Richter im Bundesgerichtshof.
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Dienstags direkt | MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 25.09.2018 | 20:15-23:00 Uhr Recht haben und Recht bekommen: Juristen als dritte Gewalt im Staat

Leipzig wird zum Zentrum des Deutschen Rechtssystems. Etwa 2.500 Richter, Anwälte, Professoren, Unternehmensjuristen, Referendare und Studierende treffen sich dort zum 72. Deutschen Juristentag. „Dienstags direkt“ sendet live und holt bedeutende Juristen ins Studio. Themen sind unter anderem die Folgen der Migration, Sammelklagen als neue Instrumente im kollektiven Rechtsschutz sowie die Anpassung des Sorgerechts an neue Lebensrealitäten und Familienmodelle.

Richter im Bundesgerichtshof.
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Unabhängige Richter, freie Anwälte und eine an Recht und Gesetz gebundene Rechtsprechung gelten als dritte Gewalt des Staates. Sie gehören damit zur Basis einer Demokratie. Mit den von Anwälten eingeleiteten Gerichtsverfahren und der dann ergehenden Urteile interpretieren und gestalten Juristen Rechtsräume - manchmal sogar bevor dies Gesetze tun. Deswegen gilt der bereits seit 1860 bestehende Juristentag als Barometer von Recht und auch Politik. Seine Beschlüsse bilden die Grundlage für weitere rechtspolitische Diskussionen und haben schon oft wichtige Impulse für Änderungen in der Gesetzgebung gesetzt.

Migration – Wie kann Recht Zuwanderung und Integration steuern?

Um die bestehende Rechtsordnung zu hinterfragen, Recht fortzuschreiben und Änderungen vorzuschlagen, treffen sich Mittwoch bis Freitag etwa 2.500 Richter, Anwälte, Professoren, Unternehmensjuristen, Referendare und Studierende zum Deutschen Juristentag in Leipzig. Themen sind dabei unter anderem die Folgen der Migration. Müssen die Juristen mit ihrer Rechtsprechung verzögertes Handeln der Politik ausgleichen? Wenn ja, wie kann das gelingen?

Wie gerecht sind verschieden hohe Strafen bei gleichartigen Straftaten?

Verschieden hohe Strafen bei gleichartigen Straftaten haben zuletzt immer wieder für Kritik gesorgt. Die Gerichte haben einen großen Spielraum bei der Bestimmung der konkreten Strafe im Einzelfall. Deswegen kommt es im gegenwärtigen Recht zu erheblichen Unterschieden und damit zu Ungleichheiten bei der Strafzumessung. Können Leitlinien hier zu gerechteren Strafen führen? Muss das Strafzumessungsrecht reformiert werden? Darüber diskutieren die Experten in der strafrechtlichen Abteilung des Juristentages.

Sammelklagen – Bedarf es neuer Instrumente im kollektiven Rechtsschutz?

Der Skandal um verfälschten Abgaswerte bei VW und anderen Automobilunternehmen sorgt seit vielen Monaten für Diskussionen. Für viele Verbraucher stellt sich jetzt die Frage: Wie kann ich mich wehren? Wie können in Zukunft Sammelklagen organisiert werden? Die Anforderungen an den kollektiven Rechtsschutz sind ein zweiter Schwerpunkt des Juristentages und sollen vor dem Hintergrund der aktuellen Gegebenheiten neu diskutiert werden.

Trennung und Scheidung – Reformen im Sorge- und Unterhaltsrecht?

Wenn Familien sich trennen, ist das tragisch. Eltern müssen sich plötzlich die Betreuung ihrer Kinder teilen. Doch wie kann dies gerecht umgesetzt werden? Die gemeinsame Eltern-Verantwortung – auch diskutiert als „Wechselmodell“ – soll als dritter Schwerpunkt neben vielen weiteren Aspekten auf dem Juristentag in Leipzig besprochen und verhandelt werden.

Nach Diskussionen in den Fachabteilungen unterbreitet der Juristentag Vorschläge für Rechtsänderungen und weist auf Missstände hin. Unter Juristen gilt es als große Ehre, dort einen Vortrag zu halten. Dienstags direkt sendet live diesmal  aus der Albertina-Universitätsbibliothek direkt neben dem Bundesverwaltungsgericht – und holt bedeutende Juristen ins Studio.

Martin W. Huff, Rechtsanwalt & Pressesprecher des Deutschen Juristentags
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Dienstags direkt Martin W. Huff

Martin W. Huff, Rechtsanwalt & Pressesprecher des Deutschen Juristentags

Rechtsanwalt & Sprecher des Deutschen Juristentags

"Der Juristentag ist die europaweit größte Tagung, die in aktuellen Rechtsfragen konkrete, ausgewogene Empfehlungen an den Gesetzgeber gibt, die dort Gehör finden."

Birgit Munz, Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Vizepräsidentin des OLG Dresden und Vorsitzende des Ortsausschusses
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Dienstags direkt Birgit Munz

Birgit Munz, Präsidentin des Verfassungsgerichtshofes, Vizepräsidentin des OLG Dresden

Präsidentin Verfassungsgerichtshof, Vizepräsidentin OLG Dresden

"Der Juristentag greift aktuelle rechtspolitische Fragen auf und gibt durch seine Beschlüsse dem Gesetzgeber Empfehlungen für Rechtsänderungen. “

Professor Caroline Meller-Hannich, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Handelsrecht
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Dienstags direkt Professor Caroline Meller-Hannich

Professor Caroline Meller-Hannich, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Handelsrecht

Universität Halle

"Wir brauchen Klagemodelle, bei denen Schäden vieler Personen in einem Prozess zusammengefasst werden. Große Schadensereignisse, wie der Diesel-Skandal, können damit effektiver abgewickelt werden.“

Professor Andreas Mosbacher, Richter am Bundesgerichtshof
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Dienstags direkt Professor Andreas Mosbacher

Professor Andreas Mosbacher, Richter am Bundesgerichtshof

Richter am Bundesgerichtshof

"Nur weite Strafrahmen ermöglichen es, den konkreten Umständen des Einzelfalls bei der Bestrafung gerecht werden zu können. Richter brauchen hierfür einen großen Ermessensspielraum."

Professor Uwe Berlit, Migration, Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig
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Professor Uwe Berlit, Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht Leipzig

Vorsitzender Richter am Bundesverwaltungsgericht Leipzig

"Integration ist eine Herausforderung für Staat und Gesellschaft. Die kluge Gestaltung dieser schwierigen und komplexen Aufgabe ist ein Gebot der Vernunft."

Die modellhafte Nachbildung der Justitia steht in einem Raum eines Richters neben einem Holzhammer und einem Aktenstapel.
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Dienstags direkt | 25.09.2018 | ab 20:00

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2018, 16:57 Uhr