stromkosten oder Internetkosten, bei denen es in der Regel Flatrates gibt, schwierig nachzuweisen. Deswegen arbeitet man hierbei mit Pauschalen oder es wird mit dem Gehalt abgegolten. Ich kenne kaum Arbeitgeber, die da Probleme machen. Es wird also in der Regel über Kostenpauschalen oder sonstige Abgeltungsregelung vom Arbeitgeber abgewickelt. Aber vom Grundsatz her hat der Arbeitnehmer tatsächlich einen Aufwendungsersatzanspruch.

Schauen wir mal auf die Überstunden - da muss der Chef ja darauf vertrauen, dass ich dann tatsächlich Überstunden gemacht habe, oder?

Das ist tatsächlich so. Er muss vertrauen. Wenn ich sage, ich habe Überstunden erbracht, dann kann er natürlich sagen, ich möchte wissen, was du da gemacht hast, von wann bis wann. Das ist auch bisher schon so. Also wenn ein Arbeitnehmer behauptet, er hat Überstunden gemacht, muss er diese im Einzelnen darlegen und beweisen, wenn der Arbeitgeber das nicht glaubt. Wenn der Chef meint, ich glaube nicht, dass du so lang da warst, muss ich es beweisen können in irgendeiner Form. Wenn mir das nicht gelingt, habe ich natürlich ein Problem und kann die behaupteten Überstunden nicht zur Abgeltung verlangen.

Quelle: MDR SACHSEN/Rechtsanwalt Silvio Lindmann/cw

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | ab 30.03.2020