21.11.2019 | 15:47 Uhr Impfschutz - auch Erwachsene sollten auffrischen

Wie sieht es aktuell mit Ihrem Impfschutz aus? Sie wissen es nicht? Bei MDR SACHSEN haben wir noch einmal aufgeklärt, warum Impfungen wichtig sind und welche im Erwachsenenalter regelmäßig aufgefrischt werden sollten. Auf unsere Fragen antwortete Nils Lahl. Er ist Facharzt für das öffentliche Gesundheitswesen, Hygiene und Umweltmedizin sowie Leiter der Impfstelle des Gesundheitsamtes Leipzig und Mitglied der Sächsischen Impfkommission.

Ein Arzt hält in der einen Hand einen aufgeschlagenen Impfausweis und in der anderen eine Impfspritze 27 min
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Die Masernimpfung soll ab kommendem Frühjahr Pflicht werden. Ist das eine gute Entscheidung?

Die Richtung ist ok. Unser Thema war im Vorfeld die jungen Erwachsenen mehr in den Fokus zu nehmen. Das ist bei der zu erwartenden Regelung nicht so im Schwerpunkt zu sehen.

Es betrifft ja nur einen kleinen Teil der Bevölkerung, der gegen Masern geimpft werden soll, oder?

Im Fokus stehen die Mitarbeiter von Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen und die Kinder in Kindergärten und Schulen.

Man hat den Eindruck, es werden immer mehr Impfgegner. Stimmt das?

Wir erleben, dass es wenig Impfgegner gibt. Wir erleben aber natürlich viele kritische Stimmen. Die sind durchaus auch berechtigt. Aber ich halte die Zahl der Impfgegner nicht für wachsend.

Ein Impfgegner-Argument ist, wenn man sich impfen lässt, könne die Krankheit erst recht ausbrechen. Stimmt das?

Normalerweise nicht. Es gibt in seltensten Fällen einen leichten Verlauf der Erkrankung. Gerade beim Thema Masern ist es so, dass wir abgeschwächte Viren impfen. Da kann es zum Beispiel in seltenen Fällen sogenannte Impfmasern geben. Ich habe in meinem Leben sehr viele Geimpfte gesehen und sehr viele Masernerkrankungen. Impfmasern habe ich dabei dreimal erlebt.

Auch ein Argument von Impfgegnern: Eine Impfung belaste das Immunsystem vor allem von kleinen Kindern viel zu stark, weil es noch nicht so voll entwickelt ist. Was sagen Sie dazu?

Prinzipiell ist es so, dass wir wollen, dass das Immunsystem anspringt. Dass es reagiert. Das Wort "belasten" passt da nicht rein. Es kommt natürlich auch immer darauf an, wie alt das Kind ist. Wir haben ja gerade bei dem Thema "Masern" die Empfehlung schon frühzeitig zu impfen. Da kann es durchaus sein, dass die Impfung nicht so anschlägt, wie man sich das wünscht.

Kommen wir zum Thema Grundimpfungen. Die sollen ja gerade für Kinder wichtig sein, die in Kindertagesstätten oder in die Schule gehen. Warum sind die so wichtig?

Impfungen haben zwei wichtige Funktionen: Man möchte mit den Impfungen die Gemeinschaft und die Gesellschaft vor epidemischen Ausbrüchen schützen. Auf der anderen Seite steht der Individualschutz. In Kitas kommen viele Menschen zusammen. Da ist die Gefahr der Ansteckung natürlich viel höher als in einer Familie.

Welche Grundimpfungen sind wichtig für Kinder?

Kind bekommt eine Impfung.
Es gibt Basis-Impfungen, die jedes Kind bekommen sollte, sagt Facharzt Nils Lahl. Bildrechte: Colourbox.de

Es gibt eine Kombinationsimpfung: Da ist Keuchhusten dabei, Kinderlähmung, Diphtherie und Tetanus. Das kann man noch mit Hepatitis B und dem haemophilus influenzae Typ B-Impfstoff kombinieren. Dann haben wir einen Rotavirus-Impfstoff, eine Schluckimpfung für die ganz Kleinen. Ab einem bestimmten Alter kommt auch das Thema Meningokokken, Meningokokken B und weitere Meningokokken-Typen (Serogruppen) in Sachsen ins Spiel. Und dann kommen natürlich auch Mumps, Masern und Röteln ins Spiel und die Windpocken. Das sind die Basics.

Eine Userin aus Waldheim hat uns geschrieben. Sie ist 67 und fragt, ob sie sich noch gegen Masern impfen lassen muss?

Die vor 1958 Geborenen gelten als immun. Wir kennen keine Ausnahmen. Sie wird also möglicherweise die Masern gehabt haben, ohne sich zu erinnern. Sie muss daher nicht geimpft werden.

Es gibt ja für Mädchen eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs, die inzwischen auch für Jungs empfohlen wird. Wie kommt das?

Anfangs war die Impfung gegen HPV tatsächlich nur für Mädchen empfohlen. Mittlerweile ist das erweitert worden auf die Jungs und die jungen Männer. Wir haben tatsächlich auch bei ihnen eine Schutzwirkung. Unter anderem bei Erkrankungen, die beim Jungen auftreten, aber auch als Schutz, dass die Jungs nicht zu einem Überträger werden. Umgedreht gibt es auch dort Krebserkrankungen, vor denen die Impfung schützt.

Impfungen ab 60: Welche sollte man haben?

Auch hier ist die Vierfach-Impfung zu nennen. Die gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten und Kinderlähmung. Die sollte man unbedingt auffrischen lassen. Keuchhusten ist beispielsweise ein Thema, das viel zu wenig in der Öffentlichkeit und im Bewusstsein ist. Dann die Zoster-Impfung (Gürtelrose), die Pneumokokken-Impfung und die saisonale Grippeimpfung - die Influenza-Impfung.

Was passiert eigentlich, wenn man den Impfausweis nicht mehr findet?

Man kann den Impfstatus von Grund auf nochmal auf Vordermann bringen. Da gibt es eine Empfehlung vom Robert-Koch-Institut. Oder man macht es anders: Viele Gesundheitsämter in Sachsen haben noch Impf-Karteien. Da fragt man einfach in dem Gesundheitsamt nach, wo man als Kind groß geworden ist. Und wenn man Glück hat, gibt es die Daten dort noch. Wir in Leipzig haben zum Beispiel noch von vielen Leipzigern die Impfdaten.

Quelle: MDR/ls/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.11.2019 | 10-13 Uhr