Verbrauchertipp Die Kfz-Versicherung wechseln: Was ist zu beachten?

Zum Ende des Jahres kann jeder, der möchte, die Kfz-Versicherung wechseln. Nicht nur ein günstigerer Tarif kann ein Grund sein, sich eine neue Versicherung zu suchen. Allgemein geht man in diesem Jahr sogar davon aus, dass die Tarife eher fallen als steigen. Der Grund ist die Corona-Lage. Was dabei zu beachten ist, erklärt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale in Sachsen.

Hände halten Spielzeugauto
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Wann und aus welchem Grund kann man die Kfz-Versicherung wechseln?

Man kann immer zum Ablauf des Versicherungsjahres die Kfz-Versicherung kündigen. Das entspricht ja meistens dem Kalenderjahr. Dazu muss man noch eine einmonatige Kündigungsfrist beachten. Ganz konkret heißt das also, dass am 30. November die Kündigung nachweisbar beim Versicherer vorliegen muss.

Darüber hinaus gibt es auch noch die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung und zwar bei jeder Prämienerhöhung. Diese kamen in der Vergangenheit häufig erst nach dem 30.11. beim Verbraucher an, sodass diese Betroffenen dann oft noch die Möglichkeit hatten, bis Anfang Januar beispielsweise den Anbieter zu wechseln. Darauf sollte man aber dieses Jahr nicht vertrauen.

Versicherungsprämien werden in diesem Jahr, aufgrund von Corona, eher fallen als steigen.

Andrea Heyer | Verbraucherzentrale in Sachsen

Wann lohnt sich ein Wechsel? Was kann ich wirklich einsparen?

Für den einen lohnt es sich, wenn er im Jahr 50 Euro sparen kann. Für den anderen ist das zu wenig. Das muss jeder für sich ganz allein entscheiden. Und mitunter ist es ja auch nicht nur der Preis, der zu einem Wechsel animiert, sondern beispielsweise auch Unzufriedenheit mit dem Service.

Stimmt es, dass es das größte Sparpotenzial bei Verträgen gibt, die seit vielen Jahren unverändert bestehen?

Ja. Aber wer nicht so wechselwillig ist, dem sei auch noch geraten, bei dem eigenen Unternehmen noch einmal nach einem neuen Tarif zu fragen. Häufig werden nämlich Bestandskunden gern vergessen und die besseren Tarife nur den Neukunden angeboten.

Tipp: Fragen Sie bei Ihrer Versicherung ruhig gezielt nach, ob ein günstigerer Tarif möglich ist!

Lohnt sich die Suche auch für Senioren und Fahranfänger oder zahlen diese Gruppen generell bei der Kfz-Versicherung drauf?

Ein älterer Mann sitzt im Auto und spieglt sich im Seitenspiegel.
Ältere Autofahrer zahlen eine höhere Versicherungsprämie. Ein Preis-Vergleich lohnt sich. Bildrechte: Colourbox.de

Ja, leider ist es grundsätzlich so, dass gerade diese Personengruppen eine höhere Prämie zahlen, weil nach der Unfallstatistik eben mehr Vorgänge registriert werden. Aber gerade deshalb kann man diesen Personen empfehlen, zu vergleichen und gegebenenfalls zu wechseln. Und man kann sicherlich innerhalb der Familie auch noch prüfen, ob es möglich ist, den Preis für die Kfz-Versicherung günstiger zu gestalten. Die Situation haben wir ja auch bei Fahranfängern, wenn die Versicherung über die Eltern laufen kann. Das kann man auch bei Senioren in Betracht ziehen.

Wie informiert man sich über die Tarife der Versicherungen? Was ist von Vergleichsportalen im Internet zu halten?

Bei den Vergleichsportalen muss man wissen, das dort nicht immer alle günstigen Anbieter aufgeführt sind. Da ist immer die Frage: Wer steckt hinter dem Portal und mit wem arbeitet es zusammen? Günstige Versicherer fallen da auch schon mal raus. Für die erste Vororientierung ist es eine gute Hilfestellung. Bei der Stiftung Warentest kann man sich einen ganz individuellen Vergleich erstellen lassen. Wer Fragen hat, kann sich natürlich auch bei der Verbraucherzentrale in der persönlichen, telefonischen Beratung oder über E-Mail Auskunft holen.

Gibt es bei der Autoversicherung auch teure Bestandteile, ähnlich wie beim Hausrat, auf die man verzichten kann?

Generell und gerade bei der Fahrzeugversicherung, also der Kasko, sollte man sich vorab im Klaren darüber sein, welchen Versicherungsschutz man braucht oder auch wünscht und wo gegebenenfalls Sparpotenzial liegt. Ein Beispiel ist der Umstieg von der Vollkasko- auf die Teilkasko-Versicherung. Wenn das Auto nicht mehr ganz so neu ist, lohnt sich häufig ein solcher Wechsel.

Ein Unfall-Sachverständiger nimmt den Unfallschaden auf.
Wer ein älteres Auto fährt, benötigt keine Vollkasko-Versicherung mehr. Für den neuen Tarif lohnt der Preisvergleich bei den Versicherungen. Bildrechte: imago/bonn-sequenz

Es gibt Versicherungen mit sogenannten Telematik-Tarife. Ähnlich wie beim Flugzeug wird eine Black-Box im Auto verbaut. Sollte man davon lieber die Finger lassen?

Telematik-Tarife gibt es schon seit einer gewissen Zeit und man kann nicht pauschal sagen, dass man davon die Hände lassen soll. Man sollte wissen, worauf man sich dabei einlässt und das die eigenen Fahrdaten offen gelegt werden. Für ein risikoarmes Fahren bekommt man dann eine günstigere Prämie. Das können sogar bis zu 30 Prozent sein. Das ist ein Angebot, über das junge Fahrer durchaus nachdenken.

Quelle: MDR/th/in

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 04.11.2020 | 10:00 - 12:00 Uhr

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