Polizei Leipzig Enkeltrick: Betrüger werden immer dreister

Seit den letzten Wochen sind wieder verstärkt Gauner und Trickbetrüger in Sachsen unterwegs, oft mit dem sogenannten Enkeltrick. Sie versuchen vor allem älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Warum funktioniert diese Masche immer wieder? Im Gespräch ist Mandy Heymann von der Polizeidirektion Leipzig.

Ein Mann gibt einem Anderen 50-Euro-Scheine 5 min
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Im Moment versuchen Gauner wieder häufiger ältere Menschen zu betrügen. Gibt es Gründe dafür?

Mandy Heymann: Wir können feststellen, dass die Fälle in Wellen auftreten. Der Hintergrund ist, dass sich die Täter durch den gesamten deutschsprachigen Raum bewegen, es sind sogenannte reisende Täter.

Warum fallen Senioren immer wieder auf solche Betrügereien wie den Enkeltrick herein?

Die Täter können sehr überzeugend sein und es wird oft die Hilfsbereitschaft der älteren Menschen ausgenutzt, vor allem, wenn Angehörige ins Spiel gebracht werden und sie Angst um Ihre Kinder und Enkel haben. Wenn die Täter sich zum Beispiel als Amtsträger ausgeben, dann steigert das die Erfolgsaussichten der Betrüger.

Die Gauner sollen mit neuen Maschen unterwegs sein. Was sind das für Maschen?

Ja, das ist tatsächlich so. War es zu Beginn der Corona-Pandemie eher noch das Ausnutzen der Angst um die Gesundheit, so können wir jetzt vermehrt feststellen, dass sich die Betrüger als Amtsträger ausgeben. Aber auch die Anrufe zu Gewinnversprechen können wir nach wie vor feststellen.

Wie laufen solche Anrufe im Regelfall ab?

Symbolbild: Immobilie/Baufinanzierung
"Ihr Enkel hat eine Immobile erworben und nun Geldsorgen." Die Betrüger sind dreist und knöpfen Senioren gern mit solchen Sprüchen das Geld ab. Bildrechte: colourbox

Meistens ist es so, dass die Betrüger unter einer falschen Telefonnummer anrufen oder unter Umständen sogar die Notrufnummer der 110 nutzen. Danach werden unsere Angerufenen in sehr lange Gespräche verwickelt. Es wird dann vorgegeben, dass der Enkel eine Immobilie oder ein Auto kaufen möchte. Es wurde auch schon berichtet, dass angeblich die Angehörigen in einen Verkehrsunfall verwickelt sein sollen und nun das Geld benötigt wird, damit man seinen Führerschein nicht verliert, weil man der Verursacher des Unfalls ist. In den letzten Monaten sind oft Fälle aufgetreten, bei denen vorgegeben wird, dass der Angerufene einen Haftbefehl offen haben soll und in Kürze ein Generalstaatsanwalt anruft. Kurze Zeit später ruft dann eine andere Person an und gibt sich eben als dieser Generalstaatsanwalt aus und gibt Kontodaten an, woraufhin der Angerufene sein Geld überweisen soll, um die Vollstreckung des Haftbefehls abzuwenden.

Wie laufen die Telefonate ab, in denen ein Gewinnversprechen in Aussicht gestellt wird?

Dabei geben die Täter zum Beispiel an, dass kein Geldbote vorbeikommen kann, weil die kein Bargeld annehmen dürfen und deshalb Gutschein-Karten zu erwerben sind. Die kann man an jeder Supermarktkasse kaufen. Die Opfer werden dann später noch mal angerufen, um den Gutscheincode bekanntzugeben.

Wie werden die potenziellen Opfer ausgesucht?

Mann mit Headset sitzt an einem Computer
Hochprofessionell: Die Opfer von Betrügern werden über Callcenter angerufen. Bildrechte: Colourbox.de

Die Täter suchen ihre Opfer eher willkürlich aus und es wird aus sogenannten Callcentern eine Vielzahl von Anrufen durchgeführt, bis ein Anruf zum Erfolg führt. Im Rahmen der Ermittlungen konnten die Kollegen aber feststellen, dass die Täter zum Beispiel bevorzugt Namen anrufen, die eher altdeutsch klingen oder wo ein Doktor oder Professorentitel im Namen enthalten ist, da man hier ein größeres Vermögen vermutet.

Was raten Sie älteren Menschen, die einen solchen Anruf bekommen?

Wir raten, dass man keinesfalls auf die Forderungen eingeht. Eine direkte Konfrontation am Telefon, dass einem selbst diese Betrugsmasche bekannt ist und das Telefonat zu beenden, ist aus polizeilicher Sicht die wirksamste Waffe. Weiterhin ist es für unsere Ermittlungen hilfreich, den Namen des Anrufers zu notieren, die Anrufzeit, die Anrufdauer oder Dinge, die aufgefallen sind, wie zum Beispiel ein bestimmter Dialekt des Täters und dann sollte man unmittelbar die Polizei verständigen.

Quelle: MDR/hs/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 02.09.2020 | 10:00 - 13:00 Uhr

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