MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 14.04.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr Reparieren oder neu kaufen – brauchen wir ein Recht auf Reparatur?

Zwei Jahre sind eigentlich noch kein Alter für Fernseher, Drucker und Co. Ärgerlich, wenn so ein Gerät trotzdem kaputt geht. Eine Reparatur? Oft teurer als der Neukauf – oder von vornherein schon unmöglich. Brauchen wir ein Recht auf Reparatur? Darüber sprechen wir im Podcast.

Bei so manchem elektronischen Gerät, da könnte man schwören, dass es genau 2 Jahre nach dem Kauf kaputt gegangen ist – also direkt nach Ende des Gewährleistungszeitraums. Der Drucker hört plötzlich auf zu drucken und zeigt eine Fehlermeldung, der Mixer überhitzt und riecht verschmort, der Akku des Handys hält kaum noch ein paar Stunden (und kann auch nicht so einfach ausgetauscht werden). Reparieren lohnt sich nicht – zu teuer.

Gebaut, um kaputt zu gehen?

Zumindest dieses eine Teil, das genau dann kaputt geht, wenn die Gewährleistung vorbei ist, habe man bei der Stiftung Warentest noch nicht gefunden, sagt Holger Brackemann von der Stiftung Warentest. Dennoch gingen Geräte aus vielen anderen Gründen vorzeitig kaputt. Im Computerbereich zum Beispiel wegen fehlender Kompatibilität älterer Geräte. Neue Apps auf dem alten Smartphone? Geht nicht. Sicherheitsupdates für alte Tablet-PC's? Fehlanzeige. Oft ist man gezwungen, neu zu kaufen. Daneben gebe es, so Brackemann weiter, noch viele Geräte, die einfach billig konstruiert seien. Staubsauger und Bohrmaschinen, die im Haltbarkeitstest schnell versagen und auf einen dauerhaften Betrieb einfach nicht ausgelegt sind.

Wie kann man das Wirtschaftssystem so anpassen, dass es nachhaltiger funktioniert und wir nicht auf ständiges Neu-Kaufen angewiesen ist? Und wie schafft man Kreisläufe, die gleichermaßen verantwortungsvoll mit Ressourcen auf der einen und dem Geldbeutel der Konsumentinnen und Konsumenten auf der anderen Seite umgehen?

Ein Recht auf Reparatur

In Sachen Reparierbarkeit sind andere Länder Deutschland voraus. Beispielsweise gibt es in Schweden eine niedrigere Mehrwertsteuer auf Reparaturen und in Frankreich wird an einem Reparatur-Label gearbeitet, das beim Kauf sichtbar machen soll, wie gut ein Gerät zu reparieren ist und wie einfach Ersatzteile zu bekommen sind.

Dass Kundinnen und Kunden ein Recht darauf haben, ihre Geräte zu angemessenen Preisen reparieren (lassen) können, dafür kämpft unter anderem der Verein "Runder Tisch Reparatur". Er wurde im Oktober 2015 gegründet. Seine Partner sind zahlreiche Unternehmen und Verbände, wie etwa der Verbraucherzentrale Bundesverband, das Netzwerk Reparatur-Initiativen oder der Naturschutzbund "NABU". Es geht den Akteurinnen und Akteuren um nachhaltigeres und ressourcenschonendes Wirtschaften sowie die Förderung von lokalen Unternehmen.

Wie könnte ein "Recht auf Reparatur" politisch umgesetzt werden? Und welche Verantwortung tragen wir als Verbraucherinnen und Verbraucher selbst? Darüber sprechen wir im Podcast mit unseren Gesprächspartnerinnen und -partnern.

Erik Poppe | Mitherausgeber des Buches "Geplante Obsoleszenz -
Hinter den Kulissen der Produktentwicklung"

Erik Poppe
Bildrechte: Erik Poppe

Mit der richtigen Planung von Obsoleszenz und Verschleiß können Produkte länger halten. Wir brauchen mehr Planung, nicht weniger.

Olaf Kleinig | Diplom-Ingenieur und Unternehmer

Olaf Kleinig
Bildrechte: Olaf Kleinig

Ingenieurskunst hat Langlebigkeit im Blick, Unternehmen sind oft von Kosten- und Verkaufsdruck getrieben.

Weitere Gäste in der Sendung

Lisa Kuhley Café kaputt - Reparaturcafé und Bildungsprojekt in Leipzig
Katrin Meyer Runder Tisch Reparatur
Holger Brackemann Stiftung Warentest
Matthias Huisken iFixit GmbH
Michael Braungart Entwickler des Cradle-to-Cradle-Konzepts
Elke Salzmann Verbraucherzentrale Bundesverband

Redaktion: Lucas Görlach
Leitung: Ines Meinhardt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.04.2020 | 20:00 - 23:00 Uhr