Das Wort "Schulden" steht auf einem Taschenrechner, der auf Euro-Banknoten liegt
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Ratgeber von MDR SACHSEN Schulden - und was nun?

Hauskauf, Autokauf, ein neues Smartphone und vieles mehr verleiten zum Schuldenmachen. Was kann und sollte man tun, wenn man in der Schuldenfalle steckt? Und wo gibt es Hilfe? MDR SACHSEN hat bei Carmen Hoffmann von der Schuldnerberatungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen nachgefragt.

Das Wort "Schulden" steht auf einem Taschenrechner, der auf Euro-Banknoten liegt
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Ist es heute leichter, Schulden zu machen?

Carmen Hoffmann: Es ist sozusagen wirtschaftlich gewollt, Sie zu binden – an Marken, an Produkten, an den Kommerz im Allgemeinen. Es ist gewollt, dass gekauft wird. Davon lebt die Wirtschaft. Gerade in Familien mit wenig Geld sind die Menschen anfälliger. Die Konditionen richten sich an die Bonität. Je schlechter es finanziell um jemanden steht, umso schlechter sind auch die Konditionen. Menschen mit einem geringen Einkommen werden mit Ratenzahlungen gelockt. Daraus resultiert eine langfristige Bindung an Zahlungen, die man auf Dauer nicht halten kann.

Schulden sind leider normal.

Carmen Hoffmann | Verbraucherzentrale Sachsen

Ab wann gilt ein Mensch als überschuldet?

Dann, wenn die Einnahmen nicht ausreichen, die Ausgaben zu decken. Dann ist es ganz wichtig, die Haushaltsführung zu überdenken und Prioritäten zu setzen. Das heißt alle existenzsichernden Ausgaben sollten zuerst gezahlt werden, nicht die Kreditraten etc. Gegebenenfalls sollte man sich Rat holen.

Welche Schuldnerberatung ist seriös? Was muss man beachten?

Es sollte eine kostenfreie bzw. soziale (an Wohlfahrtsverband oder freien Träger angeschlossen) Schuldnerberatung sein. Da sollte man sich vor Ort kundig machen. An sich werden Schuldnerberatungen kommunal und Insolvenzberatungen über Landesfördermittel finanziert und kostenfrei in Sachen angeboten.

Was tut die Schuldnerberatung im Schuldenfall?

Eine Frau und ein Mann sitzen köpfehaltend an einem Tisch
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Erst einmal wird ein Haushaltsplan erstellt. Es geht darum, folgende Frage zu klären: Wie sieht die Einnahmen-Ausgaben-Situation aus? Beide Positionen werden gegenüber gestellt. Es wird darauf geschaut, wie der Schuldner mit den Verpflichtungen umgeht, die er aktuell nicht tilgen kann. Dann kann die Beratung gegenüber den Gläubigern vermitteln. Alle Kosten sollten offen gelegt werden.

Kann man in der Not kurzfristig noch an Geld kommen?

Bei eingehender Kontopfändung kann man sein Konto mit einem Pfändungsschutz versehen. Das heißt, das Girokonto wird in ein Pfändungsschutzkonto umgewandelt. Das ist der einzige Zwangsvollstreckungsschutz für Konten, den es noch gibt. Wenn ich nicht aktiv werde, muss die Bank das Geld, obwohl es unpfändbar ist,  an den Gläubiger abführen. Denn die Bank ist nicht verpflichtet, zu prüfen, welche Gelder dort eingehen.

Sinkt durch das Einrichten eines Pfändungskontos die Bonität?

Ja. Davon gehe ich aus, da dies der Schufa bekannt gegeben wird. Damit sinkt der Bonitätswert. Da man davon ausgehen kann, dass es Schulden gibt. Aber es ist der einzige Pfändungsschutz. Nur so hat der Schuldner die Chance, das zum Leben notwendige Geld zu erhalten, ohne dass der Gläubiger darauf Zugriff hat.

Wird der Eintrag aus der Schufa automatisch gelöscht, wenn man schuldenfrei ist, oder muss man selbst tätig werden?

Nein. Was einmal drin war, bleibt drei Jahre. Man kann eine vorzeitige Löschung beim Gläubiger beantragen. Im Allgemeinen kann man darauf achten, dass bei der Schufa ein Erledigungsvermerk verzeichnet wird. Das heißt, dass man mit der Schufa vereinbart bzw. dass der Gläubiger vermerkt hat, dass die Schulden getilgt sind.

Wie hoch ist die Freigrenze auf einem Pfändungsschutzkonto, die nicht gepfändet werden darf?

Einen Sockelfreibetrag über 1.133 Euro hat man immer. Den kann man entsprechend seiner finanziellen Verpflichtungen, wie Unterhaltszahlungen, anheben lassen.

Darf die Bank dafür höhere Kontoführungsgebühren verlangen?

Nein. Ein Pfändungsschutzkonto darf nicht mehr kosten als das vorher geführte Giro-Konto.

Was bedeutet der Gang in die Insolvenz? Wann ist der nötig?

Das ist dann sinnvoll, wenn absehbar ist, dass man seine Schulden nicht tilgen kann oder wenn klar ist, dass man die Schulden trotz Einnahmen nie zurückzahlen kann. Eine Insolvenz bedeutet, dass man trotz Zahlungsunfähigkeit nach einer Wohlverhaltensphase in die Lage versetzt wird, irgendwann wieder schuldenfrei zu sein. Das ist natürlich mit Pflichten verbunden, wie Suche nach Arbeit, Zufriedenstellung des Gläubigers usw.

Wie verhält man sich richtig gegenüber massiv auftretende Inkasso-Büros?

Erst einmal ist zu prüfen, ob die Forderung überhaut berechtigt ist. Wenn sie berechtigt ist, dann sollte man prüfen, ob die Kosten berechtigt sind. Dann sollte man Kontakt aufnehmen und eine Zahlungsvereinbarung oder einen Vergleich über eine Rückzahlung vereinbaren. Wenn keine Zahlungen möglich sind, dann sollte man eine Schuldnerberatungsstelle aufsuchen, da diese oft einen anderen, besseren Status gegenüber dem Gläubiger haben und so bessere Vergleiche aushandeln können.

Darf das Pfändungskonto wieder in ein "normales" Konto umgewandelt werden?

Das darf man in jedem Fall. Es besteht in Deutschland das Recht auf Umwandlung.

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