Interview So wirkt der Wald auf unsere Gesundheit

Wald mit knorrigen alten moosbedeckten Hainbuchen
Bildrechte: imago images / Andreas Vitting

Viele Menschen entspannen am besten in der Natur. Viele schwören dabei auf die heilende Kraft des Waldes. Über dessen positive Wirkung auf unsere Gesundheit hat Sachsenradio-Moderator Thomas Hehde mit Professor Angela Schuh von der Universität in München gesprochen.

Die Heilkraft des Waldes. Gibt es die wirklich oder klingt das nur gut?

Die gibt es tatsächlich. Wobei man Heilkraft nicht überbewerten darf. Wir wissen sicher, dass sich der Wald sehr positiv auf die Stressreduktion sowie auf die Psyche und Stimmung auswirkt.

Was kann der Wald mit uns machen? Wo gibt es Ansätze, die auch spürbar sind?

Therapeutische Ansätze gibt es zum Beispiel im Zusammenhang mit der Behandlung von Depressionen. Da gibt es eine ganze Menge Studien darüber, die Hinweise darauf geben, dass ein Aufenthalt im Wald besser ist als die gleiche Therapie in der Klinik. Sie kann grundsätzlich bei psychischen Erkrankungen helfen. Es gibt aber auch deutliche Hinweise oder sogar Beweise dafür, dass sich zum Beispiel der Blutdruck während eines Waldaufenthalts reduziert, dass sich die Stresshormone verändern, sich also der Cortisol-Spiegel verändert, und einiges mehr.

Wie sieht die Forschung in der der Waldtherapie genau aus?

Man untersucht bestimmte Patientengruppen, die sich eine bestimmte Zeit lang im Wald aufhalten und wird dann sehen, welche Parameter sich verändern. Wir wollen diese Studien praktisch neu aufsetzen, und zwar für mitteleuropäische und deutsche Verhältnisse. Die meisten Untersuchungen stammen aus dem asiatischen Raum. Und das ist nicht so richtig vergleichbar. Außerdem wurden zu wenig Menschen untersucht. Da geht es jetzt darum, dass wir das in größerem Stile hier eben auch für unsere heimischen Wälder untersuchen.

Reicht auch ein Park oder ein botanischer Garten?

Da sind die Untersuchungen noch im Gange. Natürlich, wenn er sehr naturbelassen ist, wenn viele Bäume da sind und die Ausdehnung groß genug ist, ist es auf alle Fälle besser als kein Aufenthalt in grüner Umgebung.

Etwas dabei zu spüren, wenn man einen Baum umarmt – ist das nur Einbildung?

Baum Umarmung.
Bildrechte: imago/Science Photo Library

Nein. Man muss grundsätzlich sagen, der Wald alleine wirkt schon. Das Klima des Waldes ist hervorragend. Aber während des Waldbadens oder der Waldtherapie macht man noch bestimmte Übungen, zum Beispiel Achtsamkeitsübungen. Und da geht es darum, zur Ruhe zu kommen und sich wirklich nur auf die Waldelemente zu konzentrieren.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.01.2020 | 10-13 Uhr