Gänseblümchen
Bildrechte: Vanessa Duray

Herzlichen Glückwunsch Ehrentag des Unkrauts

Was Unkraut ist und was nicht, liegt immer im Auge des Betrachters, sagt Gartenbaumeisterin Helma Bartholomay. Am 28. März war Ehrentag des Unkrauts und wir wollten wissen: Hat Unkraut zu Unrecht so einen schlechten Ruf?

Gänseblümchen
Bildrechte: Vanessa Duray

MDR SACHSEN: Wie halten Sie es mit dem Unkraut im eigenen Garten?

Helma Bartholomay: Ich sage nicht gern Unkraut. Ich sage eigentlich lieber Wildkraut. Natürlich gibt es Pflanzen, die ich nicht so gerne mag, dazu gehört der Giersch. Den habe ich immer im Garten gehabt. Aber das ist auch eine Pflanze, die als Heilpflanze bekannt ist, als Tee oder auch als Salat. Viele werden sich aber schwertun, wenn der Giersch zwischen den Stauden hochkommt. Es ist nicht selten, dass manche Pflanze vom Giersch überwachsen wird und das ist eher schwierig.

Hat Unkraut nur einen schlechten Ruf - und es ist gar nicht so schlimm?

Ich würde es einteilen, in Kräuter, die uns lästig sind, wie Quecke, Hahnenfuß oder auch der Giersch und Kräuter, die man gut nutzen kann. Es schadet nicht, das eine oder andere Mal mehr zu überdenken, ob das Kraut an der Stelle unbedingt weg muss.

Welche Wildkräuter gibt es, die man nutzen kann?

Für Salat kann ich gut den Löwenzahn nutzen. Zu den Frühlingskräutern gehören zum Beispiel Scharbockskraut oder die Vogelmiere, die durchaus würzig schmeckt. Die Braunelle beispielsweise wird gut von Insekten besucht und hat damit auch einen Nutzen. Wir reden immer vom Insektensterben, das kann man auf der Wiese verhindern, indem wir das eine oder andere Kräutlein stehenlassen.

Was Unkraut ist und was nicht, liegt immer im Auge des Betrachters.

Helma Barthomolay | Gartenbaumeisterin und Gartenexpertin bei MDR SACHSEN
Schild mit Aufschrift ' In diesem Ökosystem hat auch das Unkraut eine Chance'
Hier in Dresden Zschachwitz gehört auch Unkraut zu den Garten-Stars. Bildrechte: Helma Bartholomay

Wie entscheidet man richtig: Was bleibt stehen, was muss weg?

Ich muss immer schauen, welches Wildkraut ich zulassen kann. Ich habe zum Beispiel im Garten eine schwarze Königskerze, die im Staudenbeet steht. Bei dem einen ist es Unkraut, bei mir ist es ein Wildkraut, das ich gern zulasse. Oder auch Kamille. Das ist eine Heilpflanze, die, wenn sie sich wohlfühlt, auch zum lästigen Kraut werden kann. Das liegt immer im Auge des Betrachters. Man muss das Unkraut auch nicht immer jäten. Man kann mit Mulch, Laub oder Grasschnitt, gerade unter Hecken, Sträuchern oder Bäumen, eine Bodenabdeckung machen und so Unkraut unterdrücken.

Was ist zum Thema Unkrautvernichter zu sagen?

Ich nehme keine Unkrautvernichter. Es gibt Flächen, wo man sie nicht einsetzen darf, insbesondere auf befestigten Flächen, wie Wege oder auch, wo Wasser in die Kanalisation abgespült werden kann. Unkrautvernichter machen sich schwierig im Blumenbeet, da leiden auch die anderen Pflanzen.

Wir machen sie zu Garten-Stars: Unkräuter

Vogelmiere
Für viele Gartenbesitzer ist Vogelmiere Unkraut. Dabei hilft sie bei Hautproblemen und schmeckt gut im Salat. Bildrechte: Helma Bartholomay
Vogelmiere
Für viele Gartenbesitzer ist Vogelmiere Unkraut. Dabei hilft sie bei Hautproblemen und schmeckt gut im Salat. Bildrechte: Helma Bartholomay
Brennnessel
Brennessel-Suppe ist ein bekanntes Gericht. Wussten Sie aber, dass die Samen der Brennnessel auch als Vitalitätstonikum gegen Haarusausfall helfen sollen? Bildrechte: Helma Bartholomay
Bärlauch
Bärlauch wird gern mit den Blättern des giftigen Maiglöckchens verwechselt. Achten Sie einfach auf den Knoblauchgeruch des Bärlauchs, dann kann nichts schief gehen. Bildrechte: Helma Bartholomay
Gänseblümchen
Zauberhaft und unschuldig: das Gänseblümchen. Für viele ist es trotzdem ein Unkraut auf der Wiese. Geben Sie ihm eine Chance. Bildrechte: Helma Bartholomay
Ein Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis), auf einer Löwenzahnblüte
Nicht nur bei Insekten beliebt, wie hier dem Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis): Löwenzahn. Die Blüte schmeckt auch gut als Sirup verarbeitet. Bildrechte: IMAGO
Huflattich
Huflattich ist genügsam und wächst gern auf Gehwegen. Wer genau hinsieht, erkennt darin hübsche Farbtupfer. Bildrechte: Colourbox.de
Königskerze
Für manche Unkraut, für andere eine majestetische Pflanze: die Königskerze Bildrechte: IMAGO
Zwei Stengel Giersch
Giersch trägt, wie viele andere Wildkräuter auch, eine ganze Menge Vitamine und Mineralstoffe in sich. Bildrechte: IMAGO
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Quelle: MDR SACHSEN/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.03.2019 | 5-10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. April 2019, 13:40 Uhr