Zum 70. Geburtstag Gerhard Schöne: "Ich wünsche mir lebendig zu bleiben, auch im Kopf."

Gerhard Schöne 3 min
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Die Musik von Gerhard Schöne können wahrscheinlich die meisten von uns Ostdeutschen mitsingen. Viele sind mit den Songs des Liedermachers in der DDR groß geworden, haben in der Badewanne den Meeresbezwinger Thomas mit einem kleinen Boot selbst nachgespielt, sich in die große weite Welt geträumt oder weit weg gewünscht.

Zu seinem 70. Geburtstag am 10. Januar formuliert Gerhard Schöne seinen größten Wunsch so: "Ich wünsch mir lebendig zu bleiben, auch im Kopf. Ich genieße das Leben. Aber einen Warnschuss hatte ich vor einem Jahr, als mir plötzlich das Gedächtnis mal für paar Stunden fehlte. Als ob der Computer heruntergefahren wird. Mein Kurzzeitgedächtnis war völlig weg. Da habe ich einen Eindruck gekriegt, wie das ist. Ich freue mich über meine geistige und körperliche Gesundheit, über Aufgaben, die Lust am Leben. Das wünsche ich mir, dass die erhalten bleibt.“

Ich freue mich über meine geistige und körperliche Gesundheit, über die Lust am Leben.

Gerhard Schöne | Liedermacher

Das mit den Jahren und der Optik

Gerhard Schöne ist bekannt dafür, dass er immer dem Leben zugewandt ist, sich umschaut, was passiert. Heute, so sagt er, ist er mit seiner eigenen Optik nicht mehr ganz so im Reinen, sagt er: "Ich bin mit meinem Gesicht nicht mehr so zufrieden, die Mundwinkel hängen. Ich bin dicker geworden. Ich hatte neulich mal einen Liedtext von mir gefunden, den ich nie gesungen habe, wo ich so herablassend über jemanden mit einem Doppelkinn geschrieben habe. Und das habe ich inzwischen selber. Aber gut, ich war eigentlich fast immer irgendwie glücklich."

Glückliche Kindheit

Manchmal geht Gerhard Schöne schon ein bisschen hart mit sich selbst ins Gericht. Seine Fans dürfte es aber freuen, dass er von sich sagt, ja, eigentlich war ich immer glücklich. Das zieht sich durch sein gesamtes Leben. Angefangen in der Kindheit. Gerhard Schöne erinnert sich: "Ich hatte einen musischen Vater, der im Keller seine Werkstatt hatte, wo er grafische Sachen machte. Meine Mutter liebte ihren Garten und war auch eine Sonne zu DDR-Zeiten.“

Später hatte Gerhard Schöne eine Laienspielgruppe. In dieser wurden pazifistische Stücke gespielt. Zu allen seinen Mitspielern kam die Stasi nach Hause und warnte die Eltern vor dem Umgang, den ihre Kinder pflegten. "Zu mir kam nie jemand", erinnert sich Gerhard Schöne, "als ob ein Regenschirm über mir ausgebreitet wäre."

Gerhard Schöne im Porträt
Gerhard Schöne erinnert sich - an seine glückliche Kindheit und die erste Laienspielgruppe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es gibt sie, die Wunder

Es gab auch Wunder im Leben des "singender Geschichtenerzählers", wie sich Gerhard Schöne selbst nennt. Es gab Momente, in denen er dachte, wie gut es ist, dass die GEMA* ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, wo es für ihn finanziell einmal eng wurde und er drohte ins Minus zu geraten, plötzlich Tantiemen ausschüttete. "Ich denke oft, ich bin ein ziemliches Glückskind", sagt Gerhard Schöne mit 70 deshalb ganz zufrieden.

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Andreas Berger ist für seinen Kulturpodcast nach Meißen gefahren, zu Geburtstagskind Gerhard Schöne. Der "singende Geschichtenerzähler" plaudert über sein Leben, erinnert sich an früher, auch an die Zeit als Briefträger.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Mo 10.01.2022 14:45Uhr 35:52 min

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Die Jule - Fluch oder Segen?

Der größte Hit von Gerhard Schöne, das ist die Jule. Ein Fluch oder eher Segen? "Das ist so ähnlich wie bei Mike Krüger und 'Mein Gott, Walther', diese immer wiederkehrende Zeile, die irgendwie witzig ist. Das ist damals ein netter Einfall von mir gewesen und hat mir ein hohes Maß an Bekanntheit gebracht.“

Sogar Polizisten hätten schon hinter dem Sänger hergerufen: "Hallo, Jule". "Und da merkt man, aha, die haben mich als Kind gehört." In seinen Kinderprogrammen singt Gerhard Schöne das Jule-Lied fast immer. Er wollte es auch schon weglassen, da kamen dann die Mütter und waren entsetzt, dass der Popel oder die Jule oder das Kinderland heute nicht dabei waren. "Naja, und dann mache ich es eben dann doch", sagt der Jubilar schmunzelnd.

*GEMA: Gesellschaft für Musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte

Quelle: MDR (ep, sz, in)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10. Januar 2022 | 07:50 Uhr