Marios Genüsse - Die schönen Dinge des Lebens | Podcast Sächsischer Whisky nach schottischem Vorbild

Zwei Herren mit Gläsern in ihren Händen stehen nebeneinander und schauen in die Kamera. 60 min
Bildrechte: Dresdner Whisky Manufaktur UG

In Deutschland und in Sachsen wächst die Zahl kleiner, handwerklicher Whiskybrennereien. In der Oberlausitz, in Radebeul oder in Freiberg gibt es spezielle Sorten dieser klassischen Spirituose, die viele bislang vor allem mit Schottland, Irland oder den USA in Verbindung bringen.

Eine der größten deutschen Whisky-Brennereien steht nun in Dresden kurz vor der Inbetriebnahme. Die Manufaktur im Alberthafen ist die verwirklichte "Schnapsidee" der beiden Whisky-Liebhaber Frank Leichsenring, gebürtiger Vogtländer, und Thomas Michalski. Die Freunde aus Sachsen kamen schon vor Jahren auf den Geschmack. Seit einiger Zeit veredeln sie hierzulande importierten schottischen Roh-Whisky in einstigen Bourbon-Fässern. Jetzt nun folgt der Selbstgebrannte. Geduld bleibt oberste Tugend: Das aus Getreide gewonnene Genussmittel muss mindestens drei Jahre im Holzfass reifen, bis es als "Whisky" verkauft werden darf.

Holzfässer
Mindestens drei Jahre muss das Getränk aus Getreide im Holzfass reifen, bis es als "Whisky" verkauft werden darf. Bildrechte: Colourbox.de

Was ist das Faszinierende an Whisky?

Thomas Michalski: Für mich stellt Whisky kein Getränk, sondern eine Weltanschauung dar, wie ein weiser Mann einst sagte! Die Aromen für die Nase und für den Gaumen sind so vielfältig und komplex, von fruchtig bis rauchig, dass ich immer wieder aufs Neue überrascht bin, wie aus Gerstenmalz, Wasser, dem Brennen und dem Reifen im Fass ein Getränk entsteht, das je nach Hersteller immer unterschiedlich schmeckt, mit einem kleinen Geheimnis darin.

Frank Leichsenring: Ähnlich wie bei einem ausgewählten guten Rotwein beeindruckt mich die Erfahrung, das Können und die Geduld, die in jeder Flasche guten Whiskys steckt. Neben den Aromen spielt auch die Farbe eine Rolle, heller bis dunkler Bernstein – ein Genuss im Glas!

Drei Whiskygläser vor einem Whiskyfass
Für Kenner ist es beeindruckend, wie aus Gerstenmalz, Wasser, dem Brennen und dem Reifen im Fass ein so geheimnisvollen Getränk entsteht. Bildrechte: Colourbox.de

Wie genießen Kenner Whisky am liebsten?

Thomas Michalski: Ich mag es nicht, anderen Vorschriften zu machen, wie und woraus sie Whisky trinken. Dennoch halte ich es für mich so, dass zum Whiskygenuss eine Kultur gehört, das Glas zum Beispiel, das den Duft optimal hervorbringt. Und der kleine Tropfen Wasser, mit der Pipette ins Whisky-Glas gegeben, verändert tatsächlich den Geschmack auf unglaublich faszinierende Weise.

Frank Leichsenring: Ich genieße mein Glas Whisky abends ab 20 Uhr, das Getränk auf Zimmertemperatur bei etwa 21 Grad – ohne Eis!

Bei schottischem Whisky gilt als Faustregel: je älter gereift, desto besser im Geschmack. Hieße also, bis der Dresdner Whisky wirklich edel ist, dauert es noch zehn Jahre oder mehr?

Thomas Michalski: Fasslagerung in Schottland geschieht unter völlig anderen klimatischen Bedingungen als hierzulande. Auf der Insel gibt es keinen Frost, die Temperaturen schwanken übers Jahr weitaus weniger, so dass schottischer Whisky dort im Fass anders reift, durchaus 25 Jahre, ohne dramatischen Schwund im Fass.

Frank Leichsenring: Bei uns ist das gelagerte Whisky-Fass Temperaturunterschieden von 40 Grad ausgesetzt. Dadurch verringert sich der Fassinhalt viel schneller. Und, was uns unabhängige Fachleute bestätigen: Die Reifung in Deutschland erhöht sich etwa um den Faktor 1,5 bis 2 gegenüber in Schottland gereiften Whiskys.

Für uns ist wichtig: Wie schmeckt unser eigenes Produkt in drei Jahren? Ist die Qualität mit den besten schottischen Whiskys nach unseren Vorlieben vergleichbar?

Whiskyglas vor Whiskyfässern
Wie lande muss Whisky in Deutschland lagern, bis er wirklich edel ist? Bildrechte: imago/imagebroker
Mario Süßenguth
Bildrechte: Axel Berger

Über den Podcaster

Mario Süßenguth, Jahrgang 1970, hat mehrere Bücher zu historischen und kulinarischen Themen veröffentlicht, darunter eines über barocke Genüsse und Tafelsitten in Dresden und Europa. Seit 1997 arbeitet er als Autor und Reporter für MDR SACHSEN, vorzugsweise in den Bereichen Kultur und Lebensstil.

 

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | 07. März 2022 | 10:00 Uhr