Mehrkosten Impfzentren in Sachsen fehlen Impfstoffe und Personal

Impfung in einem Impfzentrum
Ab dem zweiten Quartal rechnet Sachsen mit mehr Personalbedarf in den Impfzentren. Bildrechte: IMAGO / Patrick Scheiber

Es ist der dritte Bericht zur Impfsituation, den das Sozialministerium in das Kabinett einbringen will. Die erste Vorlage wurde erstellt, da waren die Impfzentren gerade zwei Tage in Betrieb. 13 Impfzentren und 30 mobile Teams, so war die Annahme, sollten 13.000 Personen in Sachsen pro Tag impfen.

Die Annahme war offensichtlich falsch. Zum einen heißt es in dem Papier, das MDR SACHSEN vorliegt und nun ins Kabinett sollte: "Aktuell wird die Impfleistung noch weitgehend durch den Impfstoffbestand limitiert. Die zur Verfügung stehenden Impfstoffe reichen nicht nur nicht aus, um genug Impfstoff für die vielen Anmeldungen zur Impfung zu haben. Auch die Kapazitäten der Impfzentren und mobilen Teams konnten bis dato noch nicht ausgelastet werden."

Ein Drittel mehr Personal nötig

Andererseits wird aber auch deutlich, dass DRK und Kassenärztliche Vereinigung (KVS) den Aufwand unterschätzt haben. Dokumentation, Aufklärung und die Betreuung gerade der älteren Personen, die derzeit geimpft werden, seien weitaus intensiver als gedacht und werde das wohl auch bei der nächsten Generation, die geimpft wird, bleiben. "Um diesen Mehraufwand zu bewältigen und die geplanten Abläufe im Impfzentrum sicherzustellen, ist ein umcirca ein Drittel erhöhter Personaleinsatz der vom DRK organisierten Mitarbeiter erforderlich. Nur so können die avisierten Kapazitäten erreicht werden."

Ziel im Sommer: 56.000 Impfungen pro Tag

Sollten die Impfstoffe im zweiten Quartal kontinuierlich geliefert werden,  könnten schlussendlich im Juni bis zu 56.000 Impfungen am Tag verteilt werden in Sachsen, heißt es. Die Strategie des Ministeriums dafür sieht vor, die Impfzentren zunächst in einem ersten Schritt länger zu öffnen - von 7 bis 22 Uhr. Zudem sollen ab März sukzessive weitere Impfstrecken ausgebaut werde von jetzt 26 auf dann 76.

Impfstoff des Herstellers Pfizer-BioNTech ist in einem Kühlschrank vom Impfzentrum der Stadt zu sehen.
Läuft alles nach Plan, soll im Juni in den Impfzentren zwischen 7 und 22 Uhr geimpft werden - bis zu 56.000 Menschen am Tag sollen einen Termin erhalten. Bildrechte: dpa

Für die Kapazitätserweiterung  seien 178 Millionen Euro zusätzlich nötig, so die Rechnung des Ministeriums. Darin enthalten sind auch Kosten für weitere Außenstellen und Impfbusse, für den Fall, dass die Kommunen für die mobilen Teams keine vollständig geeigneten Räumlichkeiten zur Verfügung stellen können.

Hohe Mehrkosten für Kassenärztliche Vereinigung

Besonders heftig schlagen die Mehrkosten für die KVS, für die Impfärzte, mit knapp 97 Millionen Euro zusätzlich zu Buche, während das DRK zusätzlich 74 Millionen benötigt, unter anderem eben auch für den Betrieb der Objekte, Sicherheitsdienste, Callcenter, Terminmanagement, Logistik. Von den insgesamt jetzt bis Juni prognostizierten Gesamtkosten in Höhe von 288 Millionen Euro entfallen 137 Millionen auf das DRK, 141 Millionen allein auf die Kassenärztliche Vereinigung, die die Impfärzte organisieren soll. Knapp zehn Millionen sind verschiedene Ausgaben, unter anderem für die Bundeswehr und Krankenhäuser. Bislang wurden bereits 110 Millionen Euro aus dem Corona-Bewältigungsfonds für die Impfungen bereitgestellt.

Eines wird aus dem Papier auch deutlich: Je früher die Hausärzte impfen dürfen, desto geringer fallen die Mehrkosten aus.

Kabinett soll am Donnerstag entscheiden

In der Koalition konnte man sich bis jetzt nicht verständigen, nun wird dem Vernehmen nach auf die Mitzeichnung im Kabinett verzichtet und das Sozialministerium bringt seine Vorlage am Mittwoch in überarbeiteter Form ein, Donnerstag soll das Kabinett über die Impfstrategie und die Kosten entscheiden.

Quelle: MDR/ud/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.02.2021 | 22:00 Uhr in den Nachrichten

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