Rat vom Arzt Wattestäbchen sind tabu - so pflegen Sie Ihre Ohren richtig!

Die Ohrenpflege spielt nicht nur bei Kindern eine große Rolle. Glauben wir den HNO-Ärzten, übertreiben es viele Erwachsene mit der Intensität des Putzens. Was ist zu viel des Guten? Christiane Grüneberg hat einen Arzt gefragt.

Ohrenschmalz - allein der Name klingt irgendwie schmierig und die braune Masse sieht im Gehörgang einfach unappetitlich aus. Deshalb greifen viele von uns zu Wattestäbchen, um das Schmalz möglichst gründlich aus dem gesamten Ohr zu entfernen. Hört man sich um, greifen die meisten für die Reinigung zu Wattestäbchen - eine Frau erzählt: "Ich weiß, man soll das nicht machen. Aber bisher ist noch nichts passiert. Gott sei Dank. Also ich nehme die Wattestäbchen".

Ohrenarzt: Schmalz wichtig Schutz gegen Bakterien und Pilze

Das ist keine gute Idee, meint der Leipziger Ohrenarzt Christian Mozet. Er sagt: "Ohrenschmalz sollte man nur begrenzt entfernen, und zwar immer nur den Anteil, der vorn im Gehörgang liegt und den man problemlos von außen auswischen kann. Der Rest des Ohrenschmalzes ist wichtig für die Schutzfunktion, sodass Bakterien und Pilze abgetötet werden können. Wattestäbchen finden wir prinzipiell nicht gut, weil die Patienten dadurch eher das Ohrenschmalz nach innen schieben und die Verstopfung sogar noch verstärken und eben den gewünschten Reinigungseffekt gar nicht schaffen."

Hausmittel können helfen

Ohrenschmalz wird von ganz allein durch Kaubewegung und die Schlafposition auf der Seite aus dem Inneren des Ohres transportiert. Sollte sich doch mal ein Pfropfen festsetzen, hilft ein Tropfen Salzwasser oder Öl ins Ohr geträufelt. Beides kann über Nacht das verhärtete Schmalz aufweichen. Es wandert dann von alleine wieder raus.

Von Tropfen aus der Apotheke hält Christian Mozet als erstes Hilfsmittel nicht so viel, weil die Ursache der verunreinigten Ohren nicht bekannt ist. Funktioniert das Hausmittel nicht, sollte der Hals-Nasen-Ohren-Arzt einfach einen fachkundigen Blick darauf werfen. Von Spülungen daheim am eigenen Ohr rät der Mediziner ab. Als Grund gibt er an:

Ein HNO-Arzt untersucht das Ohr einer Patientin.
Wer sich hin und wieder professionell die Ohren reinigen lässt, hört auch besser. Bildrechte: IMAGO

Die Patienten haben gar keine Idee davon, wie fest so ein Wasserstrahl da rein gepresst werden kann. Es gibt natürlich auch Patienten, die damit Schaden anrichten und durch den Wasserdruck, der da aufgebaut wird, ihr Trommelfell zerstören, oder die bereits ein vorgeschädigtes Ohr oder ein Loch im Ohr haben, wo dann Wasser ins Mittelohr eingepresst wird. Das sollte in den Händen von HNO-Ärzten bleiben. Wattestäbchen können die Verstopfung im Ohr sogar noch verstärken.

Christian Moze HNO-Arzt

Wer Probleme mit den Ohren hat - immer die Lauscher trocken fönen

Frau mit Föhn
Wer immer wieder Probleme mit den Ohren hat, sollte sie gründlich trocken fönen. Das gilt auch für Kinder. Bildrechte: Colourbox.de

Zu viel Feuchtigkeit kann dem Ohr zusätzlich schaden. Deshalb, empfiehlt Christian Mozet seinen Patienten Folgendes: "Wir haben natürlich eine Reihe von Patienten, die haben chronische Ohrprobleme, wiederholte Gehörgangs-Entzündungen bakterieller Art oder durch Pilzinfektionen oder chronisches Ohrlaufen. Und da gilt ganz prinzipiell: Wenn Wasser an das Ohr gekommen ist, dann sollte danach auf jeden Fall trocken gefönt werden. Für gesunde Ohren reicht es völlig aus, den äußeren Gehörgang nach dem Duschen mit dem Handtuch oder einem Taschentuch auszuwischen.

Das Ohr darf grundsätzlich nur so tief gereinigt werden, wie der eigene Finger hineinpasst. Wattestäbchen, Zahnstocher, Stricknadeln oder andere spitze Gegenstände haben im Ohr nichts verloren. Im Gegenteil - der dauerhafte Einsatz solcher sogenannter Hilfsmittel kann im schlimmsten Falle zur Verletzung des Trommelfells führen.

Quelle: MDR/cg/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.11.2020 | 10:00 - 12:00 Uhr

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