Serie zum Arbeitsrecht bei MDR SACHSEN Nebenbei Geld verdienen, trotz bezahlter Freistellung - geht das?

Es gibt Arbeitgeber, die ihre Angestellten nach Hause geschickt haben, bei Zahlung des vollen Lohns oder als Kurzarbeiter. Was ist zu beachten, wenn man zusätzlich Geld verdienen möchte, zum Beispiel als Erntehelfer oder im Supermarkt? Arbeitsrechtler Silvio Lindemann erklärt uns die Rechtelage.

Kann ich bei bezahlter Freistellung nebenbei Geld verdienen?

Ja, das ist erst einmal grundsätzlich zulässig. Man kann also nebenbei arbeiten gehen und auch Geld verdienen. Eine andere Frage ist aber, ob ich das Geld dann auch voll behalten darf?

Es ist möglich, dass der Arbeitgeber, wenn er mich nach Hause schickt, die Freistellung unter Anrechnung von anderweitigem Erwerb erfolgt. Das heißt also, dann muss das, was ich nebenbei verdiene, auf mein Arbeitsentgelt beim bisherigen Arbeitgeber angerechnet werden. Dann bringt mir das nicht allzu viel. Wenn es aber nicht so ist, wenn also die Freistellung ohne Vorbehalt erfolgte, kann ich nebenbei Geld verdienen; zunächst auch grenzenlos.

Silvio Lindemann
Silvio Lindemann ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und beantwortet bei MDR SACHSEN Fragen Bildrechte: Silvio Lindemann

Eine weitere Frage ist, ob ich möglicherweise die Zustimmung des bisherigen Arbeitgebers für die Nebentätigkeit brauche. Das sehen viele Arbeitsverträge oder Betriebsvereinbarungen vor. Deswegen sollte ich, um hier nicht Probleme zu bekommen, bei meinem bisherigen Arbeitgeber, die Zustimmung zur Nebentätigkeit einholen. Konkurrenztätigkeit, d.h. die Arbeit bei einem Wettbewerber, ist grundsätzlich ausgeschlossen, es sei denn, ich habe eine ausdrückliche Zustimmung meines Arbeitgebers. Hier ist aber Vorsicht geboten, weil eine unerlaubte Konkurrenztätigkeit auch zu einer Kündigung führen kann.

Kann ich auch bei Kurzarbeit nebenbei Geld verdienen?

Ja, auch das ist zulässig. Auch während der Kurzarbeit kann ich nebenbei Geld verdienen. Durch die Gesetzesänderung zum Kurzarbeitergeld, die kürzlich in Kraft getreten ist, wird ein Nebenverdienst auf das Kurzarbeitergeld nicht angerechnet. Hier ist aber zu beachten, dass dies nur gilt, wenn die Nebentätigkeit in einem sogenannten systemrelevanten Bereich ausgeübt wird. Zu den systemrelevanten Bereichen gehören etwa die Produktion und der Groß- und Einzelhandel.

Man darf mit dem Kurzarbeitergeld und dem Nebenverdienst nicht mehr verdienen, als vorher im normalen Job. Es gibt also eine Obergrenze.

Silvio Lindemann | Rechtsanwalt

Quelle: MDR SACHSEN/Rechtsanwalt Silvio Lindmann/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | ab 30.03.2020