Marios Genüsse - Die schönen Dinge des Lebens | Podcast Was uns im Osten schmeckte - Kulinarische Rückblicke und genussvolle Wiederentdeckungen

mit Podcast-Gast Peter Kube

Peter Kube 52 min
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52 min

Marios Genüsse - Die schönen Dinge des Lebens | Podcast Was uns im Osten schmeckte - mit Peter Kube

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Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Zwingertrio-Mitbegründer Peter Kube erinnert sich lebhaft an die Küche der DDR und die Leckerbissen aus der Kindheit. Im Podcast erzählt er, was er davon heute noch gerne isst.

MDR SACHSEN Sa 13.11.2021 07:00Uhr 52:28 min

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Bockwurst mit Brot, Senfeier mit Kartoffeln, Würzfleisch oder "Tote Oma": Im Osten liebten und lieben es viele Genießerinnen und Genießer rustikal, herzhaft und bodenständig. 

Auch der Kabarettist, Schauspieler, Regisseur und Zwingertrio-Mitbegründer Peter Kube erinnert sich lebhaft an die Küche der DDR und die Leckerbissen aus der Kindheit. 

Drei panierte Scheiben Jagdwurst liegen als Jägerschnitzel auf einer Portion Spirelli mit Tomatensoße
Auch ein DDR-Klassiker: Jägerschnitzel Bildrechte: dpa

Bis heute ergänzt Kube den eigenen Speiseplan gern um die Klassiker von einst, ob nun Spirelli mit Tomatensoße oder Rindsroulade mit Klößen.  

Peter Kube, Jahrgang 1956, holt die handgemachte Küche sogar auf die Bühne. Seit vielen Jahren kochen er und seine Frau, die Schauspielerin Cornelia Kaupert, gemeinsam mit prominenten Gästen deren Lieblingsrezepte. Die Reihe "Ku(h)linarisches im Kuhstall" findet in Hoppes Hoftheater in Dresden statt und bietet köstliches Entertainment.

wingertrioauftritt zum 35jährigen Bühnenjubiläum im Sommer 2017 im Steintorvarieté Halle.
Tom Pauls, Peter Kube und Jürgen Haase als "Zwingertrio in Aktion Bildrechte: MDR

Im Podcast erzählt Peter Kube über seine eigenen kulinarischen Vorlieben und über die von Kollegen, beispielsweise der beiden Zwingertrio-Mitstreiter Tom Pauls und Jürgen Haase.

Nun drei Fragen, drei Antworten: 

MDR: Die Kindheit prägt den Genuss: Was gab es da einst bei den Kubes?

Peter Kube: Wir waren zu acht, sechs Kinder und die Eltern. Also mussten Gerichte auf den Tisch, die satt machten und für so viele Leute an der Tafel in der Zubereitung auch zeitlich zu bewerkstelligen waren.

ein Teller mit Grützwurst und Kartoffeln
Eine der Leibspeisen von Peter Kube: "Tote Oma" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eines meiner Lieblingsgerichte war Grützwurst, landläufig Tote Oma genannt, also flüssige Blutwurst, würzig, mit Zwiebeln, Kartoffelbrei. Das ist ein Geschmack, der bleibt. Ich mag "Tote Oma" bis heute.

Im Jahr 1982 gründete sich die Kabarettgruppe "Das Zwingertrio". Drei vom gleichen Schlag - auch mit gleichem kulinarischen Geschmack?

Zumindest, was die Getränke betrifft! Nach getaner Arbeit spielt Bier die erste Geige beim Zwingertrio, auf Gastspielen trinken wir den Gerstensaft sehr gern gemeinsam, selbstverständlich in Maßen. Ansonsten: Ich habe zu DDR-Zeiten Fisch nicht gemocht, die anderen schon. Inzwischen esse ich ihn ganz gerne, ob Rollmops oder Ostseedorsch. Dafür isst einer von uns kein Sushi. Grundsätzlich gilt für das Zwingertrio: Wir sind beim Thema Essen offen für Neues - und essen das, was an unseren Auftrittsorten Tradition hat, womit wir dann meist auch von den Gastgebern verwöhnt werden, beispielsweise im Eichsfeld mit der köstlichen Wurstsorte Feldkieker. 

Von den DDR-Klassikern Bockwurst, Würzfleisch, Broiler - welcher ist Kubes Liebling?

Eindeutig Bockwurst! Ich gestehe, dass ich einer guten, frischen, heißen Bockwurst mit Senf und einer Scheibe Brot nicht widerstehen kann. Der Geruch allein betört micht - und wenn auch die Vernunft sagt, besser auf die Wurst zu verzichten: ich esse sie. Sie macht mich glücklich, gibt ein gutes Gefühl! Auch wenn ich sie derzeit ohne Brot esse, weil ich gerade Kohlenhydrate meide: mein persönlicher Kohleausstieg! 

Eine Bockwurst auf eine Gabel aufgespießt
Peter Kubes Lieblings-DDR-Klassiker: Bockwurst mit Senf Bildrechte: imago/Westend61

Peter Kubes Lieblingsrezept

von seiner Frau Cornelia Kaupert (nachzulesen im Buch "Meine Küche – Genuss und Leidenschaft", Hrsg. Armin Schumann, Oberlausitzer Verlag)

Hühnchen a la Cornelia

Für den besonders saftigen Genuss braucht man Zeit und ein schönes Landhuhn von 1,5–2 Kilogramm Gewicht, das man über Nacht in einer Lake baden lässt. Dafür benötigt man pro Liter Wasser 60 g Salz. Über einen Teelöffel Honig und einige Spritzer Zitronen-, Limetten- und Orangensaft wird das Salzwasser nicht klagen.

Im Vorfeld werden alle Ingredienzen aufgekocht und wieder abgekühlt. Nun kann das Huhn in einem großen Gefäß vollkommen mit der Lake und einem Deckel bedeckt übernachten. Gut unter Wasser bleibt das Hühnchen, wenn man in seinem Bauch einen Mörser platziert. Und kühl sollte es das Tier haben. Im Sommer natürlich im Kühlschrank, im Winter reicht der Balkontisch.

Am nächsten Tag wird unser Huhn aus der misslichen Lage befreit und liebevoll trocken getupft. Noch schnell den Wunschknochen (Gabelbein) entfernen und das Bäuchlein von unserem Prachtstück mit einer angepiksten Bio-Zitrone, drei Knoblauchzehen und Kräutern (Thymian, Estragon, Rosmarin, Salbei, Oregano) befüllen. Genussmenschen schieben noch rasch einige ganz dünne Knoblauchscheiben und/oder ein paar zarte Blättchen Salbei unter die mit zwei Fingern sanft gelöste Brusthaut. Die Freude soll beim Verzehr grenzenlos sein!

Doch zunächst wird die immer noch fahle Haut des Geflügels mit einer dicken Schicht weicher Butter an allen Stellen verwöhnt. Und dann wandert der Vogel für 1–1,5 Stündchen in den 90 °C warmen Ofen, liebevoll gebettet auf dem Ofenrost. Um aufwendige Reinigungsarbeiten zu vermeiden, sollte sich unter dem Rost ein Blech befinden. Unser Hühnchen ist halb fertig, wenn es beim Fiebermessen an der dicksten Stelle der Brust ca. 75  °C aufweist. Dann darf es aus dem Ofen und sich etwas erholen und abkühlen, damit sich seine köstlichen Säfte überall verteilen können. Dafür bekommt der Vogel 45–60 Minuten Zeit.

In der Zwischenzeit hat der Chef viele Blättchen Thymian fein gehackt und mit leicht salziger, geschmolzener Butter vereint. Mit einem feinen Pinsel wird das Gemisch geschmeidig auf die immer noch sehr blasse Haut des Huhns aufgetragen. Und nun kann es endlich für das Finale in das Rohr, das nochmal all seine Kräfte mobilisiert hat und eine Hitze von 230–250 °C aufbringt. 10–15  Minuten darf das Hühnchen dort zubringen (Sichtprobe ist hier empfohlen!) ... und endlich bekommt es seine Freiheit.

Entzückend sieht es aus, sonnengebräunt, und schmiegt sich so lieblich an den grünen Salat an. Und erst der Duft ...

Broiler im Backofen
DDR-Broiler waren die einfachste Form, ein gebratenes Hühnchen zu genießen.
Das Federvieh ist hierzulande nach wie vor beliebt, inzwischen in sehr raffinierten Varianten.
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Mario Süßenguth
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Über den Podcaster

Mario Süßenguth, Jahrgang 1970, hat mehrere Bücher zu historischen und kulinarischen Themen veröffentlicht, darunter eines über barocke Genüsse und Tafelsitten in Dresden und Europa. Seit 1997 arbeitet er als Autor und Reporter für MDR SACHSEN, vorzugsweise in den Bereichen Kultur und Lebensstil.

 

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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.10.2021 | 10:00 - 13:00 Uhr