Ein Pkw fährt auf einen SUV auf.
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Fragen und Antworten Was tun, wenn ein Unfall passiert ist?

Unser Experte im Studio: Lars Pätzhorn, Fachanwalt für Verkehrsrecht

Wenn ein Verkehrsunfall passiert, sind die Beteiligten meist etwas durcheinander. Egal, ob schuldig oder nicht. Dann ist es wichtig, ein paar Dinge der Reihe nach abzuarbeiten. Wir klären, welche das sind.

Ein Pkw fährt auf einen SUV auf.
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MDR SACHSEN: Was hat man als Unfallopfer oder Verursacher am Unfallort als erstes zu tun?

Rechtsanwalt Lars Pätzhorn: Wir können differieren: Wenn ich unschuldig bin, macht es Sinn, recht schnell die Polizei zu rufen. Aber zuerst sollte man natürlich die Warnblinkanlage anschalten, das Warndreieck aufstellen und den Unfallort sichern. Wenn möglich, Zeugen befragen, weil die sonst recht schnell weg sind und Fotos vom Unfallort machen. Häufig wird man von der Polizei aufgefordert, die Unfallstelle zu räumen, dann ist es gut, Fotos von der Unfall-Endstellung zu haben.

Wie lange muss man am Unfallort auf die Polizei warten, ohne dass es Unfallflucht ist?

Das hängt von vielen Kriterien ab. Auch von der Tageszeit. Wenn man nachts um eins einen Unfall auf der Landstraße hat, kann keiner erwarten, dass man dort zwei Stunden auf die Polizei wartet. Die Wartezeit sollte mindestens 30 Minuten betragen. Ansonsten sollte man die nächste Polizeidienststelle aufsuchen und eine Selbstanzeige aufgeben.

Ein anderer Verkehrsteilnehmer ist schuld am Unfall, zumindest ist das die Meinung am Unfallort. Es werden Namen und Adressen ausgetauscht. Der Unfallverursacher sagt, ich kläre das mit meiner Versicherung. Sollte man in dem Fall trotzdem die Polizei rufen oder hoffen, dass alles geregelt wird?

Wenn ich mich darauf einlasse, wäre es gut, die Auskunft vom Unfallverursacher schriftlich einzufordern, auch wenn diese Schriftstücke nur einen begrenzten Wert haben. Günstig wäre es, die Polizei zu rufen.

Wenn ich unschuldig in einen Verkehrsunfall verwickelt bin, zahlt dann die Versicherung des Verursachers Sach- und Personenschäden? Welche Kosten können darüberhinaus geltend gemacht werden?

Eine Mechanikerin hantiert am Unterboden eines Autos.
Sie sind unschuldig am Unfall? Dann zahlt die Versicherung des Verurachsers die Werkstattkosten. Bildrechte: IMAGO

Wenn die Haftung zu 100 Prozent feststeht, dann hat die Haftpflichtversicherung des Gegners alles zu übernehmen. In der Praxis sieht das häufig anders aus, weil sich die Versicherungen weigern, 100 Prozent zu übernehmen. Sachschäden sind Reparaturkosten. Dazu zählen auch Sachverständigenkosten, Abschleppkosten, Standkosten, Bergungskosten oder bei Totalschäden der Wiederbeschaffungsaufwand. Bei Personenschäden ist es das Schmerzensgeld, aber auch entgangener Verdienst, wenn ich länger als sechs Wochen arbeitsunfähig bin. Geltend gemacht werden können auch Kosten für die Haushaltsführung.

Wer steht für die Kosten ein, wenn ein Auto nach dem Unfall abgeschleppt oder geborgen werden muss?

Es kommt darauf an, wer den Unfall verursacht hat. Wenn ich selber dafür verantwortlich bin, muss ich selber zahlen. Dann ist es günstig einen Schutzbrief zu haben. Wenn der Gegner schuld ist, dann zahlt die Versicherung des Gegners.

Es gilt die Regel, dass die gegnerische Versicherung die Abschleppkosten des Fahrzeugs bis zur nächsten Fachwerkstatt übernehmen muss, nicht nach Hause. In der Werkstatt wird dann der Zustand des Fahrzeugs geprüft.

Habe ich Anspruch darauf, den Unfallschaden von einem eigenen Sachverständigen prüfen zu lassen? Auch wenn ich schuld am Unfall bin?

Ja, ich kann einen eigenen Sachverständigen zu Rate ziehen. Dann habe ich zumindest das Gefühl, dass der etwas objektiver bewertet, als der Sachverständige, der von der gegnerischen Versicherung gestellt ist.

Unter welchen Bedingungen bekomme ich von der gegnerischen Versicherung einen Mietwagen bezahlt, wenn das eigene Fahrzeug in der Werkstatt ist?

Wenn der Gegner zu 100 Prozent haftet, habe ich Anspruch auf ein Ersatzfahrzeug. Ich muss vor Anmietung eines Mietwagens Vergleichsangebote einholen bzw. mit der gegnerischen Versicherung Kontakt aufnehmen, ob die zu günstigen Preisen ein Ersatzfahrzeig anbietet. Sonst kann es leicht passieren, dass die Versicherung sagt, der Mietpreis für das Ersatzfahrzeug sei überhöht und sie zahlen nur einen Teil davon. Dies gilt für die Zeit der Reparatur. Bei einem Totalschaden können es schon 20 bis 30 Tage sein, die man einen Mietwagen bezahlt bekommt.

Bekomme ich den Mietwagen bezahlt, wenn ich schuld bin und eine Kaskoversicherung habe?

Das kommt auf den Kaskovertrag an. Es ist nicht immer inkludiert.

Zahlt die gegnerische Versicherung auch die Fahrtkosten zum Arzt oder zur Physiotherapie?

Mann massiert Beine einer Frau
Wenn nach einem Unfall immer wieder Fahrten zum Therapeuten anstehen, zahlt die die Versicherung die Fahrtkosten. Bildrechte: IMAGO

Der Patient hat Anspruch darauf. Man spricht von der sogenannten Unfallpauschale. Die liegt in der Regel bei 25 Euro. Damit sollen Fahrtkosten, Porto- oder Telefonkosten abgedeckt werden. Wenn bei einem langwierigen Krankheitsverlauf höhere Fahrtkosten entstehen, macht es Sinn, diese aufzulisten. Dann kann man zusätzliche Kosten geltend machen.

Muss man einen Schaden am Auto unbedingt durch eine Werkstatt reparieren lassen oder kann die Schadensumme auch ausgezahlt werden?

Ich bin nicht verpflichtet, das Auto reparieren zu lassen, sondern kann mir die Summe auch auszahlen lassen. Dann erhalte ich aber nur den Netto-Betrag, weil die Mehrwertsteuer in dem Moment nicht angefallen ist.

Kann ich als Unfallverursacher auch persönlich für Kosten herangezogen werden, die nebenher anfallen können, wie zum Beispiel Kosten bei Personenschaden oder Fahrtkosten? Oder zahlt immer die Versicherung?

Ich kann selbst für die Kosten einspringen, muss es aber nicht. Deshalb habe ich ja die Versicherung. Es macht ja keinen Sinn, Versicherungsbeiträge zu zahlen, um dann den Schaden selbst aus eigenem Vermögen zu begleichen.

Was passiert, wenn der Geschädigte arbeitsunfähig ist? Wer zahlt dann? Der Arbeitgeber, die Krankenkasse oder die gegnerische Versicherung?

Hier gilt die sogenannte Entgeltfortzahlung. Da ist der Arbeitgeber zunächst verpflichtet für sechs Wochen die Fortzahlung zu übernehmen. Nach Ablauf der sechs Wochen tritt die Krankenkasse in Kraft. Die Differenz zwischen Krankengeld und fiktivem Nettolohn kann ich von der Versicherung des Verursachers geltend machen.