Ein glückliches Rentner-Ehepaar an einem Meeresstrand.
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Diplom-Psychologin Ilona Bürgel gibt Tipps So werde ich glücklich!

Am Tag des Glücks hatte Sachsenradio-Moderator Thomas Hehde eine Glücksexpertin im Studio zu Gast. Ilona Bürgel ist Diplom-Psychologin und Vertreterin der Positiven Psychologie im deutschsprachigen Raum. Sie sagt: "40 Prozent unseres Glücks haben wir selbst in der Hand."

Ein glückliches Rentner-Ehepaar an einem Meeresstrand.
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MDR SACHSEN-Moderator Thomas Hehde: Was macht für Sie Glück aus?

Ilona Bürgel: Ich hatte mir heute Morgen überlegt, was sage ich, wenn Sie mich das fragen? Ich hatte auf einer Skala von 0 bis 10 überlegt, was antwortest du. Und dann habe ich gesagt: 8 bis 9. Und dann habe ich nachgedacht, wieso nur 8 bis 9? Warum denn nicht 10? Und dann habe ich überlegt: Ok, ich habe gut geschlafen. Ich hatte ein schönes Frühstück. Ich habe mir heute früh Zeit genommen. Ich hatte gestern meine Familie um mich. Die Frage ist, was würde zur 10 fehlen? Und dann habe ich gesagt: Heute bekommt der Tag eine 10. Liebe Menschen zu haben, wirklich gesund zu sein, gut zu schlafen, gut zu essen. Das sind die Sachen, die tatsächlich auch mein Glück ausmachen.

Ich überlege auch gerade. Bei mir wird es heute auch eine 10.

Super. Da können wir eigentlich aufhören oder? ;-)

Nee, nee, das wollen wir nicht. Warum ist für uns Menschen Glück so wichtig?

Familie-Freude
Darüber streiten sich die Forscher: Sind gesunde Menschen glücklich oder ist man gesund, wenn man glücklich ist? Bildrechte: Colourbox

Das ist ein Prozess, der ihm Gehirn stattfindet. Es werden einfach andere Botenstoffe, andere Hormone ausgeschüttet, wenn es uns gut geht. Die neue Wissenschaft sagt sogar, das ist auch der Gesundheit zuträglich, wenn wir glücklich sind, weil andere Körperprozesse ablaufen und die Zellen anders aufgestellt sind. In diese Richtung möchte man heute auch noch mehr forschen: Wie ist denn der genaue Zusammenhang? Es geht um die Frage: Sind gesunde Menschen immer glücklich? Oder ist man gesünder, wenn man glücklich ist? Das kann man noch nicht genau sagen. Wir wissen nur, oft ist es eine Einheit. Deshalb ist jede, absolut jede Investition etwas, was sowohl dem Glück als auch der Gesundheit dient - egal, ob wir spazieren gehen oder frisch kochen oder ein schönes Gespräch führen.

Es gibt Menschen, die scheinen immer glücklich. Man kann doch nicht immer glücklich sein oder?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, das kann tatsächlich nicht sein. Es gibt Tage, wo man einfach schlecht geschlafen hat, dann ist man nicht so frisch und munter. Mir geht es um das authentische glücklich sein. Wirklich zu sehen, was habe ich Gutes, was schenkt mir das Leben. Und auf der anderen Seite auch diesen Kontrasteffekt zu haben, dass es mir nicht so gut geht, weil dann schätze ich auch die glücklichen Tage wieder.

Es gibt nicht nur glückliche Tage. Muss man wirklich manchmal ganz nach unten, um wieder glücklich zu sein?

Eine junge Frau schaut traurig durch eine regennasse Fensterscheibe.
Auch Trauer gehört zum Leben. "Wir sollten auch die negativen Gefühle schätzen lernen", sagt Ilona Bürgel. Wichtig ist, wie wir damit umgehen. Bildrechte: Colourbox.de

Vielleicht nicht unbedingt ganz nach unten. Ich glaube, das Leben liefert uns einfach ein Spektrum von allen Emotionen. Wir sollten auch die negativen Gefühle schätzen lernen. Trauer, Ärger, das sind auch wichtige Hinweise für uns, zum Beispiel, dass etwas im Leben nicht stimmt. Dass wir in einer Situation sind, die gefährlich ist. Angst ist manchmal ein schlechter Ratgeber, manchmal aber auch ein wichtiger. Weil wir sonst auch etwas tun, was wirklich gefährlich ist. Wir können aus allen Situationen lernen und ich glaube, das ist das Wichtige. Das wir sagen: Ich entscheide über mein Leben, über meine Grundstimmung. Und ich möchte gerne hauptsächlich glücklich sein, weil man dann mit negativen Gefühlen auch anders umgeht. Man weiß, die gehen vorbei und ich möchte auch, dass sie wieder vorbeigehen. Wenn man darin hängenbleibt, kann einen das auch nach unten ziehen und dann spricht die Forschung von Abwärtsspiralen.

Etwas Gutes für andere tun, das können wir immer und überall machen. Das kostet auch kein Geld. Das ist ein Glücksmacher.

Dr. Ilona Bürgel | Diplom-Psychologin

Gründe, nicht glücklich zu sein, gibt es viele. Man ist unglücklich auf Arbeit, die Beziehung läuft nicht so gut. Ist es in so einer Situation gut, sich an jemanden zu halten, der in diesem Moment glücklich ist?

Eine tolle Idee. Das ist oft ein Pingpong-Effekt. Wenn das Gegenüber schlecht drauf ist und einen grimmig anguckt, dann würde sich das auf mich übertragen und umgekehrt auch. Deshalb können wir uns zum Beispiel auch im Arbeitsleben, wenn wir besondere Belastungen haben, den Kollegen oder die Kollegin suchen, von der wir wissen, die hat immer ein Lächeln da, die hat immer ein freundliches Wort, weil positive Gefühle auch ansteckend sind. Das auch bewusst zu suchen, ist eine Technik, wie man aus negativen Gefühlen wieder rauskommt.

Es gibt Menschen, die sagen von sich, dass sie nur glücklich sind, wenn sie nachhelfen, zum Beispiel mit Drogen oder Alkohol. Was sagen Sie dazu?

Tatsächlich ist es leider so, dass Glück, wie eine Droge ist. In unserem Gehirn wird Dopamin ausgeschüttet und das nutzt sich ab. Wenn wir uns überlegen, was ist unser Lieblingsessen? Für mich wäre das Schokoladentorte. Wenn ich die die gleiche Torte jede Woche wieder esse und nochmal und nochmal, werde ich immer weniger glücklich sein. Das heißt, ich muss dann etwas anderes tun oder mehr davon haben und dort ist die Gefahr, dass ich mehr esse, mehr trinke, mehr Glücksspiele mache und da muss man tatsächlich die Vielfalt in sein Leben bringen und sich fragen: Was sind alles meine Glücksbringer und dabei immer wieder variieren und sich jeden Tage etwas Neues suchen.

In der Glücksforschung spricht man von fünf Dingen, um glücklich zu sein. Welche sind das?

eine glückliche Frau streckt ihre Arme in den Himmel
Machen Sie es sich selbst schön. Dann ist viel erreicht! Bildrechte: colourbox

Das geht los mit den positiven Emotionen, also den selbstgemachten positiven Emotionen. Dass ich mich eben an meiner Tasse Kaffee erfreue und den nicht nur so hinterschütte. Das Zweite ist Engagement. Wenn ich mich für etwas engagiere, für eine Idee, einen Verein, für mein Zuhause, meine Familie. Das wissen wir alle, dann fühlen wir uns wahnsinnig wohl. Das macht immer glücklich, sich zu engagieren. Das dritte sind soziale Beziehungen. Das unterschätzen wir heute häufig, weil wir doch sehr in dieser technischen Welt unterwegs sind. Mit sozialen Beziehungen sind reale Menschen gemeint, die ich anfassen kann - Kollegen, Freunde, die Nachbarn. Menschen tun uns immer gut. Selbst wenn die natürlich auch eine Quelle von Frust und Missverständnissen sind, aber die tun uns gut.

Das vierte ist, die Freude etwas zu erreichen. Nach dem Motto: 'Hei, ich will doch mal gucken, was da geht.' Zum Beispiel beim Sprache lernen oder wenn ich mir ein neues Programm auf Arbeit erschließe. Unser Gehirn ist dafür gemacht, sich anzustrengen und etwas zu lernen. Das macht immer glücklich. Der fünfte Punkt ist der Sinn. Wofür tue ich das? Was haben zum Beispiel andere davon, dass es mich und meine Arbeit gibt? Oder dass ich diese Mutter für diese zwei Kinder bin. Es geht um die sinnvollen Gedanken, bei dem, was ich tue. Das ist auch ein richtig guter Trick, wenn man mal schlecht drauf ist, sich zu fragen, was tue ich sinnvolles in einem Leben. Das bringt sofort ein Lächeln zurück. Bei allem kann ich das selbst bestimmen, den Sinn zu sehen und zu finden.

Fünf Dinge, die glücklich machen, nach Ilona Bürgel + Selbstgemachte positive Emotionen +
+ Engagement zeigen +
+ Reale soziale Beziehungen pflegen +
+ Die Freude, etwas zu erreichen +
+ Sinnvolles tun im Leben +

Es gibt Menschen, die wirken nicht besonders glücklich, suchen aber die Schuld dafür bei anderen: Meine Partnerin macht mich nicht glücklich, mein Chef lobt mich nicht. Können wir von anderen erwarten, dass die mich glücklich machen?

Nein. Obwohl es so zu sein scheint. Die Glücksforschung sagt auch, zu 40 Prozent haben wir in der Hand, wie wohl wir uns fühlen und nur zehn Prozent machen die Umstände aus. Das heißt also, wenn der Nachbar schon wieder nicht gegrüßt hat oder ich die Gehaltserhöhung nicht bekommen habe, hat das nur zehn Prozent Einfluss auf mein Glück. Die 40 Prozent bedeuten, wie reagiere ich darauf. Ärgere ich mich ein halbes Jahr darüber oder sage ich, ok, auf in die nächste Runde.

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Was wird warum zum Glücksbringer?

Jede Kultur hat ihre eigenen Glücksbringer. Und oft geht der Ursprung dessen weit zurück. Wisst ihr, warum uns der Schonsteinfeger oder das Schweinchen Glück bringen sollen?

Schornsteinfeger mit vierblättrigem Kleeblatt im Mund
Feuer hat die Existenz der Menschen jeher bedroht. Gerade im Mittelalter gab es schlimme Brände, in deren Folge ganze Stadtteile niederbrannten und die Menschen alles verloren. Im hohen und späten Mittelalter entstanden in den Städten erste Brand- und Feuerordnungen, in denen teilweise ein regelmäßiges Kehren des Schornsteins vorgeschrieben wurde, um sie sicherer zu machen.
Der Schornsteinfeger überprüfte Kamine und reinigte den Schlot, um es gar nicht erst zu einem Wohnungsbrand kommen zu lassen.
So brauchte er den Menschen "Glück" - in Form von Sicherheit und gilt bis heute als Glücksbringer.
Bildrechte: IMAGO
Schornsteinfeger mit vierblättrigem Kleeblatt im Mund
Feuer hat die Existenz der Menschen jeher bedroht. Gerade im Mittelalter gab es schlimme Brände, in deren Folge ganze Stadtteile niederbrannten und die Menschen alles verloren. Im hohen und späten Mittelalter entstanden in den Städten erste Brand- und Feuerordnungen, in denen teilweise ein regelmäßiges Kehren des Schornsteins vorgeschrieben wurde, um sie sicherer zu machen.
Der Schornsteinfeger überprüfte Kamine und reinigte den Schlot, um es gar nicht erst zu einem Wohnungsbrand kommen zu lassen.
So brauchte er den Menschen "Glück" - in Form von Sicherheit und gilt bis heute als Glücksbringer.
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4-blättriges kleeblatt
Das vierblättrige Kleeblatt ist selten, wer es zufällig auf einer Wiese voll Klee findet, hat per se schon Glück.
Der Ursprung als Glücksbringer wird übrigens der biblischen Figur Eva zugeschrieben. Sie soll einer Legende nach ein vierblättriges Kleeblatt aus dem Paradies mitgenommen haben - als Andenken.
Wer also ein vierblättriges Kleeblatt findet, so heißt es, hat ein Stückchen Paradies gefunden.
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Auf dem ausgestreckten Zeigefinger eines Kindes sitzt ein Marienkäfer.
Ein kleiner Himmelsbote der Mutter Gottes soll der Marienkäfer sein, der Glück bringt, wenn er sich auf euren Finger setzt. Ihr dürft ihn jedoch niemals abschütteln oder töten, denn das soll Unglück bringen. Bildrechte: Colourbox.de
Ein kleines rosa Schwein aus Marzipan soll Glück bringen.
Das Schwein galt lange als Symbol des Wohlstands und Reichtums - einem Bauer der viele fette Schweine hatte, ging es gut und dessen Familie musste nicht Hunger leiden. Das erklärt, warum wir im Volksmund auch den Ausspruch "Schwein gehabt" im Sinne von "Glück gehabt" kennen.
Ein kleines Glücksschweinchen - heute meist aus Marzipan geformt - soll Wohlstand und Reichtum symbolisieren und dem Beschenkten ebendiesen bringen.
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Marzipanschwein mit Kleeblatt und Pilzen
Dieses kleine Glücksschweinchen hat einen Fliegenpilz im Mund, der ebenfalls Glück bringen soll. Und das, obwohl Fliegenpilze eigentlich giftig sind. Warum der Fliegenpilz zum Glückssymbol geworden ist, weiß man heute nicht mehr so genau. Wahrscheinlich, weil er immer schon mit Zauberei in Verbindung gebracht wurde. Bildrechte: Colourbox.de
Zwei Hufeisen im Stroh sollen Glück bringen.
Das Pferd war zu früheren Zeiten ein besonders wertvolles und starkes Tier, das sich kaum einer leisten konnte. Ein normaler Bauer hatte früher eher kein Pferd - der Königshof dagegen gleich mehrere. Das Hufeisen, das das Pferd schützt, gilt deswegen auch als Glücksbringer und Schutzschild für die Menschen - besonders für denjenigen, der zufällig eins am Wegesrand findet.
Früher wurden Hufeisen oft über eine Tür gehängt - damit es dem Teufel auf den Kopf fällt, wenn er herein kommt. Oder auch an den Mast eines Schiffes, um Schutz zu bringen. Wichtig dabei war, das Hufeisen wie ein U auf zu hängen, also dass die Öffnung nach oben zeigt. Das Glück, so heißt es, kann dann bleiben. Hängt man das Hufeisen falsch herum, mit der Öffnung zum Boden, fällt das Glück hinaus. Als C aufgehängt, mit der Öffnung nach rechts, soll das Hufeisen für Christus stehen.
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Mistelzweig
Misteln sollen vor Hexen beschützen, deswegen wurde der Mistelzweig über Türen und Ställe gehängt. Wenn ein Liebespaar sich unter einem Mistelzweig küsst, gilt das als gutes Omen, das ebenfalls Glück bringt. Bildrechte: Colourbox.de
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2018 | 10:00-12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2018, 17:25 Uhr