MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 08.12.2020 | 20 bis 23 Uhr Kassensturz zum Jahresende: Was bedeutet die Krise für unser Geld?

Die Corona-Pandemie setzt auch die Finanz-und Aktienmärkte unter Druck. Nach anfänglichen Turbulenzen, zeigt sich der Aktienmarkt erstaunlich stabil. Trotzdem häufen sich die Warnungen vor einer Blase. Gleichzeitig kämpfen schon jetzt viele Menschen um ihre Existenz. Was bedeutet die Krise für unser Geld? Darüber sprechen wir bei "Dienstags direkt".

Die Corona-Pandemie bestimmt aktuell unser Lebens und beeinflusst auch die Wirtschaft und ihre internationalen Finanzmärkte. Haben die Aktienkurse zu Beginn der Pandemie im Frühjahr noch kräftig gewackelt, hat sich der Markt schnell erholt. Während Lieferketten zusammengebrochen, ganze Branchen wie Gastronomie, Hotellerie oder Veranstaltungen im Lockdown und Millionen Menschen in Kurzarbeit sind, zeigt sich die Börse aktuell erstaunlich stabil – in Teilen sogar euphorisch. So sind etwa die Aktien des Impfstoffherstellers Biontech – wenig überraschend –  mit Schwankungen kontinuierlich gestiegen, ähnlich sieht es beim US-amerikanischen Biotechnologieunternehmen "Moderna" aus. Gleichzeitig schwemmen Hilfsgelder  in Milliardenhöhe den Markt; im Eiltempo wird neues Geld geschaffen. Schon jetzt fragen sich viele, ob das gut gehen kann, ob und welche Blasen entstehen, wie groß die wirtschaftlichen Verwerfungen sein werden oder ob eine Inflation folgen kann. Seit Jahren sind die Zinsen niedrig. Wird unser Vermögen weiter entwertet? Wie sieht der Aktienmarkt aus? Wie geht es der Wirtschaft? Und welche Folgen kann diese Pandemie für unser Erspartes haben?

Darüber sprechen wir mit:
Dr. Markus Demary, Institut der Deutschen Wirtschaft Köln
Katrin Seifert, GLS Bank für Nachhaltigkeit
Ivonne Senn, Autorin und Money Coach
Stefan Wolff, ARD-Börsenredaktion

Gewinn aus der Krise?

Die Pandemie erschüttert viele Gewissheiten. Plötzlich ist Geld da, das vorher hart in Haushaltsverhandlungen erkämpft werden musste und doch – gefühlt – nie reichte für Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Schulsanierung oder andere Herausforderungen. Welche Folgen haben die Staatsanleihen? Während einige Unternehmer um ihre Existenz kämpfen erleben andere einen Boom. Ist es gut, jetzt zu investieren? Oder sollte der Fokus lieber auf Absicherung liegen? Wie bekommen wir den finanziellen Durchblick?

Stefan Wolff, ARD-Börsenredaktion
Stefan Wolff, ARD-Börsenredaktion Bildrechte: Stefan Wolff

"Die Börse ist der einzige Platz, an dem alle Menschen von der starken deutschen Wirtschaft profitieren und sich an den Gewinnen beteiligen lassen können. In Zeiten niedriger Zinsen führt kein Weg an der Aktie vorbei."

Risiko der Krise

Aktiengeschäfte können riskant sein, für die Anleger und für die Gesellschaft. Hat sich der Markt durch Spekulationen zu sehr aufgebläht, kann von heute auf morgen alles wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Rückforderungen, wie zur Finanzkrise 2009 führen dann schnell zu Dominoeffekten. Auch die Weltwirtschaftskrise 1929 ging in Teilen auf Kleinanleger zurück, die sich für einen möglichen Gewinn oft hochgradig verschuldeten. Wie also investieren, ohne sich täuschen zu lassen? Gilt die alte Faustregel Gold, Immobilien und Sparvermögen auch heute noch?

Markus Demary, Institut der Deutschen Wirtschaft Köln
Markus Demary, Institut der Deutschen Wirtschaft Köln Bildrechte: Markus Demary

„Sparer sollten nicht nach schnellen Gewinnen Ausschau halten, sondern nach längerfristigen Perspektiven für ihr Geld. Dabei sollten sie genau prüfen, welche Risiken sie eingehen können – und vor allem, welche Risiken zu hoch sind.“

Wie wichtig ist Vermögen?

Während die einen um ihr Vermögen bangen, erscheinen diese Sorgen für andere fast wie Luxus-Probleme, weil sie schlicht keine Rückmeldungen haben. Viele Künstler können seit Monaten nicht mehr auftreten, auch anderen Menschen sind die Einnahmen weggebrochen. Andererseits kommen vermeintlich mittellose Menschen manchmal erstaunlich solide durch schwere Zeiten, andere hingegen scheinen ihr ganzes Geld verjubelt zu haben. Was ist Vermögen eigentlich und wie wichtig ist es für unser Leben? Welches Verhältnis haben wir zu Geld und welches brauchen wir, um sorgenfrei ins Alter zu kommen? Meldungen über Lottogewinner, die nach drei Jahren ihre Millionen ausgegeben hatten, zeigen, dass "Geld bekommen", "Geld behalten" und "Geld vermehren" ganz verschiedene Herausforderungen sind. Wie kann Erspartes durch die Corona-Krise gerettet werden. Und wie lässt sich auch mit bescheidenen Einnahmen Vermögen generieren?

Ivonne Senn, Autorin und Money Coach
Ivonne Senn, Autorin und Money Coach Bildrechte: Ivonne Senn

"Wenn es ums Geld geht, geht es meistens gar nicht um Geld. Sondern um Zeit, Ängste, Träume, Selbstzweifel, Hoffnungen. Kurz: ums Leben."

Verantwortung von Anlegern

Neben den privaten Dimensionen ist Geld auch ein wichtiges Gestaltungsmittel für diejenige, die es haben. Während sich reiche Privatpersonen entscheiden können, ob sie in ihren Golfplatz oder ein Hilfsprojekt investieren, haben die Banken die Möglichkeiten, Kredite zu vergeben und damit Gesellschaft zu gestalten. Lange ist diese Verantwortung wenig thematisiert worden, doch inzwischen wird stärker nachgefragt, ob mit dem Geld einer Bank, Rüstungskonzerne, Waffen, Kohlekraftwerke finanziert oder innovative nachhaltige Unternehmen finanziert werden. Welche Verantwortung sollten Anleger übernehmen? Können Aktiengeschäfte überhaupt nachhaltig sein? Bringen nachhaltige Projekte überhaupt Rendite? Oder ist die Vision einer ökologisch-nachhaltigen Transformation auch im Finanzwesen in der Praxis gar nicht umsetzbar?

Katrin Seifert, GLS Bank für Nachhaltigkeit
Katrin Seifert, GLS Bank für Nachhaltigkeit Bildrechte: Katrin Seifert

"Corona macht uns bewusst, was zählt: Solidarität, Gemeinschaft und ein Bewusstsein dafür, was wir tatsächlich brauchen. So können wir auch mit Geld umgehen, indem wir uns fragen: Wie kann es sozial-ökologisch wirksam sein?"

Kassensturz zum Jahresende: was bedeutet die Krise für unser Geld? – Darüber reden wir bei Dienstags direkt.

Moderation: Jan Kummer
Redaktion: Katrin Tominski
Redaktionsleitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 08.12.2020 | 19:00 Uhr