17.01.2020 | 18:45 Uhr Herzinfarkt-Risiko senken - wir sind selbst gefragt!

Es klingt beängstigend: In Sachsen sterben weit mehr Menschen an einem Herzinfarkt als anderswo in Deutschland. Woran liegt das? Offensichtlich gehen Betroffene zu spät zum Arzt und sterben bevor sie in die Klinik kommen. Die Statistik zeigt: In Sachsen werden so wenige Patienten wie in keinem anderen Bundesland nach einem akuten Infarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Beate Dietze wollte wissen, was das für potenzielle Infarktpatienten bedeutet.

In Sachsen klemmt es bei der Prävention, aber auch bei der ambulanten Versorgung, ist sich Simone Hartmann, Chefin der Techniker Krankenkasse Sachsen, sicher. Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, Alkohol, falsche Ernährungsgewohnheiten, zu wenig Bewegung, werden zu spät erkannt.

Wir stellen fest, dass die Patienten einfach zu spät zum Facharzt überwiesen werden. Das entweder ihre Risiken, gerade was die Arterienverkalkung betrifft, nicht erkannt oder zu spät erkannt werden. Sehr entscheidend ist, dass der Facharzt mit behandelt und dass die Hausärzte deutlich früher überweisen.

Simone Hartmann | Chefin der Techniker Krankenkasse Sachsen

Patienten können Überweisung einfordern

Stellt sich über einen längeren Zeitraum keine Besserung der zu hohen Blutdruck- und Blutzuckerwerte ein, sollten betroffene Patienten beim Hausarzt eine Überweisung zum Facharzt oder in eine Schwerpunktpraxis einfordern, rät Simone Hartmann. Sie denkt, dass bei den Allgemeinärzten auch eine gewisse Eitelkeit mitschwingt, Patienten mit so hohen Werten zu einem Fachkollegen zu überweisen.

Selbst aktiv werden!

Eine Frau ist mit dicker Winterjacke und Handschuhen gegen die Kälte gerüstet und genießt das Schneewetter.
Bei der Bewegung fängt es an: Raus an die frische Luft. Bei jedem Wetter. Bildrechte: imago/Becker&Bredel

Fachärzte gibt es aus Sicht der Chefin der Techniker Krankenkasse ausreichend. Die Patienten müssen aber auch selbst aktiv werden, was die Änderung ihres Lebensstils angeht, meint Eric Bodendieck, Präsident der Landesärztekammer Sachsen. Der praktizierende Allgemeinmediziner und Diabetologe weiß, dass es nicht einfach ist, die Patienten davon zu überzeugen. Er sagt: "Ich kann noch so viel Insulin geben, aber es wird den Diabetes nicht ändern, wenn ich mein Stück Schwarzwälder Kirschtorte weiter esse. Da gibt es einen bekannten Spruch: Die Existenz des Insulins rechtfertigt nicht das Stück Schwarzwälder Kirschtorte und die Existenz des Cholesterinsenkers rechtfertigt auch nicht die Bockwurst. Das ist Reparaturmedizin."

Wir essen zu viel

Lebens- und Ernährungsumstellung, dazu mehr Bewegung - das sind die entscheidenden Punkte, weiß Bodendieck. "Wir essen viel zu ungesund. Wir essen zu viel. Das Angebot ist riesengroß. Aber es ist auch eine Frage der Preisgestaltung des Angebots. Gesunde Lebensmittel sind in aller Regel teurer als ungesunde Lebensmittel. Das Stück Schweinefleisch ist preiswerter als das Stück Rindfleisch, wenn ich denn schon Fleisch esse. Der Salat mag vielleicht noch preiswerter sein. Wir haben jetzt in Mitteleuropa Kohlzeit. Aber es gibt gereifte Erdbeeren zu kaufen. Die kann ich mal mit essen, aber nicht permanent." Und es gibt zu viele Fahrstühle in den Häusern. Die Leute sind zu oft mit dem Auto unterwegs, statt zu laufen. Die Folgen sind fatal.

Quelle: MDR/bd/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.01.2020 | 10 bis 13 Uhr

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