MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 30.03.2021 | 20 bis 23 Uhr Green Was? – Green Deal! Wie gelingt der ökologische Umbau der Wirtschaft?

Während tausende Experten an neuen Technologien und der klimaneutralen Umgestaltung der Wirtschaft – kurzum am Green Deal – arbeiten, haben viele noch niemals etwas davon gehört. Dabei sollen Arbeitsplätze in Größenordnungen entstehen. Was passiert da eigentlich? Gelingen Energiewende und der Umstieg auf grüne Technologien? Wie ist der Stand der Forschung und welche Herausforderungen gibt es? Darüber diskutieren wir bei Dienstags direkt.

Frühlingsbeginn im Findlingspark Nochten 133 min
Bildrechte: MDR/Viola Simank

Während Experten an Technologien und der klimaneutralen Umgestaltung der Wirtschaft – kurzum am Green Deal – arbeiten, haben viele noch nie etwas davon gehört. Dabei sollen auch neue Arbeitsplätze entstehen.

MDR SACHSEN - Das Sachsenradio Di 30.03.2021 20:00Uhr 133:26 min

Audio herunterladen [MP3 | 122,2 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 243,4 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/sachsenradio/podcast/dienstags/podcast-greendeal-gelingt-der-oekologische-umbau-der-wirtschaft100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Unsere Gäste:

* Katja Bühler, Professorin für Technologie produktiver Biofilme, Nationaler Wasserstoffrat
* Max Jankowsky, Geschäftsführer GL Giesserei Lößnitz GmbH, Ausschuss Umwelt & Energie IHK Sachsen
* Stefan Ehly, IG Metall Geschäftsstelle Dresden & Riesa.
* Mathias Binswanger, Ökonom, Autor "Der Zwang zum Wachstum nimmt zu"

Im Interview:
* Wolfram Günther (Grüne), Umweltminister Sachsen
* Christian Dohr, Geschäftsführer ESF Elbe Stahlwerke Feralpi GmbH
* ARD-Korrespondent Matthias Reiche aus Brüssel

Gäste

Katja Bühler
Katja Bühler, Professorin für Technologie produktiver Biofilme, Nationaler Wasserstoffrat

"Der Erfolg des Green Deal hängt von jedem einzelnen ab."
Bildrechte: Sebastian Wiedling/UFZ
Katja Bühler
Katja Bühler, Professorin für Technologie produktiver Biofilme, Nationaler Wasserstoffrat

"Der Erfolg des Green Deal hängt von jedem einzelnen ab."
Bildrechte: Sebastian Wiedling/UFZ
Max Jankowsky
Max Jankowsky, Geschäftsführer GL Giesserei Lößnitz GmbH, Ausschuss Umwelt & Energie IHK Sachsen

"Es darf kein Zielkonflikt zwischen der Klima- und Industriepolitik entstehen. Wir benötigen eine in sich greifende Strategie, welche wir als europäische Einheit verfolgen müssen, um global als Innovations- und Industriestandort führend zu bleiben."
Bildrechte: Thomas Plettenberg
Mathias Binswanger
Mathias Binswanger, Ökonom, Autor "Der Zwang zum Wachstum nimmt zu"

"Es ist einfach großartige Netto-Null-Ziele zu formulieren, aber diese Ziele tatsächlich zu erreichen, ist bedeutend schwieriger."
Bildrechte: Mathias Binswanger
Stefan Ehly
Stefan Ehly, IG Metall Geschäftsstelle Dresden & Riesa

„Ein ‚Green Deal‘ kann nur mit denjenigen gelingen, die ihn am Ende auch umsetzen müssen: Den Beschäftigten in diesem Land. Sie bei diesem großen Projekt mitzunehmen und ihnen eine Stimme zu geben muss die vordringlichste Aufgabe der Politik sein.“
Bildrechte: Stefan Ehly
Matthias Reiche
Im Interview:
ARD-Korrespondent Matthias Reiche aus Brüssel
Bildrechte: Reiner Freese
Alle (5) Bilder anzeigen

Tausende Bäume knickten ab wie Streichhölzer, weil sie schlicht vertrockneten. Die Bilder des sterbenden Waldes im Harz sind ein Symbol geworden, für drohende Dürren in Folge des Klimawandels. Während viel und hitzig über die Klimakrise und ihre möglichen Folgen für unsere (Welt)Gesellschaft diskutiert wird, herrscht bei den meisten zumindest dieser Konsens: Der Ausstoß von Kohlendioxid muss gesenkt werden.

Green Deal will klimaneutrales Wirtschaft

Das Konzept des "European Green Deal" wurde  schon im Dezember 2019 durch Ursula von der Leyen und der Europäische Kommission präsentiert, aber bis heute können viele mit dem Begriff „Green Deal“ nichts anfangen. Das Ziel klingt nicht neu: Treibhausgase senken und klimaneutral wirtschaften. Was dahinter steckt, ist nicht weniger als die Transformation eines kompletten Wirtschaftssystems, das bislang zu großen Teilen auf fossilen Energieträgern aufgebaut ist. Kurzum: Kohle, Gas, Öl sind die Grundlage unserer Wirtschaft. Diese auszuwechseln ist ein Prozess, der sowohl von Forschung, Politik, der Industrie und jedem Einzelnen abhängt. Damit dies gelingt, will die EU Milliarden Euro investieren. Doch ist nachhaltiges Wirtschaften überhaupt möglich, in einem System, das auf Wachstum ausgelegt ist?

Viele grüne Ansätze

Seit Jahren gedeihen viele Ansätze, um die Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Dabei stoßen Forscher, Unternehmen und Politiker auch immer wieder an Grenzen. Um nur einige zu nennen:

  • Erneuerbare Energien können besonders an wettergünstigen Tagen mit viel Sonne und Wind en masse generiert werden. Doch es lässt sich davon nichts "für schlechte Tage" zurücklegen- Das Problem der Speicherung konnte bislang nicht wirklich gelöst werden.

  • E-Autos brauchen kein Benzin mehr, doch nicht immer ist sichergestellt, dass deren Batterien unter ökologischen und auch sozial nachhaltigen Bedingungen hergestellt werden. Gleichzeitig brauchen große Fahrzeuge und die Industrie mehr Energie, als Batterien bislang liefern könne. Deshalb werden große Hoffnungen in einen Antrieb auf Basis von Wasserstoff gesetzt.

  • Energie einfach aus Wasser gewinnen: Was sich traumhaft anhört, hat in seinen Anwendungen noch einen großen Forschungsbedarf. Wasserstoff wird zwar als Energiespeicher der Zukunft gehandelt, doch hier gibt es noch viele Fragezeichen. Wie kann der Wirkungsgrad erhöht und „grüner“ Wasserstoff hergestellt werden? Wie steht es um die Sicherheit - immerhin kann Wasserstoff bei Kontakt mit Sauerstoff explodieren?! Und worin kann Wasserstoff gespeichert werden?

Nationaler Wasserstoffrat

Um Wasserstofftechnologien schnell zu entwickeln und eine Wasserstoffwirtschaft zu etablieren, hat die Regierung einen Nationalen Wasserstoffrat gegründet. Das Ziel: Eine Wasserstoffwirtschaft aufzubauen, in der Deutschland führend ist. Sachsen spielt dabei eine wichtige Rolle. An den Technischen Universitäten in Dresden und Chemnitz gibt es viele Ansätze bei der (Weiter)Entwicklung von Wasserstofftechnologien und auch der Produktion von biologischem Wasserstoff. Die TU Chemnitz bewirbt sich gerade als nationales Wasserstofftechnologiezentrum.

Ein Wasserstofftankfahrzeug verlässt einen Energiepark mit Wasserstoff
In Wasserstoff als Energiespeicher werden große Hoffnungen gesetzt. Bildrechte: dpa

Industrie braucht neue Lösungen

Neue Energieträger abseits von Kohle, Öl und Gas sind besonders für die Industriezweige interessant, die bislang besonders auf diese Ressourcen angewiesen sind. Besonders die Metall- und Stahlindustrie gilt als große Energiefresser. Kein Wunder also, dass sich viele Forscher, Startups und traditionelle sächsische Metallunternehmen mit der ökologischen Transformation beschäftigen. Das Stahlwerk Riesa arbeitet beispielsweise an Konzepten zum Umstieg auf Wasserstoff,  die Gießerei in Lößnitz investiert Millionen Euro in Nachhaltigkeit, und das Unternehmen "Sunfire" hilft anderen Unternehmen, die Produktion auf Wasserstoff und Sythesegas oder -treibstoff umzustellen.

Über die Vision einer klimaneutralen Wirtschaft und wie davon Mittelstand und Arbeitsmarkt profitieren können, darüber sprechen wir bei Dienstags direkt.

Moderation: Jan Kummer
Redaktionelle Mitarbeit: Katrin Tominski
Redaktionsleitung: Ines Meinhardt