Radfahrer trägt Kopfhörer
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Ratgeber von MDR SACHSEN Rund ums Verkehrsrecht - Radfahrer im Straßenverkehr

Egal ob Arbeitsweg oder Freizeit: Radfahren ist mehr als nur eine Alternative für staugeplagte Innenstädte. Warum ist das Fahrrad auf dem Vormarsch? Was gilt es beim Verkehrsrecht zu beachten? MDR SACHSEN hat bei Lars Pätzhorn, Fachanwalt für Verkehrsrecht, nachgefragt.

Radfahrer trägt Kopfhörer
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Welche sind die häufigsten Fehler, die Radfahrer im Straßenverkehr machen?

Lars Pätzhorn: Ein Kardinalfehler ist, dass viele den Gehweg benutzen, der nur für die Fußgänger vorgesehen ist. Dann, dass sie den Radweg in entgegengesetzter Fahrtrichtung benutzen. Häufig erlebe ich bei Dunkelheit, dass Radfahrer ohne Licht fahren.

Was machen Autofahrer in Bezug auf Radfahrer falsch?

Lars Pätzhorn: Sie machen häufig den Fehler, dass sie die Radfahrer nicht mit einem ausreichenden Sicherheitsabstand überholen. Ganz gefährlich sind parkende Fahrzeuge, bei denen sich dann plötzlich die Fahrertür öffnet, ohne dass man nach hinten geschaut hat. So dass man den Fahrradfahrer dann "aufgabelt" im wahrsten Sinne des Wortes. Und natürlich beim rechts Abbiegen – insbesondere was die LKW betrifft. Da gibt es den toten Winkel. Dabei sieht man den nahenden Fahrradfahrer auf dem Radweg nicht. So kommt es zu ganz bösen Unfällen.

Darf der Radfahrer auf der Straße fahren, obwohl ein Radweg ausgewiesen ist?

Lars Pätzhorn: Das hängt davon ab, ob und in wie weit dieser Radweg beschildert ist. Wenn da ein Schild vorhanden ist mit blauem Grund und mit einem weißen Fahrrad darauf, dann gibt es einen sogenannte "Fahrradweg-Benutzpflicht". Dann muss der Radfahrer diesen Weg auch nutzen. Er darf nicht auf der Straße fahren. Ausnahme ist natürlich, denn der Radweg zugeparkt ist, wenn er zugeschneit ist oder andere Hindernisse sich auftun. Er muss objektiv befahrbar sein. Ansonsten darf natürlich der Radfahrer auch auf die Fahrbahn ausweichen.

Wie groß muss der Abstand sein, wenn man als Autofahrer einen Radfahrer überholt?

Lars Pätzhorn: Im Gesetzt ist es nicht normiert, also es gibt keine konkreten Angaben. Aber in der Rechtsprechung hat sich so ein bisschen herausgearbeitet: 1,50 m Seitenabstand zu einem Fahrradfahrer. Sollte der noch mit einem Hindernis, zum Beispiel mit einem Kind, unterwegs sein, dann werden sogar zwei Meter Abstand vorgeschrieben.

Wie weit rechts muss ein Radfahrer fahren, wenn er die Straße nutzt?

Lars Pätzhorn: Es gibt den §2 StVO, wo drin steht, man muss möglichst weit rechts fahren. Und in dem Begriff "möglichst" steckt der Begriff "möglich". Also es muss ihm auch möglich sein, rechts zu fahren. Wenn das so ist, dass sich rechts ein Gullideckel auftut, wenn dort Eis bzw. Schnee liegt oder auch ein geparktes Fahrzeug steht, dann kann er nicht ganz rechts fahren. Aber ansonsten zwischen 80 cm und einem Meter in etwa.

Darf man als Radfahrer eine rote Ampel einfach über den Fußweg überfahren?

Lars Pätzhorn: Nein, natürlich nicht. Das ist das, was im Straßenverkehr häufig zu erkennen ist: dass Radfahrer auf den Gehweg ausweichen und über eine grüne Fußgängerampel fahren. Wenn es da zum Unfall mit einem PKW kommt, dann trifft die alleinige Schuld den Radfahrer. Der Autofahrer rechnet nicht damit, als querender Verkehrsteilnehmer damit, dass plötzlich jemand von rechts mit einer relativ hohen Geschwindigkeit über ne Fußgängerampel fährt. Schiebt er sein Fahrrad allerdings über den Weg für Fußgänger, wäre das die richtige Variante.

Darf ich mit dem Rad über einen Zebrastreifen fahren?

Lars Pätzhorn: Das hängt davon ab, ob Verkehr von rechts oder von links kommt. Wenn also kein Verkehr zu erkennen ist, also keine Gefährdung eines PKW zu erkennen ist, dann darf ich mit dem Fahrrad über einen Zebrastreifen fahren. Kommt ein Verkehrsteilnehmer von links oder von rechts, muss ich absteigen und drüber schieben.

Welche Ampel gilt für Radfahrer an einer Kreuzung – die für Fahrzeuge oder Fußgänger?

Lars Pätzhorn: Wenn es keine Ampel extra ausgewiesen für Fahrradfahrer gibt gilt die Ampel für Fahrzeuge.

Dürfen Radwege in beide Richtungen befahren werden?

Lars Pätzhorn: Ich darf den Radweg in entgegengesetzter Richtung als Radfahrer nur dann nutzen, wenn er explizit für mich dort ausgewiesen ist. In diesem Fall werden bei Einmündungen die Verkehrsteilnehmer darauf hingewiesen, dass dort ein Radweg kreuzt, der für beide Fahrtrichtungen gilt.

Müssen E-Bikes und Pedelecs auf dem Radweg fahren oder auf der Straße?

Lars Pätzhorn: Pedelecs sind bis 25 km/h ausgestattet und werden damit einem Radfahrer gleichgestellt. Wenn es eine Verpflichtung dazu gibt, hat der Pedelec-Fahrer also auch den Radweg zu benutzen. Das kann der E-Bike-Fahrer nicht. Er wird eher einem Mofafahrer gleichgestellt. Er muss auf der Fahrbahn fahren. Das gleiche gilt für Wege, die sowohl für Fußgänger als auch für Radfahrer ausgewiesen sind.

Müssen Kinder bis acht Jahre auf dem Gehweg fahren?

Lars Pätzhorn: Ja, diese Verpflichtung besteht, weil Kinder in diesem Alter im Straßenverkehr noch nicht eingewöhnt sind. Jede begleitende Person über 16 Jahre darf dieses Kind auf dem Gehweg mit dem Fahrrad begleiten – dies gilt allerdings nur für eine Person.

Dürfen Fahrradfahrer nebeneinander fahren?

Lars Pätzhorn: Nicht, wenn andere Verkehrsteilnehmer dadurch gefährdet sind. Ausnahme ist ein Verband mit mindestens 16 Fahrrädern.

Gilt eine Helmpflicht für Radfahrer?

Fahrradhelm, Fahrrad
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Lars Pätzhorn: Anders als bei Motorradfahrern besteht keine Helmpflicht. Laut BGH haftet der Radfahrer, der bei einem Unfall keinen Helm getragen hat, nicht mit. Das heißt, wenn er schwere Kopfverletzungen davon trägt, hat der Unfallgegner im Falle, dass er den Unfall verursacht hat, die Folgen zu 100% zu übernehmen.

Darf man als Radfahrer an Autos, die an einer roten Ampel warten, rechts vorbei fahren?

Lars Pätzhorn: Ja. Es steht im Gesetz, dass der Radfahrer rechts an wartenden Fahrzeugen bis zur Ampel vor fahren darf, wenn er einen ausreichenden Sicherheitsabstand lässt. Dabei geht man in der Regel von einem Meter aus. Das bezieht sich nur auf den Fall, dass rechts der Straßenrad angrenzt. Er kann mich nicht zwischen zwei Fahrzeugschlangen hindurchschlängeln. Das ist verboten.

Dürfen Radfahrer selbst angetrunken noch Fahrrad fahren?

Lars Pätzhorn: Von dürfen kann überhaupt keine Rede sein. Es besteht eine Verschiebung der absoluten Fahruntüchtigkeit. Die liegt bei den PKW-Fahrern bei 1,1 Promille, bei den Fahrradfahrern bei 1,6 Promille. Ansonsten ist der Radfahrer auch haftbar zu machen, wenn er mehr als 0,3 Promille im Blut hat und einen Unfall verursacht. Wenn der auf einen Fahrfehler zurück zu führen ist, kann er dafür auch strafrechtlich belangt werden.

Darf man als Radfahrer das Handy während der Fahrt nutzen?

Lars Pätzhorn: Natürlich nicht. Auch hier können Bußgelder in Höhe von 55 Euro ausgesprochen werden.